Zollikon

Sammeln und trennen

Strahlefrau Roswitha Leutenegger. Die meisten ihrer Kunden kennt sie beim Vornamen. (Bild: mmw)

110 Tonnen Karton, 75 Tonnen Sperrgut, 24 Tonnen Eisen, 20 Tonnen Grubengut, 7900 Säcke Kunststoffsammelsäcke und 2 Tonnen Getränkekarton – so viel wurde im 2018 in Zollikon an der Hauptsammelstelle gesammelt. «Die Menge an Material in der Sammelstelle nimmt generell zu», sagt Betriebsleiter Fritz Kühne vom zuständigen Entsorgungsunternehmen J. Grimm AG. Sehr gut genützt werde das seit zwei Jahren angenommene Sperrgut. Auch die Kunststoffsammelsäcke nähmen ständig zu. Wir haben die Sammelstelle am ersten Arbeitstag im neuen Jahr besucht.

An Weihnachten liegen zahl­reiche Geschenke unter dem Christbaum, über die Festtage werden etliche Flaschen von ihren Korken befreit. Zurück bleiben Tonnen an Verpackungs­material und Glas. Bei der Hauptsammelstelle an der Dachslerenstrasse in Zollikon wird nach dem Jahreswechsel jeweils fleissig entsorgt. Ein Besuch am ersten Arbeitstag 2019.

Donnerstag, drei Tage jung ist das neue Jahr. Zum ersten Mal seit langem lacht seit dem frühen Morgen die Sonne auch im Flachland vom Himmel, der sich bis in den Mittag hinein von seiner schönsten blauen Seite zeigt. Schnee liegt, kalt ist’s, erst recht mit den zunehmend aufkommenden Wolken. Sie steht ebenfalls lachend da, ihre Hände sind aber nicht in wärmende Handschuhe eingepackt, ebenso wenig ihr Körper dick umhüllt, auch eine Wintermütze sucht man bei ihr vergebens. Warum auch? Roswitha Leutenegger weiss, dass sie kaum kalt haben, ihr Arbeitstag sie genügend auf Trab halten wird. Sie ist in ihrem Element – in ihrem Element als Leiterin der Sammelstelle Zollikon, wo an diesem ersten Arbeitstag im neuen Jahr kurz nach halb zwei Uhr nachmittags bereits emsiges Treiben herrscht.

Wie Bienen kommt die Kundschaft angeschwärmt, die Autos vollgepackt mit Waren, die der Recycling-Königin abgeliefert werden. Roswitha Leutenegger nimmt das gesammelte Material in Empfang, wägt den gebührenpflichtigen Plastik ab, sprintet zur Kartonpresse, die sie per Druckknopf in Bewegung setzt, kassiert das Abgewogene ein, zeigt, wo das Styropor entsorgt wird, wohin Metallteile kommen, wo sich der Behälter mit den PET-Flaschen befindet, händigt auf Nachfrage den neuen Versorgungskalender aus. Und bereits ist die Kartonpresse wieder übervoll, muss erneut in Bewegung gesetzt werden.

Viele, die an diesem Donnerstagnachmittag kommen, bringen Verpackungsmaterial zum Entsorgen. Verpackungen von Lego und anderen Kinderspielzeugen oder solche von Elektrogeräten landen so kurz nach Weihnachten häufig in der Presse. Hochkonjunktur hat aber auch der dunkle Rachen fürs Sperrgut, ganze zwei Tonnen schluckt dessen Container. «Wir sind sehr glücklich mit ihr», sagt die Leiterin der Zolliker Hauptsammelstelle strahlend über die Presse, «und unsere Kunden auch!» Angeschafft wurde sie vor zwei Jahren, als der gratis Sperrguttag abgeschafft wurde, der nicht nur Zolliker in Massen anzog und den Verkehr jeweils kurzzeitig zum Erliegen brachte, ein Durchkommen gab es an der Dachslerenstrasse keines mehr. «Die Leute kamen in Scharen, der Andrang war jeweils kaum zu bewältigen», weiss Roswitha Leutenegger. Einer, der die Sperrgutpresse besonders interessiert beobachtet, ist Assaf Sauer. Erst vor zwei Tagen sei er nach Zollikon gekommen, erzählt der gebürtige Israeli, der aus Tel Aviv hierhergezogen ist. Zusammen mit seiner Frau entsorgt er gerade Verpackungsmaterial vom Umzug. Zur Sammelstelle begleitet werden sie von der Vermieterin, die dem Paar den Ablauf erklärt und alles zeigt. Assaf Sauer zeigt sich beeindruckt: «Zwar wird auch bei uns immer mehr getrennt entsorgt, aber nicht in diesem Ausmass. Das ist komplett neu für mich. Einfach wunderbar», freut er sich. Freude am Verhalten ihrer Kunden hat auch Roswitha Leutenegger.

Sie stelle ein wachsendes Umweltbewusstsein fest, was sich daran zeige, dass immer besser und immer mehr getrennt werde. «Früher schmissen die Leute alles zusammen weg», heute mache das kaum einer mehr. Ein gestiegenes Bewusstsein nehme sie besonders gegenüber dem Plastik wahr. Die Kunststoffsammelsäcke, die es in Zollikon seit zwei Jahren zum Kaufen gibt, findet sie eine gute Sache. «700 bis 800 Plastiksäcke sammeln wir jeden Monat.» Roswitha Leutenegger erkennt sofort, wenn ein Auswärtiger die Sammelstelle aufsucht. Aktuell seien dies besonders Küsnachter, da die gemeindeeigene Hauptsammelstelle im Moment neu gebaut wird und ihnen zurzeit nur ein provisorischer Sammelstellenbetrieb in Erlenbach zur Verfügung steht. «Viele weichen zu uns aus», weiss sie. Die aufgestellte 54-Jährige wird für einmal etwas ernster: «Die Küsnachter müssen noch erzogen werden», sagt’s und schiebt sofort wieder ein herzhaftes Lachen nach. Die Zolliker habe sie über die Jahre angeleitet. Die wüssten mittlerweile genau, was wo hingehört und was zusammen weggeworfen werden darf und was nicht – bei den Auswärtigen sehe das noch anders aus.

Diese Worte bestätigt ein Küsnachter gleich selbst. Er ist gerade dabei, Sperrgut zu entsorgen. «Ich komme viel lieber nach Zollikon, als dass ich nach Erlenbach gehe», erzählt er. Die provisorische Sammelstelle sei schlechter organisiert als diese hier in Zollikon, wo die Infrastruktur hervorragend sei. Dass an der Dachslerenstrasse auch Sperrgut entsorgt werden kann, begeistert ihn. Voll des Lobes ist er auch für die Leiterin: Sehr freundlich sei sie, selbst wenn sie mal mahnende Worte brauche. Sie sei überaus hilfsbereit und verrichte ihre Arbeit sehr effizient. Und eben: Sie erziehe die Leute, und das sei richtig und wichtig zugleich.

Aus Karton wird wieder Karton

Wer Roswitha Leutenegger kennt oder auch nur für einen kurzen ­Augenblick beobachtet, kann das Gesagte nur bestätigen. Für jeden hat die Entsorgungsexpertin ein freundliches Wort parat, schenkt einem selbst an kalten Nachmittagen wie diesem ein wärmendes Lächeln, gefolgt von einem herzhaften Händedruck und den besten Wünschen zum neuen Jahr, das einem vor allem Gesundheit bringen möge. Ihr Mann Thomas, der ihr auf der Sammelstelle oft unter die Arme greift, steht seiner Frau in Sachen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft in nichts nach.

Mahnende Worte fallen aber auch an diesem Donnerstagnachmittag hin und wieder. «In die Kartonpresse gehört Karton – und nur Karton», ruft sie mehrmals über das Areal. «Geschenkpapier sollte keines in die Kartonpresse, da müssen wir im Moment aufpassen wie ein Häftlimacher», erklärt sie. Aus Karton wird wieder Karton gemacht, deshalb darf auch nur Karton in die Presse rein. Gelange anderes Material wie Papier in den Container, würde sie beim Abladen des Kartons in Bubikon dann zu hören bekommen, sie habe schlecht gearbeitet. Das möchte Roswitha Leutenegger, die ihre Arbeit mit so viel Herzblut verrichtet, natürlich vermeiden. (mmw)

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