Zumikon

Total lokal

Bei der Premiere des Dorftheaters Zumikon von «Die Schweizermacher» steht heute Abend auch der Gemeindepräsident auf der Bühne.

Von wegen «Dorftheater». Was das Zumiker Ensemble ab heute Abend auf der Bühne im Gemeindesaal zeigt, ist mehr. Es ist Konzert, Revue, Satire, Musical und Schauspiel. Als Vorlage diente – wenn schon, denn schon – der erfolgreichste Schweizer Film überhaupt: Die Schweizermacher. Doch Stop. Zuerst sei ja nicht der Film gewesen, unterstreicht Regisseur Paul Steinmann. Am Anfang sei das Drehbuch gewesen. Dialoge und Szenen – so wie beim Theater. Und dieses nutzte er als Grundlage für seine Inszenierung. Ein Film hat schnelle Schnitte, Grossaufnahmen. Das kann das Theater nicht bieten. Aber mit einem Bühnenbild in Setzkastenform geht es doch schnell und zügig zu. Die Augen haben viel zu sehen, zu erfassen und zu staunen.

Eine der grössten Veränderungen gegenüber dem Film ist die Rolle der Milena Vakulic. Eigentlich ist sie Tänzerin. In Zumikon wird daraus eine Sängerin. Der Grund dafür ist einfach: Wer eine solch stimmgewaltige und bühnenpräsente Moira Montanari im Ensemble hat, muss sie einfach singen lassen, die Scheinwerfer auf sie richten. Und so legt sie gleich am Anfang los: mit Mani Matter, Abba, mit deutschem Schlager und englischem Rock. Es ist eigentlich nicht fair, in Laienproduktionen einzelne Darsteller herauszuheben. In diesem Fall ist es unvermeidbar, vor allem weil die Zumikerin eine Sogwirkung mit sich bringt. Ihre Lust am Spiel, an der Darstellung überträgt sich einfach. Das spüren ihre Mitspieler und das Publikum.

41 Jahre später

Die Produktion «Die Schweizermacher» ist aus dem Vollen gefräst – eine richtig «fette» Darstellung mit Perfektion bis ins Detail. Allein die Kostüme aus den 70er Jahren lassen schön erschauern. So viel Polyester, so viel Farbe, Schlaghosen, Rüschen und Lackstiefel – herrlich. Und sogar Telefone mit Wählscheibe wurden aufgetrieben. Lange 41 Jahre sind seit der Premiere des Films vergangen – das Thema der Integration ist aktueller denn je. Was bedeutet es, Schweizer zu sein? Was ist schweizerisch? Für den Einbürgerungspolizisten Max Bodmer ist klar: «Jeder ist hier willkommen. Ausser er will bleiben.» An seiner Seite steht der junge Polizist Moritz Fischer, gefangen zwischen den Erwartungen des strengen Vaters und dem eigenen Testosteronspiegel. In dem Moment, als er Milena das erste Mal sieht, wird er Opfer seiner eigenen Hormone. Es sind richtige Typen, die Paul Steinmann erscheinen lässt. Die geschwätzige Nachbarin, die sich über die Sängerin aufregt, weil sie braune Abfallsäcke benützt. Alle anderen haben graue Säcke. So fängt doch das Chaos an, oder?

Da ist der temperamentvolle Francesco Grimolli, Italiener und – noch schlimmer – Gewerkschaftler. Und da ist das verzweifelte deutsche Paar, das schon vor der Einbürgerung die Schweizer Flagge kauft, eifrig im Sprachkurs das «ch» übt und zur legendären Fondue-Szene einlädt. Es ist so berührend peinlich, so beschämend und immer wieder komisch. Doch hat Frau Starke nicht ein bisschen recht, wenn sie sagt: «Wenn ich Hochdeutsch rede, bin ich die arrogante Dütsche. Spreche ich Schwyzerdütsch, werde ich ausgelacht»?

35 Rollen

Die Schauspielerinnen und Schauspieler, die im September 2018 zum ersten Mal zusammensassen, werden im besten Fall nicht geahnt haben, welche Arbeit auf sie zukommen würde. 22 Darsteller müssen 35 Rollen mimen. Mehr als 50 Proben standen an. Einer von ihnen hatte es allerdings leichter als die anderen: Gemeindepräsident Jürg Eberhard spielt den Gemeindepräsidenten. Denn das ist der besondere Clou an der Aufführung. Die Antragsteller wollen nicht nur Schweizer werden. Sie wollen Zumiker werden. Und so kommt der Abend «total lokal» daher und bietet sogar noch einen Gast mit Überraschungseffekt.

Anstrengender ist es für andere wie für Rainer Notter, der eigentlich Bassist der Bühnenband ist, aber auch als Fremdenpolizei-Aspirant und als Sprachschüler in andere Figuren schlüpft. Gleich vier Rollen übernimmt Annina Lehmann als Tochter, Haushaltshilfe, Raumpflegerin und Arbeiterin. Es sei sehr harzig gewesen, ausreichend Schauspieler für die Produktion zu finden, räumt Moira Montanari, die nebenbei auch Präsidentin des Dorftheaters ist, ein. Die Suche hat sich gelohnt. Und die Belohnung, den Beifall, wird es wohl heute Abend geben, wenn der Vorhang der Premiere fällt. (bms)

 

Weitere Vorstellungen am 23., 24. 27., 29. und 30. März und am 4. und 5. April. Vorverkauf in der Drogerie Zumikon und über www.dorftheaterzumikon.ch.

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