Zollikon

Abbruch, Sanierung oder Neubau?

Die Zukunft des Schwimmbads Fohrbach ist unklar: Der Gemeinderat setzt eine interne Projektgruppe ein, die alle Varianten nochmals prüft – auch einen Abbruch der Anlage.

1,5 Millionen Franken, so viel hatte der Projektierungskredit für die Sanierung des Schwimmbads Fohrbach betragen, welchen der Zolliker Gemeinderat fürs Budget 2019 vorsah. Doch die Gemeindeversammlung sagte dazu Nein und strich den vorgesehenen Budgetposten. Der Tenor der Versammlung war, dass die Stimmbürger Zeit bräuchten und mit mehr Hintergrundwissen die Zukunft des Bades diskutieren wollten. Zwar lag bereits zu jenem Zeitpunkt eine Vorstudie eines Beratungsunternehmens und eines Architekturbüros vor, welche der Gemeinderat in Auftrag gegeben hatte, um die zukünftigen Entwicklungen des Schwimmbades zu untersuchen. Fertiggestellt und publiziert wurde diese jedoch erst wenige Tage vor der Versammlung. Zu kurz, befanden die Stimmbürger, und auch der Gemeinderat habe sich zu wenig mit ihr befassen können und solle sich erst eine klare Meinung bilden.

Die neue Sauna kommt an    

Bereits sagen, welche Variante der Gemeinderat nun vorzieht, kann Gemeinderat André Müller zwei Monate nach der Versammlung noch nicht. «Wir sind aber nochmals über die Bücher», betont er, dies sei denn auch der Auftrag, den der Gemeinderat von der Versammlung gefasst habe. «Wir haben uns mit der Vorstudie vertieft auseinandergesetzt und nun eine interne Projektgruppe ins Leben gerufen, die alle Varianten nochmals prüft», führt der Sicherheits- und Umweltvorsteher aus. Dabei soll auch nochmals genauer angeschaut werden, wovor die Vorstudie abriet: einem Abbruch der Anlage oder einer Reduktion auf ihre Kernfunktion als Schwimmbadbetrieb, möglicherweise auch an einem anderen Standort. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei eine Reduktion der Anlage auf ihre Kernfunktion nicht rentabel, hielt die Studie fest, die minimal nötige Schwimmbadtechnik bringe bereits hohe Kosten mit sich. Durch ein breites Angebot der Wasserflächen – nebst den Schwimmbecken auch Mehrzweck-, Lehrschwimm-, Plansch- und Saunabecken – könnten bei der Nutzung der Technik Skaleneffekte erreicht werden, heisst es im entsprechenden Bericht. Zusatzangebote wie Sauna, Fitness und Gastronomie trügen zur Kostendeckung bei. André Müller sagt denn auch, dass man mit den Besucherzahlen der im Herbst 2017 eröffneten Sauna sehr zufrieden sei, auch in finanzieller Hinsicht. Sie trage zu einer höheren Kosten­deckung der Gesamtanlage bei.

Entscheid an der nächsten Budgetversammlung

Die Vorstudie schliesst mit der Empfehlung, das Fohrbach mit optimierten Erhaltungsmassnahmen für 35,9 Millionen Franken zu sanieren und den Betrieb durch die Gemeinde in der Form eines Eigenwirtschaftsbetriebs oder einer Betriebs-AG mit einer Mehrheitsbeteiligung der Gemeinde vertieft zu prüfen. Dies würde in einem zweiten Schritt gemacht, sagt André Müller, falls die Sanierung doch noch gutgeheissen werde. Zuerst würden nun aber die beiden Varianten nebst den beiden Sanierungen – die günstigere für 32,4 Millionen Franken oder die teurere energetisch optimierte Variante für knapp 36 Millionen Franken, die einen neuen Gastrobereich anstelle des alten Freibadkiosks vorsieht, der helfen soll, den Kostendeckungsgrad zu optimieren – nochmals vertiefter angeschaut: der Abbruch der Anlage, aber auch ein Neubau des Bades. Aus der Studie geht hervor, dass Letzterer 63 Millionen Franken kosten würde. Beim Abbruch der Anlage werde auch untersucht, ob es alternative Standorte gebe, wie es SVP-Präsident Thomas Gugler an der Gemeindeversammlung im Dezember gefordert hatte. Er fand, dass es zwar klar ein Hallenbad brauche, in dem die Zolliker Kinder schwimmen lernen können und auch Vereine ein Zuhause haben, der jetzige Standort gegenüber der Allmend sei jedoch nicht sakrosankt. Vorstellen könnte sich Thomas Gugler, wie er damals ausführte, ein kleineres Hallenbad dort, wo jetzt noch das ehemalige Pflegeheim am See steht. Damit könnten Synergien mit dem Seebad Zollikon genutzt werden. Ob dies tatsächlich eine Option ist, werde nun bis im Frühjahr geprüft, erklärt der Gemeinderat. Dann werden die Parteien, aber auch die RPK, welche die Kosten für die Sanierung ebenfalls kritisiert hatte und die Rückweisung des Projektierungskredites empfahl, und weitere interessierte Kreise zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. An dieser wird die Behörde gemäss ­André Müller erörtern, welche ­Varianten vertieft nochmals geprüft wurden und seine favorisierten ­Varianten vorstellen. «Alle Kreise miteinzubeziehen, ist uns wichtig», sagt er. Nach der Orientierungsveranstaltung, bei der auch eine Besichtigung der gesamten Anlage vorgesehen ist, erhielten alle nochmals Zeit, sich zu den vorgeschlagenen Massnahmen des Gemeinderates zu äussern. Im Anschluss werde der Gemeinderat einen definitiven Entscheid fällen und den Projektierungskredit oder aber die Orientierung über die allfällige Schliessung des Bades voraussichtlich an die Budgetgemeindeversammlung von Ende November herantragen.

In besserem Zustand als angenommen

Das Fohrbach mit Baujahr 1972 ist sanierungsbedürftig. Der Zolliker Gemeinderat hat dies in den vergangenen Monaten seit den etappenweise erfolgen Sanierungen wie dem jüngst erneuerten Ge­bäudeteil mit Personalräumen, Gruppen­garderoben und Sauna mehrmals festgehalten. Auch die Vorstudie zeigt auf, dass die An­lage saniert werden müsste. Vertiefte Abklärungen hätten jedoch gezeigt, dass das Bauwerk allgemein in ­einem besseren Zustand ist als bisher angenommen. Der verbleibende Gebäudewert betrage knapp 13 Millionen Franken. Dringliche Sanierungen sind laut André Müller bei der Heizung nötig, der Badwassertechnik sowie bei der Aufhängung der abgehängten Decke in den Schwimmhallen, die erneuert werden müsse. «Einsturzgefährdet ist Decke nicht», erklärt der Sicherheits- und Umweltvorsteher, bei einer zu grossen zeitlichen Verzögerung müssten diese baulichen Massnahmen aber separat als gebundene Kosten angegangen werden. Kosten, die sich wiederum gesamthaft auf einige Millionen  Franken belaufen würden. (mmw)

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