Zollikon

Weinflaschen landen jetzt in der Altglassammlung

Zollikons Ganzglasgitter gibt es nicht mehr. Ab sofort müssen Weinflaschen in den Container entsorgt werden, wo grünes, weisses und braunes Glas separat eingeworfen werden kann. (Bild: mmw)

Zollikon hat seine Ganzglas­gitter letzte Woche aufgelöst. Der Grund sind Fremdkörper und zu hohe Kosten.

Wer seine leeren Weinflaschen loswerden wollte, konnte diese in der Gemeinde ­Zollikon – wenn die Flaschen ganz waren und die richtige Form aufwiesen – bis anhin in Gitterpaletten entsorgen, deren fünf es in Dorf und Berg gab. Mitte letzter Woche wurde diese Ganzglassammlung nun aber aufgehoben. «Der Aufwand war schlicht nicht mehr gerechtfertigt», sagt Frank Neuhäuser, Abteilungsleiter Sicherheit und ­Umwelt der Gemeinde Zollikon. Zwei Stunden hätten die Unterhaltsmitarbeiter täglich damit verbracht, die Glassammelstellen aufzuräumen sowie die Gitter nach Fremdkörper zu durchforsten und falsch deponiertes Material auszusortieren. Denn entsorgt werden konnten nicht alle Weinflaschen. Mit regelmässigen Plakataktionen bei den Sammelstellen wurde zwar darauf aufmerksam gemacht, welche Flaschen gebraucht werden können – Champagnerflaschen und Flaschen von Überseeweinen gehörten beispielsweise nicht dazu – doch sei dies wohl vielen zu kompliziert gewesen, jede Flasche einzeln anzuschauen, mutmasst Frank Neuhäuser. «Es gab immer wieder Leute, die ihr gesamtes Altglas in den Gittern deponierten und sich nicht um die korrekte Trennung bemühten.» Auch normaler Abfall, PET und Keramik sei häufig in den Gittern zu finden gewesen.

Dass Fremdkörper die Qualität der Sammlung beeinträchtigen können, wie es die Gemeinde Zollikon als einen der Gründe für die Aufhebung der Ganzglasgitter anführte, bestätigt Philipp Suter der privaten Organisation VetroSwiss. Der Vorteil der Ganzglassammlung gegenüber der Sammlung von Bruchglas sei im ökologischen Nutzen zu finden, der anhand einer Ökobilanz – der systematischen Analyse der Umweltwirkungen von Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen entlang des gesamten Lebenswegs – belegt werden könne. Aus ökologischer Sicht ist es demnach die beste Lösung, Weinflaschen zu sortieren, zu waschen und wie Mehrweggebinde erneut in den Umlauf zu bringen, wie die Ökobilanz zur Altglassammlung des Bundesamts für ­Umwelt aus dem Jahr 2016 zeigt.

«In der Schweiz ist diese Sammelart jedoch eine Nischenverwertung», hält Philipp Suter fest. Aufgrund des fehlenden Marktes sei davon auszugehen, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. «Generell liegt das Problem darin, dass die Fremd­körper von Hand aus dem Sammelgut entfernt werden müssen und dies zu zusätzlichem Aufwand bei Gemeinden und Altglasverwertern und damit zu höheren Kosten führt.» Und Philipp Suter ortet noch ein anderes Problem: Fremdkörper, die nicht nur im Sammelgebinde, sondern auch darum herum ein ­Problem sind. Eine Erfahrung, die auch die Gemeinde Zollikon machen musste, wie Frank Neuhäuser sagt. «Häufig wurden einfach Säcke voller Glas bei den Gittern deponiert», um die richtige Entsorgung hätten sich diese Leute schlicht nicht geschert.

Diese Woche zeigte sich bei der Sammelstelle beim Coop im Dorf genau dieses Bild. Grund waren wohl aber auch die überfüllten Alt-­Glas-­Container. Weinflaschen, teilweise gar noch in den Säcken gelagert, stapelten sich rundherum. «Wir haben die zuständige Entsorgungsfirma darauf hingewiesen, die Container nun regelmässiger zu leeren», erklärt Frank Neuhäuser, erst die Erfahrung werde aber zeigen, wie oft dies in Zukunft der Fall sein wird.

Problematische Fremdstoffe

Auch wenn es einige schwarze Schafe gibt, generell wird gemäss VetroSwiss die Trennung des Altglases direkt bei den Sammelstellen durch den Konsumenten aber gut eingehalten. «Fremdstoffe sind jedoch auch bei den Sammelgebinden mit Einwurfloch vorhanden», sagt Philipp Suter. Eine Erhebung der VetroSwiss aus dem Jahr 2017 zeigte, dass dieser Anteil knapp sieben Prozent beträgt. Etwas mehr als zwei Drittel davon würden auf Keramik, Steingut und Porzellan entfallen, die restliche Menge primär auf Abfälle aller Art. «Problematisch sind aber sämtliche Fremdstoffe in der Altglassammlung, weil diese im Verarbeitungsprozess der Scherben entfernt werden müssen. Teilweise gar manuell», erklärt der Recycling-­Experte. Dies führe sowohl zu höheren Aufwendungen bei der Verarbeitung, als es auch zu Defekten der Produktionsan­lagen und fehlerhaften Produkten kommen könne, wenn bei der ­Vorverarbeitung nicht sämtliche Fremdstoffe entfernt worden seien. Fehlerhafte Produkte müssten dann, wie der Experte festhält, ­direkt wieder der Verwertung zugeführt werden.

VetroSwiss entschädigte 2017 rund 344 000 Tonnen Altglas. 0,8 Prozent davon entfällt auf die Ganzglassammlung. Diese Menge wurde von knapp 40 Gemeinden gesammelt. Ab dem neuen Jahr gehört Zollikon nicht mehr dazu. (mmw)

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