02/2015 Mit Herz fürs Herz

Mit Herz fürs Herz

Die Zolliker Kardiologin Renata Fatio hat sich zu Beginn des Jahres selbständig gemacht. Noch als Studentin ist sie vor genau 30 Jahren mit ihrem Mann von São Paulo in die Schweiz gekommen.

Diesen Montag hat Renata Fatio ihre eigene Praxis als Kardiologin in Zürich eröffnet. Einfach waren die Vorbereitungen hiezu nicht, doch dank ihrer Unkompliziertheit und einer guten Unterstützung durch ihr Umfeld hat sie sich durch keine der unvorhergesehenen, kleineren und grösseren Schwierigkeiten im letzten Jahr auch nur einen Moment einschüchtern lassen. Die Freude über den gelungenen Start ist nun gross.

Renata Fatio, 51, ist in Brasilien aufgewachsen und hat dort auch ihr Medizinstudium begonnen. Medizin hat sie als Kind bereits fasziniert, denn ihr Grossvater war Arzt und die Grossmutter Apothekerin. Dass sie das Studium dann in der Schweiz beendete, hatte mit ihrer grossen Liebe zu tun, die sie bereits mit fünfzehn kennenlernte. «Zu verdanken habe ich dies eigentlich Nadia Comaneci», sagt sie. «Aus Begeisterung über ihr Können habe ich nach ihrem Olympiasieg 1976 mit Kunstturnen begonnen und dadurch meinen Mann kennengelernt.» Peter Fatio war damals 21 und Kunstturner in der brasilianischen Nationalmannschaft. Als Sohn eines Schweizers und einer Brasilianerin deutscher Abstammung ist er Doppelbürger. Als er nach seinem Studium als Ingenieur gerne seine zweite Heimat kennenlernen wollte, war es für Renata keine Frage, dass sie mitgehen und ihr Studium in der Schweiz weiterführen würde.

Hürden sind keine Hindernisse

Auch damals schon nahm sie kleinere wie grössere Umwege ganz selbstverständlich als interessante Herausforderung an. Denn ganz einfach ist so ein Studienwechsel nicht. Um die Zulassung an der Universität Zürich zu erhalten, musste sie eine Ergänzungsprüfung zur brasilianischen Matura ablegen und sowohl Französisch wie Deutsch neu dazulernen. Deswegen darauf verzichten? Von wegen!

Französisch sei ihr leicht gefallen, sagt sie. Es sei nicht so schwierig, wenn man bereits Portugiesisch und Spanisch spreche. Deutsch war schwieriger. Doch ein Vorkurs in São Paulo und ein Intensivkurs in der Schweiz schufen Abhilfe. Sie war eine gute, disziplinierte Studentin und interessiert, so schnell wie möglich zum Ziel zu kommen. Ein Jahr vor dem Staatsexamen kam Philipe zur Welt, zwei Jahre später der zweite Sohn Alex. Das war für die Eltern wunderschön. Und für die junge Ärztin kein Grund, eine Pause einzulegen. Voller Power beendete sie ihr Studium.

Und so blieb sie immer dran

Renata Fatio begann ihre Arztkarriere als Assistenzärztin am Universitätsspital, doktorierte und wechselte später als Oberärztin ans Regionalspital Lachen und ans Kantonsspital Aarau und dann 2004 als stellvertretende Chefärztin der medizinischen Klinik und Leiterin der kardiologischen Abteilung ans Spital Zollikerberg. Die Arbeit machte ihr immer Spass.

Die Kinder wechselten von der Zolliker Schule ans Gymnasium und an die Universität und ETH. Der Familienzusammenhalt blieb eng, das gegenseitige Interesse hoch. Neben Familie, Beruf und Sport fand Renata Fatio Zeit, sich auch ihren andern Interessen zu widmen, einem Literaturzirkel beizutreten und Philosophiekurse zu belegen.

Interesse am Menschen ist es wohl, was sie am meisten bestimmt. Echtes Interesse, sowohl im privaten Familien- und Freundeskreis, wie im Beruf, in Büchern oder Geisteswissenschaften. Gerade die intensive Auseinandersetzung mit Tod und Verlust in ihrem Beruf intensivierte dieses Interesse wohl noch, lässt sie nicht ruhen und hält sie stets in Trab.

Im Spital ist sie die Karriereleiter hochgeklettert bis zuoberst. Sie hätte bequem auf der obersten Sprosse stehen bleiben können. Doch das ist nicht ihr Ding. Noch immer ist sie lernbegierig wie damals an der Universität. Noch immer locken sie neue Herausforderungen. Warum also nicht nach zehn Jahren im Spital Zollikerberg etwas Neues wagen – bestimmt gibt es dabei etwas zu lernen!

So hat sie sich ein weiteres Mal ins Abenteuer gestürzt. Und bisher gab es tatsächlich sehr viel Neues zu lernen: menschlich, juristisch, einrichtungstechnisch und anderes mehr. Nicht jede Erfahrung war erfreulich, doch eine schon: Der Rückhalt in der Familie und im Freundeskreis war bei der Praxisgründung genauso stark und vorbehaltlos wie während des Studiums.

Und weil das so ist, ihr so selbstverständlich gegeben, schaut Renata Fatio der Zukunft frohgemut entgegen. (db)

Das ganze Porträt über Renata Fatio finden Sie im aktuellen Zolliker Bote vom 9. Januar auf Seite 11.

 

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