17/2015 Gewettet, gelaufen, gewonnen!

Gewettet, gelaufen, gewonnen!

Peter Zünd lebt seit mehr als 26 Jahren in Zollikon, geniesst die Ruhe in der Gemeinde und ihre Nähe zur Stadt. Er ist begeisterter Polysportler und hat letzten Sonntag seine persönliche Marathonbestzeit erreicht.

Am Anfang war da diese Wette, die Peter Zünd mit vier Arbeitskollegen abgeschlossen hatte. Gewettet wurde, wer von den fünf Männern zwischen Januar und April dieses Jahres prozentual am meisten an Gewicht verlieren könne. Der Zürich Marathon mit den damit verbundenen nötigen Vorbereitungen würde sich optimal dazu eignen, die Wette zu gewinnen, sagte sich Peter Zünd: «Ein Marathon zwingt mich regelrecht dazu, Gewicht zu verlieren, dann muss ich meine Kollegen nicht zu einem Nachtessen einladen – auch wenn ich sehr gerne Gäste bekoche», meint der 56-Jährige lachend. Aber es gilt schliesslich, die Wette zu gewinnen!

Peter Zünd, in Sargans aufgewachsen, hat 1988 ein Haus in Zollikon gekauft, ist nach umfangreichen, selbständigen Renovationen ein Jahr darauf eingezogen und lebt dort noch immer. Er werkelt gerne, die Plättli in Küche und Badezimmer sind selbstverständlich selber verlegt und auch der Garten sieht wundervoll sommerlich gepflegt aus: der Rasen frisch gemäht, überall blühende Tulpen, eine kleine, aber feine Oase mitten in Zollikon. Peter Zünd hat nach dem angefangenen Physikstudium an der ETH «ganz zufällig» auf Informatik umgesattelt, einige Jahre für die Migros gearbeitet und ist nun seit 32 Jahren beim grossen Schweizer Rückversicherer tätig. Seine heutige Direktionsposition trägt den Titel «Head Service Operation Processes». Peter Zünds Arbeitsalltag besteht aus vielen Sitzungen. «Meine Arbeit ist vor allem viel Kommunikation.» Aber auch geschäftliches Reisen ist keine Seltenheit. Fürs Reisen kann er sich auch in seiner freien Zeit begeistern, überall hin auf der Welt, doch am liebsten nach Mexiko, Bolivien und Kolumbien. Der Liebe wegen zieht es ihn seit einigen Jahren regelmässig nach Mallorca. Für seinen Arbeitgeber zog Peter Zünd dann auch für zwei Jahre nach Madrid, dort lernte er nicht nur die spanische Sprache, sondern auch die spanische Kultur lieben – eine Liebe, die bis heute andauert. Weitere drei Jahre lebte und arbeitete er anschliessend in New York, der Stadt, die ihn den Marathon entdecken liess: «Dieser Städtemarathon ist etwas Besonderes. New York ist eine tolle Laufstadt, jedes Wochenende finden dort Läufe über unterschiedlichste Distanzen statt. So lernt man die Stadt nicht nur gut, sondern auch aus einer anderen Perspektive kennen», schwärmt Peter Zünd über seine ehemalige Wohnstätte. Im November 2002 lief er dort zum ersten Mal über die Marathondistanz. Ein Jahr lang hatte er sich darauf vorbereitet. Ein «unvergleichbares Gefühl ist das, wenn man die Ziellinie überschreitet», so der Wahlzolliker. Zwei weitere Marathons folgten in den Jahren 2006 und 2008.

Von den Vorbereitungen…

Vergangenen Sonntag wurde auch die Limmatstadt erneut zum Pilgerort der Marathonläuferinnen und -läufer. Peter Zünd wollte es noch einmal wissen und rannte mit den 8781 anderen Laufbegeisterten die wunderschöne Strecke dem Zürichsee entlang. «Die Vorbereitungen sind dieses Mal weniger aufwendig gewesen», meint Peter Zünd augenzwinkernd, «laut meinem detaillierten Trainingsplan hätten die Laufvorbereitungen im Dezember starten sollen, doch da sind erst einmal Ferien angestanden. In den Ferien bin ich dann doch eine grössere Runde gelaufen, jedoch am Sandstrand, dann ist natürlich zuerst für zwei Tage pausieren angesagt gewesen mit den schmerzenden Beinen», sagt Peter Zünd und lacht ansteckend. Doch natürlich hat er auf den Zürich Marathon trainiert. Für die Ausdauer lief er nicht nur, er ging auch regelmässig ins Spinning. Nebst kürzeren Trainingseinheiten und Intervalltraining standen auch die unterschiedlichen Longjog-Distanzen 18, 24, 28 und 35 Kilometer auf dem Programm. Die Marathondistanz hat Peter Zünd dieses Mal nicht als Trainingsdistanz absolviert: «35 Kilometer habe ich ja gemacht und so weiss ich, dass ich die letzten sieben Kilometer auch noch schaffe – wenngleich diese dann schon ein wenig schlimm sein können.» Seit 22 Jahren macht Peter Zünd regelmässig Gymnastik über Mittag. Zweimal in der Woche geht er von seinem Arbeitsplatz in Adliswil über Mittag in die Sihlhölzli-Turnhalle und arbeitet dort mit seinem eigenen Körpergewicht «auf dem Mätteli», unter der Leitung seines langjährigen Freundes und Konditionstrainers der ersten Mannschaft der ZSC Lions. Dementsprechend dürfe man sich das Training auch vorstellen. Zwei Short-Triathlons hat er ebenfalls absolviert, aber «leider klappt das mit dem Schwimmen bei mir einfach nicht. Auch nicht nach zwei Kraulkursen und viel Techniktraining. Nach 100 Metern Crawl fühle ich mich wie nach einem Greifenseelauf», gibt Peter Zünd schmunzelnd ehrlich zu. So konzentriert er sich auf die anderen zwei Triathlondisziplinen Laufen und Velofahren. «Beim Laufen bin ich kreativ, kann viel nachdenken. Joggen hilft mir, für anstehende Probleme Lösungen zu finden. Ich laufe am liebsten alleine, ohne Musik, in meinem eigenen Rhythmus und Tempo.»

Peter Zünds liebste Sportart ist das Skifahren. Seit seinem fünften Lebensjahr steht er auf den Skis, und dies bei jeder Gelegenheit, die sich ihm bietet. Diese Begeisterung hat er von seinen Eltern, seine Mutter fährt mit 83 Jahren noch Ski und das «jedes Jahr lieber und besser», wie Peter Zünd lachend meint. Steht er nicht auf Skis, dann mit Passion in der Küche, kocht für sich selber, die Familie oder Freunde, die jeweils in den Genuss seiner Einladungen kommen. «Ich koche nicht nur gerne, ich esse auch gerne», so der Hobbykoch. Die Kulinarik ist für ihn eine faszinierende Welt, das zeigen seine mit sorgfältig ausgewählten Zutaten gefüllten Küchenschränke und die beachtliche Weinsammlung im Keller.

Einmal im Jahr reist Peter Zünd mit seiner Velogruppe nach Mallorca. Dort werden in zehn Tagen nicht nur etliche Kilometer auf den Rennrädern zurückgelegt, auch das gute Essen und gemütliche Beisammensein kommen nicht zu kurz. In der gleichen Formation werden vier bis fünf Mal im Jahr auch Mountainbike-Ausflüge in der Schweiz unternommen. Die Fahrt ins Allgäu mit einem anschliessenden Essen bei den Eltern des Sargansers ist dabei ein unbestrittenes Highlight.

… zur persönlichen Bestzeit

Am vergangenen Sonntagmorgen um 7.30 Uhr sah Peter Zünd völlig entspannt aus, bereit, die 42 Kilometer zu laufen. «Beim Abholen der Startnummer am Samstagabend durfte ich den VIP-Eingang mit dem roten Teppich benutzen und dies einzig, weil ich in einer der Seegemeinden wohne», erzählte er ausgelassen. Er erwarte sicher nicht, dass er seine Bestzeit aus früheren Läufen erreichen werde, er sei schliesslich auch nicht jünger geworden, witzelte er. «Ich rechne klar mit über vier Stunden und damit werde ich zufrieden sein.»

Am Ende nun hat er sich tatsächlich selber übertroffen und mit 3 Stunden, 55 Minuten und 10.3 Sekunden seine persönliche Bestzeit erreicht. Spuren von Müdigkeit oder Erschöpfung suchte man nach dem Zieleinlauf am Mythenquai im strahlenden Gesicht des Läufers vergebens. Lachend trank er einen Schluck wohlverdientes Bier. Die Freude über das Erreichte sowie die Vorfreude auf die bevorstehende Essenseinladung seiner Arbeitskollegen waren Peter Zünd an diesem sonnigen Tag noch lange anzusehen. (ft)

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