42/2015 Familienbetrieb wider Willen: Markus Rüegg geht ganz eigene Wege

Familienbetrieb wider Willen:
Markus Rüegg geht ganz eigene Wege

Ein spannendes Leben zwischen Nordkorea und dem eigenen Bauernhof: «Ich wäre nie ein guter Arbeitnehmer gewesen.»

Er ist in Zumikon geboren, dort in den Chindsgi und auch in die Schule gegangen. Er hat 16 Jahre in Maur gewohnt, nun lebt Markus Rüegg am grünen Rand vom Zollikerberg. Und trotzdem: Dass er hier in dieser Gegend verwurzelt sei, könne er eigentlich nicht behaupten. Verwurzelt ist er in seinem Unternehmen, zu Hause ist er, wo die Familie ist. 1955 – ein Jahr ehe Markus Rüegg geboren wurde – gründete sein Vater die Cheminéebaufirma Rüegg in Zumikon. Für die fünf Kinder waren die Werkstatt und das Büro auch Spielplatz. «Alles war unter einem Dach», erinnert sich der 59-Jährige. Das war die Zeit, als die Kinder einfach noch spielten und keinen eigenen Terminkalender hatten. Über den Umweg eines Architektur-Studiums in Winterthur und der Arbeit in einem renommierten Ingenieurbüro landete er dann doch im elterlichen Betrieb. Und genau das wollte er für seine eigenen Söhne nicht. «Die Belastung als Unternehmer ist enorm. Ich habe gesehen, wie schwer meine Eltern gearbeitet haben, und wollte das meinen Kindern eigentlich nicht zumuten. Ich habe sie wirklich nicht ermutigt, meinen Weg einzuschlagen.»

Die starke Frau an der Seite

Doch vielleicht genau deswegen sind zwei der drei Söhne nun in seinem Betrieb tätig, der sich vor acht Jahren vom Zumiker Unternehmen abspaltete und in Dietlikon beheimatet ist. Sohn Michael ist Maschinenkonstrukteur und Ofenbauer, Tobias ist Betriebswissenschaftler. Berufe, die perfekt ins Unternehmen passen. Sohn Christian dagegen entschied sich für die Pädagogik und studiert. Eigentlich hatte Markus Rüegg auch schon genau geplant, wie er sich langsam aus der Firma zurückziehen könnte. Er hatte sein Geschäftsführungsmandat und das Präsidium des Verwaltungsrates abgegeben, schon sehr früh Verantwortung übertragen, da beschloss einer der Söhne, nebenbei auch noch als Bauer zu arbeiten. Er kaufte sich einen eigenen Bauernhof, und schon war Papa wieder im Geschäft. 70 Stunden arbeitet der Unternehmer die Woche, und er wirkt dabei nicht überlastet oder gar gestresst. Wenn er abends aus der Firma kommt, sind erst mal die Tiere dran: Zwei Katzen, drei Enten, fünf Hühner und zehn Hasen gilt es zu füttern und pflegen. «Um das Pferd und den Hund kümmert sich meine Frau», schmunzelt Markus Rüegg, der eine besondere Ruhe und gleichermassen Entschlossenheit ausstrahlt. Schnell wird auch klar: Hinter ihm steht auch eine starke Frau. Hanna Rüegg arbeitet als Lehrerin an der Oberstufe in Maur, ist Kirchenpflegepräsidentin der reformierten Kirche Zollikon, kümmert sich um den Haushalt und bei Bedarf auch noch um die Kinder. «Ich weiss nicht, woher meine Frau diese Energie nimmt. Aber ich bin wirklich stolz auf sie», so ihr Ehemann. Kenngelernt haben sich die beiden vor 40 Jahren in einem Pfadfinderlager. Markus Rüegg fand damals eben nicht nur den richtigen Pfad, sondern auch gleich die Frau fürs Leben.

Bewacht vom Geheimdienst

Eigene Pfade sucht er immer noch. Er reist gerne und leidenschaftlich. Seine Reisen plant und organisiert er alle selber. So wie vergangenen Sommer, als er mit Sohn Christian und Patenkind nach Nordkorea aufbrach. «Zehn Schweizer dürfen pro Jahr als Touristen in das Land», führt er aus. Das Trio gehörte dazu. Es hat befremdliche Erinnerungen mitgebacht. «Wir waren drei Personen, also wurden wir von drei Geheimdienstmitarbeitern rund um die Uhr bewacht. Wollten wir in ein Restaurant, wurde das sofort frei geräumt. Alle mussten raus, damit wir keinen Kontakt zur Bevölkerung erhielten. Und da sassen wir dann zu dritt in einem Raum mit hundert Plätzen. Das war schon sehr beklemmend.» Richtig brenzlig wurde es, als er in einem Hotel die Wanzen und Mikrofone in der Wand entdeckte. Da erinnert sich Rüegg lieber an die Reise durch Sambia. Mit dem Jeep ging es durch das unberührte Land. «Es gibt zwei geteerte Strassen. Eine von Norden nach Süden, eine von Westen nach Osten, ansonsten nur Natur», schwärmt er. Ob er schon mal Angst gehabt habe? Markus Rüegg guckt fast erstaunt. «Um mich? Noch nie. Wenn ich mal Angst hatte, dann nur um meine Familie», unterstreicht er. Er hat jene Ecken der Welt gesucht und bereist, die auf den Listen der Top-Reiseziele nicht ganz oben stehen. Er war in Äthiopien, Indien, in Simbabwe und fuhr mit dem Motorrad quer durch Russland fast bis nach Murmansk. Und weil er die armen Seiten der Welt gesehen hat, erlebt hat, wie eben in Nordkorea die Menschen unterdrückt werden, weil er Hunger gesehen hat, weiss er es sehr zu schätzen, wo er lebt und wohnt. «Es ist wirklich ein Privileg, hier sein zu dürfen. Das muss man sich immer mal wieder auch bewusst machen.»

Jetzt kommt der heisse Herbst

Wie will er die Zeit füllen, wenn er dann doch irgendwann nicht mehr so oft im Geschäft ist? «Ich werde immer irgendwas arbeiten», antwortet er spontan. «Mir macht Arbeit einfach Spass. Ich will selbst gestalten, aktiv sein. Ich wäre nie ein guter Arbeitnehmer gewesen. Die Selbstständigkeit ist genau mein Ding», führt er aus. Markus Rüegg ist kein Einzelgänger, aber absoluter Individualist. Er wird sicherlich nicht in einen Tennisclub eintreten, Vereine sind nichts für ihn. Aber immerhin gibt es ja mittlerweile das erste Enkelkind – ein Mädchen. Ganz konkret steht jetzt aber erst mal der «heisse Herbst» für den Cheminée- und Ofenbauer an. «Nach den ersten Frostnächten kommen die Kunden und wünschen sich ein wärmendes Cheminée und das soll natürlich vor Weihnachten eingebaut sein», erklärt er. Zu tun gibt es offenbar immer genug. (bms)

 

Anzeige