45/2015 Von Kürbissen, Fischen und Pilzen

Von Kürbissen, Fischen und Pilzen

 

 

 

 

 

Das letzte Wochenende war schaurig spannend und stand ganz unter dem Stern des uralten keltischen Brauches – es war Halloween. Bei der Seerettertaufe wähnte sich das Publikum zuweilen an einer entsprechenden Party. Die eigentliche Halloween-Party aber stieg in der «Zolliker Stube», derweil an der letzten Pilzkontrolle, die Marleen und Josef Tremp durchführten, kein einziger giftiger Pilz zum Vorschein kam.

Bei traumhaftem Herbstwetter wurden Christoph Klahn und Marcel Mol vom «Wassergott Neptun» und seinen Klabautermännern vergangenen Samstagnachmittag auf Herz und Nieren geprüft. Neptun, der die beiden Seeretter-Anwärter taufte, hätte an jeder Halloweenfeier den ersten Platz abgeräumt und stellte den beiden knifflige Aufgaben: Es galt, Fragen rund um die Nautik korrekt zu beantworten, Knoten zu knüpfen, Fische zu filetieren und diese zusammen mit einer undefinierbaren, giftgrünen Sauce nach einer verdächtig kurzen Zeit auf einem kleinen Grill selbst zu verspeisen, mit einem behelfsmässigen Floss im kalten See eine vorgegebene Strecke zu paddeln und zu guter Letzt in ein Bassin, gefüllt mit allem anderem denn Wasser – es sah nach Fischabfällen und einer stinkenden, gallertartigen Masse aus – zu springen. Neptun und der Obmann des Seerettungsdienstes Zollikon, Stefan Meier, waren sich schnell einig: Die Täuflinge haben auch die letzte Prüfung bestanden und dürfen sich offiziell Seeretter nennen. «Ich bin sehr zufrieden mit der Taufe. Es kamen viele Gäste, das Wetter war toll und alles sehr gelungen», freut sich Stefan Meier. Beim Seerettungsdienst Zollikon sind 21 aktive Seeretter, sechs davon bilden zusätzlich noch eine Tauchgruppe. Sie sind das ganze Jahr hindurch rund um die Uhr über die Nummer 118 alarmierbar. Sie bieten Soforthilfe für Personen und Tiere, die in Not geraten sind, bei Unfällen und Gewässerverschmutzungen. Sie überwachen den Schiffsverkehr und die Badenden, vor allem bei Starkwind- und Sturmwarnung, bieten aber auch Unterstützung für Rettungsorganisationen bei Einsätzen und Grossanlässen. Mit an Bord sind nun auch Christoph Klahn und Marcel Mol. Ahoi!

60 Kürbisse und keine einzige Sachbeschädigung

Weiter ging es an den Halloweenabend in der Zolliker Stube: Über 80 Kinder nahmen kostümiert und verkleidet am Fest, das von Roger Barak zusammen mit dem Wirtepaar Edith und Ruedi Krappl organisiert wurde, teil. 18 Kürbisse waren von der 3./4. Klasse von Flurina Bucher vom Schulhaus Oescher kunstvoll geschnitzt worden, weitere 60 Kürbisse schnitzten die Kinder vor Ort – eine schaurig schöne Dekoration. Die besten Kostüme wurden prämiert und der Abend war, so freute sich Roger Barak, ein voller Erfolg. «Aufgrund dieses Erfolges werden wir im nächsten Jahr ganz sicher einen Nachfolge-Anlass veranstalten», meint der glückliche Organisator. Der Abend verlief in der Gemeinde ausgesprochen ruhig: Trotz der zahlreichen Festivitäten wurde laut Marco Wyss, stellvertretender Polizeichef von Zollikon, keine einzige Sachbeschädigung gemeldet. «Wir sind gut davon gekommen», lacht er.

Zusammen über 3789 Kilogramm Pilze kontrolliert

Über 31 Jahre ist es her, dass sich Josef Tremp auf die frei gewordene Stelle des Pilzkontrolleurs in Zollikon beworben hat. Bei seinem Vorgänger, dem Zolliker Friedhofsgärtner, war die Pilzkontrolle zu Arbeitszeiten gar noch auf dem Friedhof möglich. Josef und Marleen Tremp erlangten ihre Diplome bei der Schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane VAPKO. Die Prüfung sei anspruchsvoll: «Einer schriftlichen und mündlichen Prüfung folgen die Korbkontrolle und ein Test über das Lebensmittelgesetz.» Marleen Tremp übernahm nach bestandener Diplomprüfung die Stellvertretung ihres Mannes. Früher war die Pilzkontrollstelle in Zollikon täglich ausser Samstag und Montag offen, heute noch mittwochs und sonntags. «Am Mittwoch war jeweils einer von uns vor Ort, am Sonntag waren wir immer zu zweit», erklärt Josef Tremp. Vor Tschernobyl im Jahre 1986 sei weitaus eifriger gesammelt und dementsprechend kontrolliert worden, nach der Nuklearkatastrophe brach die Sammlertätigkeit ein. Die offizielle Pilzsaison dauert von Mitte August bis Mitte November, doch Pilze schiessen das ganze Jahr aus dem Boden. Deshalb hat das Ehepaar auch zuhause bei Bedarf Pilze kontrolliert. «Das war gar kein Problem, das haben wir immer sehr gerne gemacht», meint der studierte Mathematiker und Biologe dazu. Diese Saison – die letzte der Tremps – war keine gute für die Pilzsammler, der Frühling war zu nass und der Sommer überdurchschnittlich trocken.

Viel Freude an der Arbeit

Mit ihrer Funktion ging die Verpflichtung einher, jedes Jahr von August bis November vor Ort zu sein. «Wir haben nun seit über 31 Jahren das erste Mal Ferien in dieser Zeit gebucht», erzählt die gebürtige Belgierin Marleen strahlend. Dass ihnen ihre Arbeit aber trotz dieser Verpflichtung stets viel Freude bereitet hat, ist den beiden anzusehen. Den Umgang mit Menschen zu mögen und ein grosses Interesse an der Sache selber zu haben, sind zwei Voraussetzungen, die das Ehepaar mehr als erfüllt. Natürlich «pilzen» sie auch selber: «Mit unseren beiden Kindern im Wald auf Pilzsuche zu gehen, war immer etwas vom Schönsten!» Gleich selber einen Korb gepflückt haben sie auch vor ihrer letzten Kontrolle: verschiedene Sorten Röhrlinge, die bei der grossen Lärche auf der Wiese vor dem Schulhaus wachsen. In ihren über drei Jahrzehnten als Kontrolleure haben Josef und Marleen Tremp 3789 Kilogramm Pilze kontrolliert. 740 Kilogramm davon seien ungeniessbar gewesen. Und wie viele davon tödlich giftig? «Etwa 70 Kilogramm der kontrollierten waren tödlich giftige Pilze. Beinahe jedes Jahr brachten die Leute beispielsweise die tödlich giftigen Knollenblätterpilze zu uns.» Bei ihrer letzten Kontrolle am vergangenen Sonntagabend wurden keine giftigen Pilze vorbeigebracht, aber einige ungeniessbare Ritterlinge. Wer ihre Nachfolge antreten wird, wissen sie noch nicht. Es gebe aber einen Bewerber, weiss Josef Tremp zu berichten. 31 Jahre ist eine lange Zeit – und auch bei seinem letzten Einsatz im Innenhof des Gemeindehauses strahlt das eingespielte Team. Darauf wurde denn auch angestossen, zusammen mit den beiden Kindern, die von klein auf ebenfalls immer dabei gewesen waren, und wie es der Anlass verdiente – mit bester Zolliker Cuvée, die sie von der Gemeinde in einem grossen Korb voller Köstlichkeiten als Dank und zum Abschied erhielten. (ft)

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