50/2015 1.-August-Festrede, Zumikon 2015

1.-August-Rede Zumikon

Liebi Zumikerinne, liebi Zumiker, liebi GEBURTSTAGSgäscht

Jo, mir sind alles Geburtstagsgescht, und hüt zämecho, zum mitenand en Geburtstag zfiire. Es isch kein runde und au kei Schnapszahl, aber immerhin de 724-igschti vomene ganz bsundere Jubilar: de Schwiiz.

Was en Geburtstag i üsem Privatlebe bedütet und wie dä gfiired wird, wüsset mir alli us eigeter Erfahrig. Insbesonderi die hüt awesende Chind hend do ganz klari Vorstellige: Ihr freuet eu uf eure Geburtstag scho Wuche vorher, do werdet Plän gschmidet, Iiladige gschriebe, s’Mami muess e Tischbombe bsorge und en Chueche bache, de Papi e Schnitzeljagd organisiere und es got eu nöd schnell gnueg, möglischt gli älter zwerde. Bi üs Erwachsene isch es mit zuenehmendem Alter e bedütend diskreteri Sach und mir fiired meischtens nur no die runde imene grössere Rahme, de Chueche – und d‘Cherzli sowieso – werdet eher zur Nebesach.

Was aber bedütet für üs de Geburtstag vo de Schwiiz und was für e Rolle hend mir als Geburtstagsgescht NEBST dem, dass mir es traditionells Füürwerk zünded, s’Höhefüür bestuuned, en Servelat uf de Grill leged und d‘Nationalhymne singed?

Morgarten, Marignano oder de Wiener Kongress – das sind bedütendi Ereignis für d’Schwiiz gsii und die würdet sich i dem Jubiläumsjohr  für en Usenandersetzig inere 1. Augustred gradezue abüte. Aber, liebi Geburtstagsgäscht – zu dene Theme isch i de letschte Mönet scho soviel (Thomas) g«MAISSEN»ed und (Christoph) BLOCHER-et worde, dass ich finde, dass sich do besser anderi drüber  (Anita) FETZ-e sölled.

Gömmer also nomol zrugg zum Gedanke vo de Bedütig vo üsem Nationalfiirtig für üs persönlich, als Bürger vo dem Land. Es isch nöd e typischi Schwiizer Tugend, dass mir üs über de Chlee lobet. Im Gegeteil, mir gend üs lieber bescheide und zrugghaltend. Und trotzdem: Um usezfinde, was d’Bedütig vo dem Nationalfiirtig isch und was üseri Rolle als Iiwohner und Iiwohnerinne vo dem Land chönnt si,  schiints mer wichtig, dass mir reflektiered, was d’Schwiiz als Land repräsentiert:

  • D’Schwiiz – en chline Binnestaat mit wenig Rohstoff – ghört hüt zu de wohlhabendschte, wettbewerbsfähigschte, innovativschte und liberalschte Länder vo de Welt.
  • 2 vo de europäische top vier Universitäte sind in Züri und Lausanne
  • Mir hend die höchschti Beschäftigungsquote vo jugendliche Arbeitnehmende
  • Gmesse a üsere Bevölkerigszahl het keis Land me Nobelpristräger als d‘Schwiiz
  • Üsi direkti Demokratie isch einmalig i de Staatelandschaft, üsen Föderalismus en Garant, dass au Minderheite de nötig Ruum hend
  • Diversität wird meischtens als Beriicherig aglueget und nöd gegenenand usgspielt
  • Zu üsne Stärchene ghöred d’Unabhängigkeit, d‘Neutralität und d’Fähigkeit, au inere Usenandersetzig en Dialog z’füehre und Kompromiss izgoh
  • D’Schwiiz isch bi humanitäre Iisätz i Katastrophegebiet immer a vorderster Front debi und unterstützt vor Ort mit Güeter, Wüsse und Erfahrig
  • Au i Umweltfrage isch d’Schwiiz en verlässliche Partner: Pro Chopf leget mir weltwiit am meischte Bahnkilometer zrugg, dank emene breit abgstütze Bewusstsii und entsprechende Gsetz sind üsi Gwässer und üsi Luft suuber
  • D’Iiwohner vo de Schwiiz ghöred gemäss ere Erhebig vo dem Johr wo im Uftrag vo de UNO gmacht worden isch zu de glücklichschte Bürger uf de Welt

 

Die Ufzellig isch nöd abschlüssend. Aber es zeigt doch öppis uf: Als Iwohner und  Iwohnerin vo dem Land dörfed mer zu Recht stolz sii uf die Errungeschafte und Stärchene. Und mir werdet üs bewusst: do dörfe z’läbe ISCH ES PRIVILEG!

ABER – das alles isch s‘ Resultat vo dem, was Generatione vor üs erschaffe und üs als – «Schwiiz» –  wiemer sie hüt kenned hinderloh hend. Institutione  wie Föderalismus, Mitsprachrächt, Milizsystem, Frauestimmrächt, AHV, direkti Demokratie und so wiiter – das alles hett müessen erkämpft werde. Alles was üs hüt so selbstverständlich schiint, isch s’Resultat vo Initiative und Engagement vo Einzelne.  Das grossartigi Erb verpflichtet, und i dem Zämehang schiint mir eis wichtig zsii: Mir müend für d’Wiiterentwicklig vo dene Errungeschafte sorge und Verantwortig überneh.

Verantwortig überneh – das isch es grosses Wort. Wenn me das ernst nimmt, denn steckt viel Arbet und Engagement dehinder. Was Verantwortig überneh i de Rolle als Eltere, Jugendlichi bedütet, oder was Verantwortig für en Arzt, Manager, Aagstellte, Kolleg, Handwerker, Auto- oder Huusbsitzer heisst,  das schiint üs klar. Was aber heisst  Verantwortig überneh für üs als Schwiizer, als Iwohner vo dem Land, als Stimmbürger? Hüt, am 1. August, isch die ideali Glegeheit, das mir üs dere Verantwortig wieder emol bewusst werdet.

No nie hemmer so viel Freizit gha wie hüt und trotzdem hemmer oder nemmed mir üs immer weniger Ziit für üses Land. Üses Milizsystem lebt aber devo, dass mir üs als Bürgerinne und Bürger politisch engagiered und allefalls au bereit sind, es politisches Amt züberneh.  All das wird immer schwieriger. Mir sind mit üs und üsere Selbstverwürklichung beschäftiget, beruflich und familiär engagiert und – au das de Ziitgeischt – bliibet gern unverbindlich. Emol öppis ehreamtlich oder freiwillig z’leischte passt immer weniger is chargierte Freiziitprogramm.  Debii vergessed mir, dass d’Schwiiz genau do devo läbt, dass es immer wieder Manne und Fraue geh het, wo bereit gsii sind, ihri Ziit imene politische Amt iizsetze oder sich für es Sachthema starch zmache und z’engagiere.

In nocher Zuekunft wartet einige Herusforderige uf üs. Uf kommunaler Ebeni sind das üsi Finanze und de Finanzusgliich, d’Schuel als Standortfaktor, d‘Belebig vom Dorfplatz, Fluglärm, altersgerechts Wohne in Zumike, d‘Erhaltig und Wiiterentwicklig vo de Infrastruktur.

Es isch Ziit, das mir als Bürgerinne und Bürger wieder mehr Verantwortig i dene politische Prozess und Sachtheme übernemmet. Das mir üs i Diskussione und Debattene ibringet,  und vo üsem Privileg, inere direkte Demokratie z’lebe, au Gebruch mached. Drum möchte ich Sie – liebi Geburtstagsgäscht – ganz herzlich dezu uffordere, z’überdenke, öb Sie ihri Verantwortig als Iiwohner vo Zumike – oder wo immer Sie au dehei sind – au tatsächlich wohrnehmed. Mitrede und vor allem au mitgestalte chönne, isch Usdruck vo üsere Demokratie und Freiheit. Demokratie heisst gmeinsams Engagement und Zivilcourage. Die direkti Demokratie wie mir si do i de Schwiiz hend, läbt nöd nur devo, dass mir Stüüre zahled und abstimmed, sondern dass mir üs grad au uf kommunaler Ebeni aktiv am politische Prozess oder immene Sachthema konstruktiv beteiliged.  Am Endi isch es nöd eifach d‘ Schwiiz wo für üs Bürger sorget – mir Bürger münd us um d’Schwiiz sorge, mir Bürger träget mit e Verantwortig was d’Mitgestaltig und Entwicklig  i üsere Gmeind, i üsem Kanton und i üsem Land betrifft.

Gömmer nomol zrugg zum Aafang. Mir sind hüt zämecho, um de Geburtstag vo de Schwiiz z’fiire.  Üblicherwiis bringt me anes Geburtstagsfescht jo es Gschenkli oder öppis mit, wo am Geburtstagschind e Freud macht. Ich hett Ihne do en chline Tipp: Schenket Sie doch üsem Jubilar öppis vo Ihrer Ziit, ihrem Engagement und Ihrer Zivilcourage. Und d’Schwiiz wird’s Ihne danke mit Friede, Läbesqualität, Demokratie und Freiheit.

(Doris Graf, Juli/August 2015, Zumikon)

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