03/2016 Und plötzlich steht er ganz alleine da

Und plötzlich steht er ganz alleine da

Die Primarschule in Zumikon steht seit langem im Fokus. Immer wieder gibt es Diskussionen rund um das alterdurchmischte Lernen AdL. Mit einer Diskussionsreihe und namhaften Referenten möchte der Zumiker Alessandro Monti nun das Thema beleuchten. Der Zolliker Bote befragte ihn zu Beweg- und Hintergründen.

Warum initiieren Sie diese Diskussions-Reihe?

Ich habe ein zwei- und ein siebenjähriges Kind. Ich habe das Elterngremium mit aufgebaut. Bereits früher gab es Initiativen von besorgten Zumikerinnen oder Zumikern zur Schule, die durchaus Wirkung zeigten. Ich erfuhr, dass eine Interessengruppe eine Petition gegen das AdL eingereicht hatte. Sie fordert eine umgehende Umstellung auf die Jahrgangsklasse. Ich fragte mich: Weshalb wurde das Anliegen nicht im Rahmen der kürzlich durchgeführten Behördenwahl aufgenommen? Besorgnis hatte ich auch wegen der abrupten Umstellung, sollte das Komitee erfolgreich sein. Das wird viel Unruhe geben: Die Fluktuation der Lehrerinnen wird ansteigen, neue Schulstrukturen sind zu etablieren, neue Qualitätsanfordernisse zu definieren und die Schule Zumikon steht wieder im Rampenlicht negativer Schlagzeilen. Darunter leiden die Kinder, darunter leiden meine Kinder.

Sind Sie selber für oder gegen das altersdurchmischte Lernen?

Ich habe nie Stellung dazu genommen. Ich weiss zu wenig darüber.  Ich glaube, anderen geht es ähnlich. Vieles, so mein Eindruck, was gelobt und oder kritisiert wird an der Schule, hat nicht immer mit dem AdL zu tun. Ich habe mit Vätern und Müttern gesprochen, die das Elterngremium mit aufbauten, mit dem Schulpräsidenten, mit der Schulleitung, persönlich mit Vertreterinnen des Komitees für die Jahrgangsklasse, mit dem Gegenkomitee, mit Parteipräsidenten und anderen mehr. Mit AdL-Befürworterinnen wie Barbara Höntzsch und Rita Kauz, die mir über das Thema hinaus Einblicke in den Schulalltag gewährten. Eines wurde mir dabei klar: Mein Ziel soll sein, das Thema sachlich und wissenschaftlich vorzustellen.

Was erhoffen Sie sich von der Veranstaltung? Sie haben profunde Referenten dazu eingeladen.

Die Referenten haben nicht nur viel theoretisch über die Schule nachgedacht, sondern kennen auch die Praxis. Beispielsweise war der erste Referent Anton Hügli selbst 20 Jahre für die Lehrerinnenausbildung in Basel zuständig und hat selbst als Primarlehrer gearbeitet. Nach dem Vortrag sollen eigens zum jeweiligen Thema eingeladene Personen aus Schulleitung, Schulpflege und Lehrerschaft 30 Minuten mit dem Vortragenden diskutieren und Fragen stellen, die auch konkret mit der Schule Zumikon zu tun haben. Im Anschluss daran ist die teilnehmende Bevölkerung eingeladen, Sorgen und Anliegen in die Diskussion miteinzubringen.

Haben Sie nicht die Befürchtung, dass das Thema AdL im Zentrum stehen und die Veranstaltung von Polemik und einer überhitzten emotionalen Stimmung geprägt sein wird?

Von diesen Befürchtungen habe ich gehört. Mit Pierre Freimüller habe ich einen äusserst erfahrenen Moderator gewonnen, der selbst auf hohem Niveau mit Bildungsfragen beschäftigt ist. Ich schätze die Zumiker Bevölkerung so ein, dass das Interesse und die Neugierde zu Fragen rund um ihre Schule zu einer neugierigen und offenen Diskussion führen werden. Diese darf übrigens durchaus konstruktiv und kritisch sein. Ich bin der Ansicht, dass alle oben erwähnten Akteure das Beste für die Schule wollen und Anliegen haben, die es lohnt, aufgenommen zu werden.

Sie haben eine Schirmherrschaft durch das Elterngremium angestrebt und eine Zusammenarbeit mit der Schulpflege und der Schulleitung gesucht, letztlich sind Sie aber daran gescheitert. Woran lag das?

Ich stand monatelang mit dem Elterngremium in Kontakt. Wir hatten vor, uns mit der Schulpflege und der Schulleitung zu treffen, um das Veranstaltungsprogramm durchzugehen. Ganz unerwartet, ohne nachvollziehbare Gründe, zog sich das Gremium zurück, daraufhin auch die Schulpflege, die mich unterstützen wollte. Schliesslich sagte auch die Schulleitung jegliche Unterstützung ab und teilte mit, an den Veranstaltungen nicht teilzunehmen. Daraufhin plante ich eine Schirmherrschaft mit allen Zumiker Parteien, die Veranstaltung sollte parteipolitisch neutral sein. Das Komitee für die Jahrgangsklasse hatte den Parteien geschrieben, sie erachteten eine Unterstützung der Veranstaltung als Affront gegenüber der Bevölkerung und dem Komitee. Sie würden sich von diesen Veranstaltungen fernhalten und nicht Hand bieten für eine öffentliche Schlammschlacht unter Einbezug der Medien. Da ich mich stets um Sachlichkeit mit dem Komitee bemüht habe, war ich ob dieses Verhaltens enttäuscht. Mit dem Rückzug der anderen Akteure ist der Finanzierung der Veranstaltung, die über 8000 Franken kosten wird, der Boden unter die Füsse weggezogen worden.

Wie gedenken Sie weiter vorzugehen?

Zuerst möchte ich noch festhalten: Die Schulleitung macht eine gute Arbeit. Philipp Apafi braucht Zeit und unser Vertrauen. Er arbeitet mit seinen Mitarbeitern zurzeit intensiv an Fragen der Qualität. Er wird sich eine konsolidierte Meinung auch über Sinn und Zweck des AdL bilden. Auch die Schulpflege macht mit Andreas Hugi eine ausgezeichnete Arbeit. Ich wünsche ihr, dass sie die in naher Zukunft anstehenden Entscheidungen in ein gut durchdachtes Konzept einbindet und dieses umsichtig wie auch sorgsam durchführt. Aber zur Frage: Der Gemeindepräsident Jürg Eberhard hat zugesagt, dass die Gemeinde die Veranstaltung unterstützt und sich an den Mietkosten des Raumes beteiligen wird. Das hat mich gefreut. Das ist ein Anfang.

Was wünschen Sie sich für die Veranstaltung?

Es würde mich freuen, stiesse sie bei der Zumiker Bevölkerung auf Interesse. Eigentlich geht es lediglich darum: Mit der Veranstaltungsreihe kommt eine ergänzende Betrachtungsweise hinzu, die es leichter macht, das Schulproblem von verschiedenen Seiten zu sehen, und nicht voreilig von unüberbrückbaren Gegensätzen zu sprechen.

 

 

Informationen zur Veranstaltungsreihe

Für seine Veranstaltungsreihe konnte Alessandro Monti namhafte Referenten gewinnen:

Den Auftakt macht am 29. März Professor Anton Hügli von der Universität Basel. Sein Thema: «Was ist eine gute Schule?». Anton Hügli, der schon zahlreiche Publikationen vorgelegt hat, ist tätig in der Forschung rund um Bildungs- und Erziehungspolitik.

Am 7. Juni geht es weiter mit Dr. Roland Reichenbach. Der Professor für Erziehungswissenschaft spricht über «Der Lehrer im Prozess des Lehrens und Lernens.»

Um das Thema «AdL – aus wissenschaftlicher Perspektive» dreht sich alles am 6. September, wenn Professor Dr. Jürgen Oelkers zu Gast ist.

Am 22. November geht es weiter mit einem Vortrag «Sinn und Zweck von Schulevaluation» von Prof. Dr. Katharina Maag Merki. Die Wissenschaftlerin hat ihren Forschungsschwerpunkt in der Schulqualität und Schulentwicklungsforschung.

Den Abschluss macht dann Prof. Dr. Rolf Dubs im März 2017. Sein Thema ist «Der Bildungsraum Schweiz – Möglichkeiten und Chancen». Professor Dubs ist Ehrendoktor der Universitäten Wien, Budapest und Dresden.

Moderiert werden die Abende von Pierre Freimüller, der als Kommunikationsexperte und Redaktor beim Schweizer Fernsehen arbeitet. Alle Vorträge finden im Kirchgemeindesaal statt. Geplant ist jeweils ein 30-minütiger Vortrag, im Anschluss kommen Podium und Zuhörerschaft zu Wort.

 

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