09/2016 Spanisches Temperament und wilde Entschlossenheit

Spanisches Temperament und wilde Entschlossenheit

Teresa Martin rief das «Café International» in Zumikon ins Leben. Menschen aus 39 Nationen treffen sich dort zum Austausch.

Wer Teresa Martin zuhört, wünscht sich sofort, dass sie nicht noch besser Deutsch lernen möge. Da ist so wunderschön viel Spanien in ihren Worten, in der Sprachmelodie. Und obwohl Teresa Martin schon seit sechs Jahren in Zumikon lebt, ist ganz viel Süden in ihr. Gerade erst ist sie von einer kurzen Reise in ihre alte Heimat zurück und sie schwelgt noch in Erinnerungen. Morgens am Strand zu sein, am Abend die Sonne im Meer untergehen zu sehen, die Familie, die Freunde treffen: Das alles ist ein absolutes Muss für sie. «Meine eigentliche Heimat Cartagena ist der Gemüsegarten Europas», schwärmt sie. Auf der anderen Seite hat die Spanierin einen besonderen Weg der Integration hinter sich, leitet sie doch seit drei Jahren das «Café International» in Zumikon. Eigentlich war nicht denkbar, dass Teresa Martin mal im Ausland leben würde. Sie war zwanzig Jahre lang für ein spanisches Luxus-Hotel tätig, unter anderem als stellvertretende Verkaufsleiterin. «Ich bin natürlich viel gereist, das hat mir auch sehr gut gefallen, aber ich bin immer wieder zurück in meine Heimat gekommen», erinnert sie sich. Da trat ein deutscher Mann in ihr Leben. «Ich wollte niemals einen typischen spanischen Macho, aber an deutschen Männern war ich eigentlich auch nicht so interessiert», so Teresa Martin im Rückblick. Zwei Jahre war Klaus-Martin Vierhaus als Finanzdirektor im selben Hotel engagiert, und er hatte somit ausreichend Zeit, Teresas Herz zu erobern. «Ich habe mich früher häufiger auf den ersten Blick verliebt, aber das hat nie weit geführt», lacht die Zumikerin. Ein Jahr lang liess sich Teresa Martin nach der Hochzeit Zeit, dann folgte sie ihrem Mann nach München. In ihrem Beruf hatte sie eine Pause eingelegt, mit der Gewissheit, dass sie jederzeit zurückkehren könnte.

Gelesen wie nie zuvor

An der Isar hat sie erst mal nur gelebt. Niemals habe sie so viele Bücher gelesen wie damals, nie so viel geschlafen, nie so ausgiebig die Natur einfach beobachtet. Als sie ihren persönlichen Akku wieder aufgeladen hatte, ging sie auf die Suche nach anderen Frauen in ihrer Situation: Migrantinnen ohne grosses Beziehungsnetz. Das war der Beginn des Münchner «Café International». Am Anfang waren es nur fünf oder sechs Frauen, die sich regelmässig trafen. «Wir haben uns zum Frühstück getroffen, sind zusammen ins Museum gegangen oder ins Kino», erinnert sich die Spanierin. Natürlich habe sich damals auch die Frage nach einem Kind gestellt. Die biologische Uhr tickte schon ziemlich laut. Teresa Martin hatte das Kinder- und Jugendprogramm des Hotels aufgebaut und wusste: «Kinder zu haben ist sehr schön und sehr anstrengend. Es gibt auch schon so viele Kinder in meinem Leben, in meiner Familie. So habe ich nun zwar keine eigenen, aber ich liebe Kinder sehr.» Schon in München war ihr klar, dass sie sich in dieser neuen Umgebung integrieren wollte. Sie lernte die Sprache, belegte einen Kurs im Kommunikationsbereich. Fünf Jahre lang fühlte sie sich pudelwohl in der Stadt, dann zog es ihren Mann in die Schweiz. Teresa Martin musste wieder bei null anfangen. Mit pessimistischen Gedanken reiste sie nach Zürich. «Ich bin sonst so positiv, so voller Energie. Die fehlte mir damals», erinnert sie sich. Zumindest ein bisschen hatte sie sich darauf gefreut, am Zürichsee entlang zu spazieren. «Wir sind vom Opernhaus zum Zürihorn gegangen und es war furchtbar. So fürchterlich voll.» Zürich als Wohnort war somit gestrichen.

Gut für die Seele

«Ich wollte mehr in die Natur, weg von der Stadt», weiss Teresa Martin noch, und so landete das Paar im Oktober 2010 in Zumikon. Mittlerweile liebt sie die Schweiz. «Das Land ist einfach gut für die Seele», formuliert sie. Sie schätzt die Sicherheit, die Berge, die Sauberkeit und die Menschen, die sie kennengelernt hat. «Ich habe einfach etwas Zeit gebraucht, das wahrzunehmen.» Und doch blieb da eine innere Leere, und sie erinnerte sich wehmütig an das «Café International» in München. Sie fragte beim Freizeitzentrum um Unterstützung. «Ich bekam sofort die Güggel-Lounge als Location, Kaffee und die Hilfe von Marty Bristot und Kriszta Kemény. Das war ein Traum», erinnert sie sich an die Anfänge. Anfangs noch an einem Dienstagmorgen und -abend. Doch die Erfahrungen zeigten, dass der Abendtermin eigentlich überflüssig war, da immer weniger Leute kamen. Geblieben ist der monatliche Dienstagmorgen. «Als ich gemerkt habe, dass manche Frauen den Anlass nur zum Austauschen von Visitenkarten nutzten, musste ich das untersagen», unterstreicht die Zumikerin. Im Vordergrund steht das Gespräch, der Austausch, neue Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig zu unterstützen. Mittlerweile gibt es auch kurze Präsentationen als Grundlage zu einer Diskussion. Es ist eine sehr gemischte Gruppe, die sich da regelmässig trifft: Frauen, die im Beruf stehen, Rentnerinnen, junge Mütter, Schweizerinnen und viele andere Nationen. Neue Gesichter sind natürlich herzlich willkommen. Um das «Café International» auch weiterhin attraktiv zu gestalten, hat Teresa Martin einiges im Köcher. Sie möchte – wie im vergangenen Jahr – einen Kino-Abend anbieten, dazu einen landesweiten Tag des «Cafés International» oder auch einen «Help Day». «Es gibt viele Einrichtungen, in denen man sich engagieren kann. Und wenn es nur mal ein Besuch in einem Altersheim ist», überlegt sie. Alle ihre Energie kann sie aber nicht in dieses Café stecken – nebenbei ist sie auch noch Lehrerin für spanischen Tanz und Flamenco. Und wenn sie davon erzählt, ist sofort wieder jede Faser von ihr randvoll mit spanischem Temperament. (bms)

 

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