43/2016 «Berührungsängste dürfen nicht sein»

«Berührungsängste dürfen nicht sein»

Raus aus dem Auto, hin zum Menschen: Eine bürgernahe Polizei ist das Ziel von Peter Zimmermann. Der neue Polizeichef von Zollikon über Streiche, die in Vandalismus eskalieren könnten wie jetzt zu Halloween und warum Dorfpolizisten Generalisten sind.

Peter Zimmermann, spielten Sie als Kind am liebsten Räuber und Polizei?

Nein, eigentlich nicht. Am liebsten spielte ich draussen, zusammen mit meinen Freunden. Mein Vater war Jagdaufseher und Fischer, oft nahm er mich mit in den Wald und auf den See. Die Natur war mein zweites Spielzimmer. Förster und Tierarzt waren seinerzeit wohl eher meine Traumberufe. Später dann hat mich am Polizeiberuf fasziniert, dass er so abwechslungsreich ist und oft draussen stattfindet. Ich bin gerne unterwegs, am liebsten zu Fuss.

Als Polizeichef der Gemeinde Zollikon führen Sie ein Korps mit sieben Personen. Kommen Sie da überhaupt noch los von Ihrem ­Bürostuhl?

Natürlich bin ich nicht mehr so oft auf Patrouille wie meine Mitarbeiter, da ich mich zusätzlich auch auf die Führungstätigkeit zu konzentrieren habe. Aber auch hier stehen die Menschen im Mittelpunkt und das ist es, was mir so gut gefällt.

Die Aufstiegsmöglichkeiten eines Dorfpolizisten sind gering, mit Ihren 44 Jahren haben Sie jetzt quasi die Topposition erreicht. Liebäugeln Sie nun mit einem Sprung zur Kantonspolizei?

Ganz und gar nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass Zollikon meine «Final Destination» ist. Es kommt immer darauf an, was man will. Für mich stimmt hier alles: Die Grösse des Korps ist perfekt, ich bin nahe bei meinem Team und bin mit vielfältigen Führungsaufgaben und Projekten betraut. Dazu gehe ich aber doch hin und wieder noch auf Patrouille, kann so den Draht zur Bevölkerung sicherstellen und weiss, was draussen passiert.

Aber für einen jungen, aufstrebenden Polizisten ist die Arbeit bei einer Gemeindepolizei doch meist nicht von langer Dauer.

Die Polizeiarbeit ist mittlerweile ein ziemlicher Bürojob mit viel Schreibarbeit geworden. Die Gemeindepolizei ist klar die Uniformpolizei. Gesehen zu werden, ist unser Ziel. Es kann nicht sein, dass wir nur noch im Büro sitzen und Papierkram zu erledigen haben, wir gehören auf die Strassen, müssen unterwegs sein. Gemeindepolizist zu sein heisst mitnichten, nicht in grössere Angelegenheiten involviert zu sein, häufig sind wir bei einem Vorfall als erste vor Ort und leiten die notwendigen Sofortmassnahmen ein. Bei der Nachbearbeitung der Fälle darf die Gemeindepolizei von Gesetzes wegen im Kriminalbereich lediglich Übertretungen rapportieren, nicht aber Vergehen oder Verbrechen. Anders sieht dies im Strassenverkehrsgesetz aus. Ausnahmen gibt es hier nur bei Verkehrsunfällen mit Verletzten. Die Übergabe der Fälle verläuft fliessend, da in der Regel die Kantonspolizei noch auf Platz die Sachbearbeitung übernimmt. Man kann also sagen, dass wir uns um sämtliche Fälle kümmern, einfach nur bis zu einem bestimmten Punkt. Wir sind die Generalisten, während die Kantonspolizei ihre Spezialisten hat. Es geht also auch hier darum, was man will.

Seit sechs Monaten sind Sie nun in Zollikon. Haben Sie weitergemacht, wo Ihr Vorgänger aufgehört hat, oder haben Sie Änderungen herbeigeführt?

Neben der allgemeinen Polizei­tätigkeit, die jedes Teammitglied zu erledigen hat, habe ich spezifische Ressorts eingeführt. Neu gibt es eine polizeiliche Jugendsachbearbeiterin, jemanden, der für die verkehrspolizeilichen Angelegenheiten verantwortlich ist, einen Vorsteher für Tiere und Umwelt oder für die administrativen Aufgaben, um nur einige Beispiele zu nennen.

Eine polizeiliche Jugendsachbearbeiterin. Bereiten die Jugend­lichen in Zollikon denn häufig ­Probleme?

Nein, ganz und gar nicht. Wir haben ganz normale Jugendprobleme wie anderswo auch. Mit den Ressorts möchte ich meinen Mitarbeitenden aber eine Entfaltung ermöglichen, ihnen auch eine gewisse Entscheidungsgewalt geben. Ebenso ist mir wichtig, dass die Bevölkerung ihre Ansprechpersonen kennt, eine bürgernahe Polizei ist mein Ziel. Der Bürger soll ebenso selbstverständlich auf uns zukommen, wie wir auf ihn. Berührungsängste dürfen nicht sein. Den ersten Schritt müssen aber wir als Polizei machen.

Auf eine Problematik mit Jugendlichen machten Sie kürzlich mit einem Schreiben besonders aufmerksam: Halloween. Was hat es damit auf sich?

Halloween löst den Schulsilvester ab. In den vergangenen Jahren mussten wir feststellen, dass es bei den Jugendlichen oft nicht mehr darum geht, um Süssigkeiten zu betteln, sondern darum, Eier an die Hauswände zu werfen oder gar mit Brennsprit Spuren zu legen und illegal Feuerwerkskörper zu zünden. Oftmals ist den Jugendlichen die Tragweite ihres Tuns nicht bewusst. Gerade aufgeschlagene Eier an Hausmauern hinterlassen grosse Schäden. Werden die Spuren nämlich nicht umgehend beseitigt, bringt man das Mauerwerk in der Regel nicht mehr sauber, was ­Schäden von mehreren Tausend Franken verursachen kann. Für die Jugendlichen hätte dies ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung zur Folge, verbunden mit einer Geldstrafe.

Sie werden am 31. also verstärkt patrouillieren in Zollikon?

So ist es. Sehen wir Jugendliche mit Eiern oder Feuerwerkskörpern im Rucksack, werden wir diese beschlagnahmen. Verzeigt werden sie deswegen natürlich nicht, dazu käme es erst bei der Handlung, die dann wissen- und willentlich wäre. Es geht uns darum, das Gespräch zu suchen, auf den Bürger zuzugehen. Prävention statt Repression. (mmw)

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