44/2016 Ticketschalter schliessen

Ticketschalter schliessen

Auf Ende 2018 verschwinden die Verkaufsstellen der Forchbahn am Zollikerberg und in Zumikon. Besonders betroffen ist das Zumiker Dorfzentrum, denn auch weitere Schliessungen könnten bevorstehen.

«Wir wissen, dass wir dafür nicht nur Beifall bekommen», weiss Stefan Kaufmann, Mediensprecher der ZVV. Der Entscheid ist trotzdem getroffen worden: Im November 2018 schliessen die Billetschalter im Zollikerberg und in Zumikon. 80 Prozent aller Fahrgäste würden ihre Fahrkarten mittlerweile online, über eine App oder am Automaten kaufen, so der ZVV. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und um die Kosten des öffentlichen Verkehrs in finanziell tragbarem Rahmen zu behalten, sei dieser Beschluss unumgänglich gewesen. Das entspricht letztlich der Vertriebsstrategie, die der Kantonsrat für den ZVV beschlossen hat. Sie sieht aber auch vor, dass eine Grundversorgung mit bedienten Servicecentern gewährleistet werden muss. Der Massstab dabei: Jeder Zürcher soll innerhalb von zwanzig Minuten zu einer Verkaufsstelle kommen können. Aus dem Grund wird auf der Forch im Dezember 2018 ein ZVV-Contact-Kundenzentrum eröffnet, wo Bahnreisende an 365 Tagen im Jahr von 5 bis 23.30 Uhr alle Dienstleistungen in Anspruch nehmen können. «Die Arbeit in den Verkaufsstellen hat sich geändert. Sie ist vom reinen Verkauf übergegangen zur Beratung», erläutert Stefan Kaufmann.

«Wir haben nicht nur auf die Dichte der Anwohnerzahl geschaut, sondern auch auf eine sinnvolle Verteilung im ganzen Kanton geachtet.» Für ihn ist dieser Abbau einer Dienstleistung auch eine gesellschaftliche Entwicklung. Zum Beispiel könne man bei Grossverteilern beobachten, dass die Kunden unabhängig von der Warteschlange an der Kasse zum Scanner greifen würden. «Die Menschen wollen immer häufiger selber und sofort zahlen und keine Wartezeit in Kauf nehmen.» Bei der Schliessung der Billetschalter soll, laut Forchbahn AG, auf Kündigungen verzichtet werden. «Bis zur Umsetzung haben wir noch zwei Jahre. Es wird einerseits Pensionierungen geben, andererseits werden wir Mitarbeiter für die Beratung im Contact-Zentrum Forch ausbilden«, erklärt Harry-Louis Beringer, Verkaufsleiter der Forchbahn AG. Er betont, dass der Rückbau eine politische Entscheidung gewesen sei. Bereits 2014 wurde die neue strategische Ausrichtung vom Zürcher Kantonsrat  beschlossen und Anfang dieses Jahres bestätigt. «Wir als Forchbahn führen diesen Entscheid lediglich aus», erklärt Harry-Louis Beringer. 

Was aus dem Zumiker Bahnreisezentrum am Dorfplatz wird, steht noch nicht fest. Fest steht aber, dass der Zumiker Dorfplatz damit noch unattraktiver wird und noch weniger Menschen anziehen wird. Im schlimmsten Fall ist die Gemeinde auch von einer Schliessung der Post betroffen, was mit der Coop-Filiale passiert, ist ebenso unklar. Unabhängig davon hat die Gemeinde aber 100’000 Franken ins Budget für 2017 aufgenommen, um den Platz aufzuwerten. Ursprünglich hatte es einen Aktionskreis für den Platz gegeben, doch dessen favorisierte Umgestaltung würde mit einer Million zu Buche schlagen. «Nun wollen wir erst mal mit geringen Mitteln eine Aufwertung erreichen», so Gemeindeschreiber Thomas Kauflin. Grundsätzlich bedauere die Gemeinde natürlich die Schliessung der Filiale. Das gilt ebenso für die Gemeinde Zollikon. «Wir bedauern sehr, dass dieser Service eingestellt wird. Aber das ist leider Sache des Verkehrsrats», betont Gemeindeschreiberin Regula Bach.

In den Filialen selber gab es von den Mitarbeitern keinen Kommentar. «Wir dürfen nicht», hiess es vor Ort. Nur so viel wurde verraten: Sie seien sehr kurzfristig von den Plänen in Kenntnis gesetzt worden. (bms)

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