23/2017 Liegenschaften liegen schwer im Magen

Liegenschaften liegen schwer im Magen

Eigentlich hätte es eine Speed-Gemeindeversammlung geben können: Nur ein Punkt stand auf der Agenda.

Über das einzige Traktandum der Gemeindeversammlung konnte rasch beschlossen werden: Die Stimmbürger folgten der Weisung der Rechnungsprüfungskommission und nahmen die Jahresrechnung 2016 einstimmig an. Die Kommission stellte fest, dass die Abweichungen vom Budget  plausibel begründet waren. Der Vergleich mit dem Vorjahr zeige, dass die Sparbemühungen langsam Wirkungen entfalteten. So gut gestimmt bisher der Abend, so schwierig in der Sache wurde es bei der anschliessenden Info-Veranstaltung. Gemeinderat Thomas Epprecht stellte erstmals die Ergebnisse einer Studie vor, die sich mit er Zukunft der gemeindeeigenen Liegenschaften befasste. Der Leiter der Liegenschaften hatte die unschöne Aufgabe, die Bürger über den dringenden Bedarf der Sanierungen zu informieren, Finanz-Vorsteherin Barbara Messmer hatte  im Anschluss die noch schwerere Pflicht zu erklären, wie das finanziert werden soll. Manchmal sind aller schlechten Dinge auch drei. Der Weg wird sein: sparen, Schulden machen, die Steuern erhöhen – von 85% über 88% bis auf 91%. Thomas Epprecht begann sein Plädoyer mit der Zukunftsvision der vergangenen Generation. Mit der Weitsicht, mit der der Dorfplatz und die Juch-Schule gebaut und die Fochbahn unterirdisch verlegt wurden. «Wäre das nicht passiert, würde Zumikon jetzt aussehen wie Zollikerberg», unterstrich er. Dieses Erbe sei aber auch Verpflichtung, und deshalb kämen nun zeitgleich die Herausforderungen dazu. Durch einen abgestimmten Zeitplan aber könnten die Belastungsspitzen vermieden werden. Das unterlegte auch Richard Staubli, der mit seinem Institut für Werterhaltung und Finanzplanung die Studie erstellt hat. Insgesamt sind 15 Liegenschaften der Gemeinde untersucht worden, weitere 43 Gebäude gibt es darüber hinaus. Richard Staubli hatte nicht nur Zahlen dabei, sondern auch Fotos. Die Bilder von der Tiefgarage, dem Schulhaus, dem Gemeindehaus oder auch dem Feuerwehr-Gebäude sprachen für sich selbst. Klar wurde: Wer keine Entscheidung fällt, fällt doch eine: die für den Verfall. Richard Staubli erläuterte konkret, wie der richtige Zeitpunkt für die Instandsetzung ganz objektiv ermittelt wird. Und da kommen auf Zumikon bis zum Jahr 2026 einige Zeitpunkte zu. In drei Wellen werden die Kosten – auch bei einem abgestimmten Zeitplan – auf die Gemeinde zurollen. «Aber die Sanierung innerhalb des optimalen Zeitfensters spart Geld», betonte Thomas Epprecht. Hat sich dieses Zeitfenster schon geschlossen, drohten noch höhere Folgekosten, im schlimmsten Fall der Verlust.  Klare Worte fand Barbara Messmer, die gemeinsam mit Aline Anderhalden von der Beratungsfirma Swissplan dann für die Zahlen verantwortlich war: «Wir werden Schulden machen müssen. Das haben wir schon häufiger gemacht. Aber dieses Mal werden wir lange daran zu knabbern haben.» Die Folien, die im Gemeindesaal an die Wand projeziert wurden, zeigten eine ernüchternde Entwicklung: Im Jahr 2008 noch verfügte die Gemeinde über ein Plus von 8000 Franken pro Einwohner. Im Jahr 2021 steht jeder Einwohner mit rund 2000 Franken in der Kreide – trotz des erhöhten Steuerfusses Aber: Damit wäre der Tiefpunkt auch erreicht. Und Zumikons Zukunft endet eben nicht 2021 – danach wäre wieder Luft nach oben. (bms)

Anzeige