13/2018 Und sie schenkten sich nichts

Und sie schenkten sich nichts

Als Gemeinderäte wurden Sascha Ullmann und Urs Fellmann bereits in stiller Wahl bestätigt. In vollem Gange ist jedoch ihr Kampf um die Wahl zum Gemeindepräsidenten. In einer hitzigen Podiums­diskussion demonstrierten die beiden, welche Ideen sie ­ verfechten – und wo diese voneinander abweichen.

Zwei rote Stühle waren am Donnerstagabend auf der kleinen Bühne im Gerenhuus aufgestellt worden. Doch die beiden Anwärter für das Zolliker Gemeindepräsidium Sascha Ullmann (GLP) und Urs Fellmann (FDP) blieben lieber stehen. Vielleicht weil sie wussten, dass sie den rund 70 Besuchern des Wahlpodiums unter dem Titel «Neuer Gemeindepräsident – Stillstand oder Aufbruch?» gleich einen äusserst temperamentvollen Schlagabtausch liefern würden? Zumindest war beiden Kandidaten anzumerken, dass sie sich auf dem Zenit des Wahlkampfes befinden. Von Beginn weg zeigten sie sich angriffslustig, stichelten immer wieder mit spitzen Bemerkungen. Teils so bissig, dass man beinahe vergessen konnte, dass beide bereits seit vier Jahren gemeinsam im Zolliker Gemeinderat agieren – der 46-jährige Sascha Ullmann hielt dort 2014 Einzug, der 68-jährige Urs Fellmann 2008. Teils aber auch humorvoll, was für regelmässige Lacher im Publikum sorgte und daran erinnerte, dass aus den vier bisherigen gemeinsamen Jahren bald acht werden. Denn in ihrer Funktion als Gemeinderäte sind beide bereits in stiller Wahl bestätigt.

Wahlkampf ohne Parteilogo

Wie soll also der Nachfolger von Gemeindepräsidentin Katharina Kull-Benz (FDP) künftig die Zügel des Gemeinderats führen? Das war die Frage, mit der Moderatorin ­Melanie Marday-Wettstein, Redaktionsleiterin des «Zolliker Zumiker Boten», die beiden Kandidaten zum Auftakt konfrontierte. «Alphatierli können nur mit einem partizipa­tiven Stil geführt werden» betonte Urs Fellmann. Trotz seines Rangs als Oberst wolle er deshalb nicht militärisch führen. Sascha Ullmann entgegnete, dass sich ein ­Präsident aber schon auch einmal vorne hinstellen und eine Entscheidung treffen müsse. Die Moderatorin fuhr weiter mit der Frage, weshalb denn auf den Wahlplakaten von Sascha Ullmann das Parteilogo fehle. «Ich will ein Präsident für das ganze Dorf sein», erklärte der Grünliberale. Sein Kontrahent nutzte die Gelegenheit und entgegnete, dass er selber hinter seiner politischen Herkunft stehe, die Wähler so auch besser orientiert seien. Und fügte mit einem Augenzwinkern an: «Ich wäre ein Präsident für das Dorf – und den Berg.»
Einig waren sich die beiden Kandidaten aber darin, dass unter der scheidenden Gemeindepräsidentin nicht alles gut verlaufen ist. Vor allem die Kommunikation bei grossen Projekten wie der Überbauung des Beugi-Areals müsse künftig verbessert u nd die Bevölkerung stärker eingebunden werden, befand Sascha Ullmann. Dass die Erwartungen denn auch ganz anders gewesen seien als die Realität, bestätigte auch Urs Fellmann. Als Folge dieser Fehleinschätzung stimmen die Zolliker am 10. Juni trotz des von der Gemeinde eigens durchgeführten Mitwirkungsverfahrens an der Urne über eine Initiative der Zolliker Baugenossenschaften als Alternative zum Behördenprojekt ab. Sascha Ullmann verwies an dieser Stelle auf die Dringlichkeit, die angespannte Wohnungslage und die hohen Wohnungspreise in Zollikon thematisch in den Mittelpunkt zu rücken. Urs Fellmann sprach hingegen die sinnvolle Siedlungsentwicklung an.

Finanzen, Verkehr und Fluglärm

«Und wo muss Zollikon den Gürtel enger schnallen?» sprach die Moderatorin Melanie Marday-Wettstein den Zolliker Schuldenberg an. «Wir sind gar nicht schlecht unterwegs», verteidigte Urs Fellmann darauf als aktueller Finanzvorsteher die Finanzpolitik der Gemeinde und gab einen Kurzeinblick in die noch nicht publizierte Jahresrechnung 2017. Und auch der Steuerfuss steht für beide nicht infrage. «Der Gemeinderat hat die finanziellen Ziele festgelegt», betonte Sascha Ullmann. Zur Sprache kamen auch konkrete Projekte im Zollikerberg, schliesslich zeichnete auch dessen Quartierverein für den Anlass verantwortlich. Gegen die beiden vom Bundesamt für Verkehr verlangten Barrieren beim Forchbahn-Übergang bei der Trichtenhauserstrasse und Binzstrasse beispielsweise kämpfen sowohl die Gemeinde als auch der Quartierverein. Befürchtet wird, dass durch solche Schranken der Rückstau auf der Forchstrasse riesig, die bereits bestehende Quartiertrennung zusätzlich vergrössert und auch der Schleichverkehr durch die Quartierstassen zunehmen würde. «Eine Schranke vor einer Spitalzufahrt ist ohnehin unsinnig», bekräftigte Urs Fellmann. Und Sascha Ullmann verwies darauf, dass die Verkehrsplanung hohe Priorität habe. Aber auch auf die Tatsache, dass sich der Bund hier extrem schwer tue, eine Lösung zu finden.

Nebst dem Verkehr auf den Strassen wurde in der anschliessenden Fragerunde auch jener in der Luft angesprochen. Konkret forderte der Pressesprecher der Stiftung gegen Fluglärm, der im Zollikerberg wohnhafte Klaus J. Stöhlker, ein klares Statement der Gemeinderäte zu den Südstarts. Urs Fellmann verwies darauf, dass dieses Thema zwar wichtig, der Flughafen aber auch ein zentraler volkswirtschaftlicher Faktor sei. «Sobald das neue Betriebskonzept mit Südanflügen kommt, müssen wir aber bereit sein», warnte indes Sascha Ullmann, der im ­Steuerungsausschuss des Fluglärmforums Süd sitzt.

Beinahe Amtszwang

Quartiervereinssprecher Fritz Wolf forderte die Kontrahenten zum Schluss des Abends auf, in einem 30-sekündigen Statement noch einmal hervorzuheben, weshalb sie für das Amt des Gemeindepräsidenten geeignet seien.

Sascha Ullmann fasste dies mit drei Gründen zusammen: «Ich stehe mitten im Leben, habe Lust, diese Aufgabe zu übernehmen und verfüge über den idealen Rucksack dafür.» Urs Fellmann entgegnete, er sei mit seinen 68 Jahren eben auch ein 68er: «Was das Mentale betrifft, haben wir also nicht so einen grossen Altersunterschied.» Gar keinen Unterschied machte für beide ihre stille Wahl in den Gemeinderat. Wie sie sich denn als selbst gewählte Behörde fühlten, war eine der Fragen aus dem Publikum. «Nicht anders als andere, die gewählt wurden», meinte Urs Fellmann und fügte an, dass sie fast vor einen Amtszwang gestanden hätten: «Es kann nicht sein, dass nun auf diejenigen eingeprügelt wird, die sich zur Verfügung stellen.» Sascha Ullmann hielt dagegen fest, dass er die Form der stillen Wahlen diskutieren wolle. «Sie müssen angesprochen werden», versprach er. Wer künftig die Zügel des Gemeinderates führen wird, zeigt sich am 22. April. Bis dann haben die beiden Kandidaten noch Zeit, das Stimmvolk von sich zu überzeugen. Ein Blick in die sozialen Medien zeigt, dass dort weiter kräftig die Werbetrommel gerührt wird. Gut möglich, dass sich in der Kommunikation der Gemeinde Zollikon in Zukunft tatsächlich etwas ändern wird. (vk)

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