16/2018 Extrem schön, extrem aggressiv

Extrem schön, extrem aggressiv

Sabrina Dichne hat ihre Faszination für Kampffische entdeckt und zeigt diese mit dem Verein «Betta Helvetia» mit der grössten Schau Europas auch in Zollikon.

Die Geschichte klingt zu schön: Die heute erfolgreiche Fischzüchterin Sabrina Dichne bekam mit zehn Jahren bei einem Besuch in China als Gastgeschenk zwei Goldfische in einem Plastikbeutel überreicht. Die Tiere wurde Fritzli und Pauline getauft und damit begann die grosse Leidenschaft der Zollikerin für die Welt der Aquaristik. So weit, so gut. Die Geschichte hat nur einen Haken. «Der erste Goldfisch starb nach zwei Tagen, den anderen haben wir dann da gelassen», erinnert sich die heute 26-Jährige. Doch das konnte die Faszination der kleinen Sabrina nicht schmälern. Kaum zu Hause ging es mit Mama ins nächste Zoo-Fachgeschäft und ein Aquarium wurde angeschafft. «Wir lebten in einer Wohnung. Hund oder Katze waren da verboten, und ich wollte unbedingt Tiere.» Der Vater gab seine Einwilligung für das nasse Vergnügen. «Er hatte wohl damit gerechnet, dass ich mit so einem Goldfischglas ankomme», weiss die Fischfreundin noch. Weit gefehlt. Auch, weil diese im deutschsprachigen Raum verboten seien. Sie erstand gleich ein Aquarium von 80 Zentimetern Länge und die komplette Ausrüstung wie Filter und Pflanzen – und Goldfischen natürlich.
Das ist lange her. Mittlerweile hat sie 300 Aquarien und hält und züchtet Kampffische. Was diese ausmacht, verrät der Name. Die besonders farbigen Exemplare müssen getrennt gehalten werden. Sind zwei in einem Bassin, beginnt der Kampf. «Diese Fische sind territorial ausgerichtet. Die verteidigen ihr Revier und können richtig beissen», erläutert die Expertin. Das gilt auch, wenn Männchen und Weibchen aufeinander treffen, was die Paarung extrem schwierig macht. «Man muss die Tiere beobachten, dann bekommt man ein Gespür dafür, wann sie in der richtigen Stimmung sind», führt Sabrina Dichne aus. Und direkt nach der Paarung müssen die beiden wieder getrennt werden, sonst überlebt einer das Liebesspiel nicht.
Immer wenn Tiere eine besondere Kampfbereitschaft mitbringen, wird das vom Menschen missbraucht. Da werden Kämpfe inszeniert, Wetten auf den Sieger abgeschlossen. Das ist in Thailand zumindest auch bei Kampf­fischen üblich. «Diese Tiere werden auf besondere Aggressivität gezüchtet. Die gehen sofort aufeinander los. Wir aber züchten hier Fische, die sich gerne zeigen, die ihre Flossen spreizen und durch Imponiergehabe auffallen», erläutert die Zollikerin. Im Gegenteil: Bei den Schauen in Europa wird übertriebene Kampfbereitschaft negativ bewertet.

Jeder ein eigener Charakter

In einem Aquaristik-Verein kam sie selber das erste Mal in Kontakt mit dieser besonderen Spezies. «Ich fand die sofort cool. Das ist eine ganz andere Welt als die üblichen Schwarmfische.» Eine Welt, in die sie mittlerweile viel investiert – Zeit und Geld. Trotz der Zucht bleibt das Hobby ein Zuschuss-Geschäft. «Und meine Freunde finden das auch nur so lange spannend, bis sie mithelfen müssen», lacht sie. «Aber jedes der Tiere hat seinen eigenen Charakter, seinen eigenen Kopf.» Sie liebt es, den Fischen bei ihren Kontrollrunden im Aquarium zuzuschauen. Wie gross so ein Aquarium sein muss? Auf diese Frage gibt es unterschiedliche Antworten. In den Zuchtstationen in Asien werden die Kampffische in 3dl-Whisky-Flaschen gehalten. «Es ist schon so, dass die Tiere so überleben können», weiss Sabrina Dichne, «doch es ist für sie natürlich unendlich langweilig.» Auf der anderen Seite steht das Platzproblem, wenn jedes Exemplar sein eigenes «Kinderzimmer» braucht. Bei der Zollikerin ist das kleinste Aquarium zum Anzüchten mit 2,5 Litern Wasser gefüllt. Der riesige Raum im Haus der Eltern – in dem es mittlerweile doch auch Hunde gibt – reicht da nicht mehr. Allein sechs Aquarien sind über Küche und Wohnzimmer verteilt. «Für eine langfristige Haltung sollten es schon 20 Liter sein.»

Auch Kunstwerke willkommen

Ihr Hobby mit Besuchen in Asien auszuleben, reichte Sabrina Dichne, die ansonsten Betriebswirtschaft studiert, irgendwann nicht mehr. Sie wollte auch andere dafür begeistern. Und so organisierte sie im vergangenen Jahr mit dem neuen Zolliker Verein «Betta Helvetia» in Zürich eine Kampffisch-Ausstellung. «Normalerweise kommen zwischen 50 und 100 Besucher zu den Schauen. Zu uns kamen damals 600», erinnert sie sich. Daraus hat sie gelernt und bietet vom 26. bis 29. April in Zollikon die grösste Kampffisch-Ausstellung Europas an, und zwar im geräumigen Gemeindesaal. Schon nach wenigen Tagen waren mehr als 30 Teilnehmer aus elf Ländern angemeldet. Richter reisen eigens von den Philippinen und aus Thailand an. Doch nicht nur Fische sollen gezeigt werden, auch einen Kunstwettbewerb bietet die Show. Dafür können Kunstwerke rund um den Kampffisch – Fotos, Zeichnungen, Skulpturen – eingereicht werden. «Ich würde mich besonders freuen, wenn sich auch Kinder dafür anmelden», unterstreicht Sabrina Dichne. Und vielleicht stürmt ja dann das nächste zehnjährige Mädchen den nächsten Zooladen, um sich mit Fischen einzudecken. (bms)

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