30/2018 Feuerwehrmuseum Zollikerberg

Handwäsche für Handschuhe

Der Quartierverein Zollikerberg besuchte das heimische Feuerwehrmuseum und tauchte in die Geschichte ein.

Natürlich war man im Zollikerberg alles andere als erfreut, als vor knapp 20 Jahren die Feuerwehr vor Ort aufgehoben wurde, weil man befunden hatte, dass ein Standort – und zwar im Dorf – reiche. Auf der anderen Seite war das die Geburtsstunde eines Schatzkästleins. Da die Feuerwehr im Dorf bestens ausgerüstet war, war die gesamte Ausrüstung des Depots, das erst 1981 gegründet worden war, überflüssig geworden. Das war der Grundstein für das Feuerwehrmuseum Zollikerberg.

Zunächst konnte Fritz Wolf vom Quartierverein nur rund 30 Besucher zu einem Besuch des Museums begrüssen, doch im Laufe des lauen Abends strömten immer mehr Gäste herbei, um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Adolf Kaufmann, Mitbegründer des Museums, war bester Ansprechpartner für alle Fragen und konnte viele Anekdoten aus der Geschichte der Zolliker Feuerwehr berichten. Angesichts eines Horns erinnerte er an die Zeit, als Feuerwehrmänner noch auf dem Velo unterwegs waren, um Alarm zu geben. Später dann wurde nicht mehr Lungenvolumen gebraucht, eine grosse Pressluftflasche erledigte das. Genau unter die Lupe genommen wurden auch die Atemschutzgeräte. «Die sind das A und O der Ausrüstung», unterstrich Adolf Kaufmann. Nach jedem Einsatz mussten diese penibel gereinigt und überprüft werden. Lange Zeit kam die Luft für die Geräte aus schweren Stahlflaschen. «Mittlerweile sind sie aus Kunststoff. Die hebst du mit einem Finger.» Der Fachmann erklärte auch, dass zwar immer von Sauerstoffflaschen die Rede sei, in Wirklichkeit sei aber komprimierte Luft in den Behältnissen.

Mobiles Telefon für einen Umkreis von 25 Kilometern

Viel geschmunzelt wurde im Bereich Kommunikation. Mittlerweile ist jeder sofort über Handy zu erreichen. Parallel haben alle Feuerwehrmänner aber noch einen Pager, der sie informiert. «Wenn das Netz überlastet ist, kommt eine SMS viel zu spät», so Adolf Kaufmann. Am Anfang dieser Entwicklung standen grosse Telefonanlagen, riesige und schwere Funkgeräte und ein Radio-Telefon, das in einem Umkreis von 25 Kilometern mobil funktionierte. Bis 1978 immerhin war dieses im Einsatz. Neben den Funkgeräten glänzt ein grosser schwarzer Kasten: ein historischer Gefahrengutcomputer. In ihn konnten die Codes der LKW-Plaketten eingegeben werden und der Computer verriet, was der Lastwagen geladen hatte und wie das zu behandeln war. «Es hat nur leider Ewigkeiten gedauert, bis der Zettel da endlich rausgekommen ist», erinnerte sich Adolf Kaufmann.

Grosse Entwicklungen auch bei der Bekleidung

Auf die Bedeutung der verschiedenen Uniformen kam Markus Schneider, der das Museum mitbetreut, zu sprechen. Da gab es zum Beispiel die schmucke Ausgangsuniform. Doch manch einer habe darin nicht so eine gute Figur abgegeben. Dann zum Beispiel, wenn der eigene Brand – mit Bier – gelöscht worden war. Auch bei der Bekleidung hat es grosse Entwicklungen gegeben. Waren die Männer am Anfang noch in schwere Baumwolle bekleidet, gibt es mittlerweile leichtere Textilien. So verfügen die Seeretter, die auch zur Feuerwehr zählen, über Trockenanzüge. Keiner muss mehr wie früher in einen Neopren-Anzug steigen und völlig durchnässt aus dem Wasser kommen.

In den beiden Etagen des Museums gibt es viele kleine und grosse Kuriositäten. Wie die handbetriebene Wäschetrommel für Lederhandschuhe, der Geldsäckel für die Auszahlung des Übungssoldes oder die alten Lederlöschkessel aus den Jahren 1780 und 1812. Der rote Feuerlöscher in der Ecke ist übrigens kein Exponat. Er ist für den Ernstfall. (bms)

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