36/2018 Die Trauung im eigenen Garten

Die Trauung im eigenen Garten

Nach der Teilrevision der Kirchenordnung sollen die Mitglieder
der reformierten Kirche auch über Stellenprozente für Pfarr­personen abstimmen, die ihrerseits mehr Gestaltungsspielraum erhalten können.

Wenn am 23. September die Schweizer Stimmbürger zur Urne gehen, werden zusätzlich die Mitglieder der reformierten Kirche um ihre Stimme befragt. Sie sollen über die Teilrevision der Kirchenordnung abstimmen, die im Wesentlichen drei Zieleverfolgt: Die Institution soll auch für Passivmitglieder interessanter, Kirchenfusionen sollen gestärkt und Stellenprozente gespart werden.

Einschneidende Veränderung für die Gemeinden

Dabei macht vor allem der letzte Punkt der Zumiker Kirchenpflege Sorgen. Die Teilrevision sieht vor, dass einer Gemeinde ab 2 000 Mitgliedern eine volle Pfarrstelle zugebilligt wird. Gemeinden mit weniger als 1 000 Mitgliedern wird eine halbe Pfarrstelle garantiert. Bislang galt: Gemeinden ab 1 000 Mitglieder bekommen eine volle Stelle und eine weitere für jeweils 3 000 Mitglieder zusätzlich.

«Für Zumikon bringt die Revision mittelfristig eine einschneidende Veränderung. Finanzierte die Landeskirche bisher eine volle Stelle, so werden wir aufgrund der aktuellen Mitgliederzahl von rund 1 750 nach der Übergangsphase ab 2024 nur noch ein Pensum von 80 Prozent finanziert bekommen», erklärt Kirchenpflegepräsident Malte Müller. Das restliche Pensum müsste aus dem eigenen Budget finanziert werden. Besonders interessant wird dabei der Rückblick. Im Jahr 2015 hatte die Gemeinde noch über zwei volle Stellen verfügt, die seinerzeit auf drei Pfarrer aufgeteilt waren – eine finanziert von der Landeskirche und eine weitere gemeindeeigene Pfarrstelle. Durch Umstrukturierungen in Diakonie und Jugendarbeit wurden diese schon auf eine 100-prozentige Stelle reduziert, die zurzeit Adelheid Jewanski besetzt.

Zusätzliche Pfarrstellenprozente gefordert

Auch Zollikon möchte weiter mit dem Kirchenrat verhandeln. «Zollikon hat überdurchschnittlich viele ältere Mitglieder, die ein anderes Angebot und eine andere Betreuung als Familien oder Kinder benötigen. Das braucht auch mehr Zeit. Diese wollen wir ihnen geben», unterstreicht Kirchenpflegepräsidentin Hanni Rüegg. Ausserdem seien alle Pfarrpersonen im regionalen und kantonalen Rahmen sehr engagiert. «Dafür benötigen wir vom Kanton zusätzliche Pfarrstellenprozente.»  Neue Anreize soll die Teilrevision – die aufgrund fallender Mitgliederzahlen nötig wurde – auch bei Anlässen mit vielen Besuchern bieten: So etwa bei Taufen, Trauungen, Beerdigungen. Diese sollen neu auch ausserhalb der Kirche zelebriert werden können. Trauerfeiern könnten im Garten oder in einem Friedwald stattfinden, Taufen an einem See oder Bach. Wichtig aber sei, dass der Ort eine besondere Bedeutung für die entsprechende Person habe, nicht zufällig gewählt werde. Und es braucht die Bewilligung des Pfarrers für diese «begründeten Fälle».  Auch die bereits begonnenen Fusionen von Gemeinden werden von der Teilrevision unterstützt. Die grösste wird im kommenden Jahr umgesetzt, wenn aus den 32 Kirchgemeinden Zürichs eine neue Gross-Gemeinde wird. Dass es sich aber nur um eine Teilrevision der Kirchenordnung handelt, bemängelt dagegen Hanni ­Rüegg: «Die Synode konnte leider nur die vom Kirchenrat vorgegebenen Artikel behandeln, und dabei ging es hauptsächlich darum, die Rechtsgrundlagen für die Fusionen zu schaffen.»

Synergien müssen mehr genützt werden

Auch die reformierte Kirchgemeinde Zumikon möchte die Zusammenarbeit und Effizienz der Kooperation 5+ verstärkt in den Vordergrund stellen. «Die Zuteilung wird es sukzessive nötig machen, Synergien unter Nachbargemeinden noch mehr zu nutzen», sagt Malte Müller dazu. Und obwohl die Teilrevision für die kleinste der 5+Gemeinden Einschränkungen mit sich bringe, empfiehlt die Kirchenpflege, dem Vorschlag zuzustimmen. «Es braucht eine faire Lösung für die Zuteilung von Pfarrstellenkapazitäten. Diese proportional zur Anzahl der Mitglieder auszulegen, finden wir prinzipiell richtig.» (bms)

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