42/2018 Buchtipp «Der Zopf» von Laetitia Colombani

«Der Zopf» von Laetitia Colombani

Tipp von Erica Reimann, Bibliothekarin Zollikon.

In diesem Buch werden drei Lebensgeschichten von Frauen vorgestellt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Jeder Frau ist ein Kapitel gewidmet und so wird ein wunderbarer Spannungsbogen aufgebaut. Dank den einfachen, kurzen Sätzen ist das Buch rasch gelesen.

Das Schicksal von Smita hat mich besonders berührt. Zusammen mit ihrem Mann und ihrer sechsjährigen Tochter lebt sie in Nordindien. Sie sind Dalits – Unberührbare – und damit der untersten Kaste zugehörig. Sie verrichten niederste Arbeit und es gibt keinerlei Möglichkeit auf gesellschaftlichen Aufstieg. Einmal eine Unberührbare, immer eine Unberühr­bare. Doch Smita möchte sich nicht damit abfinden. Sie wünscht sich für ihre Tochter Lalita eine bessere Zukunft. Lalita soll zur Schule gehen und eine Ausbildung absolvieren können. Dafür setzt Smita alles aufs Spiel.

In Italien, genauer auf Sizilien, lebt Giulia. Sie arbeitet in der Perückenfabrik ihres Vaters. Als ihr Vater schwer erkrankt, übernimmt sie die bankrotte Fabrik. Um die Firma zu retten, beschliesst Giulia, Haare aus Indien zu importieren.

Im kanadischen Montreal wiederum erkrankt die erfolgreiche Anwältin und alleinerziehende Sarah an Krebs. Sie, die immer für ihren Job und ihren Beruf gelebt hat, wird plötzlich aus der Bahn geworfen. Dank einer aus Sizilien importierten Perücke aus indischen Haaren schöpft sie wieder Lebensmut.

Drei Frauen von drei unterschiedlichen Kontinenten verbindet eines: die Willenskraft und den Mut, etwas in ihrem Leben zu verändern. Ergreifend und kunstvoll flicht Laetitia Colombani aus den drei aussergewöhnlichen Geschichten einen prachtvollen Zopf.

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