Buchtipp «Alte Sorten» von Ewald Arenz

Buchtipp von Yvonne Rüegg, Bibliothekarin Zumikon.

Im Spätsommer begegnen sich das junge Mädchen Sally und die wortkarge Bäuerin Liss, Mitte vierzig, zum ersten Mal. Liss ist zwischen den Weinstöcken mit dem Anhänger ihres Traktors im Graben gelandet und stecken geblieben. Mit aller Kraft versucht Liss, den Anhänger aus dem Graben zu befreien und bemerkt, dass sie dies ohne fremde Hilfe nicht schaffen kann.

Da sieht die Bäuerin ein junges Mädchen zwischen den Weinstöcken entlanglaufen. Sie zögert nicht lange und fragt die siebzehnjährige Sally: «Kannst du eben mit anfassen?» Von dieser direkten Frage überrumpelt, hilft das junge Mädchen tatsächlich. Nachdem der Traktor mit dem Anhänger wieder fahrbereit ist, bietet die alleinstehende Bäuerin Sally eine Übernachtung auf ihrem Hof an. Sally nimmt dieses Angebot zögerlich an. Aus einer Nacht werden Wochen. Sally ist aus einer Klinik abgehauen. Alle möchten sie zum Essen zwingen, doch Sally will weg von den Menschen, die sie nicht so akzeptieren, wie sie ist.

Das junge Mädchen gewöhnt sich rasch an das ruhige Landleben. Keine Gespräche, keine Besucher und der Bäuerin geht sie meistens aus dem Wege. Sally hilft nur dann, wenn Liss sie dazu auffordert anzupacken und manchmal wirft sie auch trotzig alles hin. Sally spürt, dass Liss von den Dorfbewohnern gemieden wird, und sieht, dass die Bäuerin nicht immer alleine auf dem Hof gelebt hat.

Zwei einsame Aussenseiterinnen lassen sich langsam aufeinander ein und es beginnt eine zerbrechliche Freundschaft. Die beiden Frauen erfahren nach und nach von den Verletzungen und Enttäuschungen, die sie erlebt haben.

Das Buch nimmt den Leser mit ins Landleben. Eine Geschichte über Freundschaft, das Leben und vieles mehr. Ewald Arenz bereitet mit diesem Roman einige wunderschöne Lesestunden.

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