«Hör mir zu, auch wenn ich schweige» von Abbie Greaves

Buchtipp von Barbara Hugi-Jung, Bibliothekarin Gemeinde- und Schulbibliothek Zumikon

Frank spricht nicht mehr mit Maggie. Und das seit sechs Monaten. Nur er kennt den Grund für sein Schweigen. Als Maggie schliesslich keinen Ausweg mehr sieht, versucht sie, sich das Leben zu nehmen. Doch Frank findet sie im letzten Moment. Maggie liegt fortan im künstlichen Koma. Nur Frank kann sie mit seinen Worten vielleicht zurück ins Leben holen. Und so bricht er endlich sein Schweigen und beginnt, der bewusstlosen Maggie die gemeinsame Geschichte ihrer grossen Liebe zu erzählen.

Maggie und Frank führen oberflächlich betrachtet seit vierzig -Jahren eine glückliche Ehe. Als jedoch ihre einzige und über alles geliebte Tochter Elli nach einer traumatischen Erfahrung in die Drogensucht abrutscht und schlussendlich am Leben scheitert, zerbricht die Welt der hilflosen Eltern. Maggie und Frank fallen beide in ein tiefes Loch, gehen jedoch mit ihrer Trauer sehr unterschiedlich um. Jeder für sich wird innerlich von Schuldgefühlen zerfressen, zieht sich immer mehr vom anderen zurück, bis Maggie einfach nicht mehr kann.

In dieser bewegenden Geschichte erzählt zuerst Frank, wie er seine Ehe und Familie wahrnimmt. In der zweiten Hälfte kommt Maggie durch ihren Abschiedsbrief zu Wort. Die Autorin Abbie Greaves hat in ihrem Erstlingswerk den Perspektivenwechsel und die Zusammenführung der beiden Seiten sehr gut gelöst. Maggie und Frank wachsen einem unglaublich schnell ans Herz, man leidet mit ihnen mit. Diese hoch emotionale Familiengeschichte hat mich tief berührt und nicht so schnell wieder losgelassen. Mein persönliches Fazit: Wie viel Leid kann vermieden werden, wenn Sorgen und Ängste offen angesprochen werden!

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