Zwei Todesfälle bewegen den Zollikerberg

Am Sonntag wurden zwei Jugendliche tot in einer Wohnung im Zollikerberg gefunden. Der Vorfall macht die Anwohnenden ebenso betroffen wie die teilweise aggressive Berichterstattung darüber.

Zollikerberg aus der Luft
Im Zollikerberg sind letzten Sonntag zwei Jugendliche zu Tode ­gekommen. (Bild: Adrian Michael)

Am vergangenen Wochenende hat sich in Zollikerberg eine Tragödie ereignet: Die Polizei hatte am Sonntagabend in einer Wohnung die leblosen Körper eines Mädchens und eines Jungen gefunden, beide 15-jährig. Die Beamten waren von einem 18-Jährigen Kollegen der beiden verständigt worden, der sich ebenfalls in der Wohnung aufgehalten hatte. Im Lauf dieser Woche sind immer mehr Details über den traurigen Vorfall bekannt geworden (siehe Box auf Seite 3).

Die Öffentlichkeit wurde am Montag über den Vorfall informiert. Obwohl die Polizei ein Gewaltdelikt schon von Anfang an ausgeschlossen hatte, war das Medieninteresse an dem Fall riesig. Trotz heftigen Regens reisten am frühen Montagmorgen diverse Zeitungs- und Fernsehreporter in den Zollikerberg, um sich ein Bild vor Ort zu machen. Ihr Verhalten sei von manchen ­ihrer Kunden als aufdringlich bis aggressiv empfunden worden, sagt Beatrice Tschudi, die im Kiosk Bahno­lino an der Forchbahnstation Zollikerberg arbeitet. «Während mehreren Stunden schwirrten Reporter mit Mikrofonen an der Station herum und fragten die Leute zu dem Vorfall aus», sagt sie. Einheimische seien gefragt worden, ob sie wüssten, wo sich der Vorfall genau ereignet habe oder ob sie Polizeisirenen gehört hätten. Ein Reporter ist sich offenbar auch nicht zu schade dafür gewesen, Jugendliche zu befragen, ob sie die Verstorbenen gekannt hätten.

Eine 13-jährige Zollikerin* berichtet, wie sie am späten Montagnachmittag mit einer Kollegin an der mit Absperrband versiegelten Wohnung vorbeigegangen sei. Die beiden Teenager hätten über den mysteriösen Fall diskutiert, als hinter ihnen «wie aus dem Nichts» ein Mann aufgetaucht sei. «Das war schon sehr creepy», erinnert sich das Mädchen. Er habe sich als Reporter von «20 Minuten» vorgestellt, jedoch ohne sich auszuweisen. Offenbar habe er ihr Gespräch belauscht und sie zu Dingen befragt, die sie gerade besprochen hätten. Danach sei noch ein zweiter Mann mit einem Mikrofon hinzugekommen. «Als wir weitergingen, hat uns der Reporter nachgerufen, dass er wisse, wer der Täter sei. Damit wollte er uns wohl neugierig machen, um an Informationen zu kommen.»

«Ich finde dieses Verhalten unprofessionell und skrupellos», sagt der Vater des einen Mädchens*. «Gerade in diesem Alter ist man sehr empfindlich. Darauf sollten auch Sensationsreporter Rücksicht nehmen.»

*Namen der Redaktion bekannt

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