Die Kunst, sich selber treu zu bleiben

Zoran Bozanic ist ein Mann mit Herzblut, der schon immer seinem Instinkt folgte. Heute ist der Wahl-Zolliker Fotograf, hat eine eigene Kreativagentur und führt das Online-Magazin «Zürich Kreis 8». Denn das Zürcher Seefeld ist für ihn so etwas wie sein erweitertes Wohnzimmer.

Zoran Bozanic ist im Seefeld als «Mr. Seefeld» bekannt.
Zoran Bozanic ist im Seefeld als «Mr. Seefeld» bekannt. (Bild: zvg)

Der schnellste Weg von Zollikon nach Zürich führt durch das Zürcher Seefeld. Das Quartier bietet heute weit mehr als nur eine Verbindung zur Stadt oder die gepflegte Seepromenade, die vom Bahnhof Tiefenbrunnen bis zum Bellevue führt. In den letzten Jahrzehnten hat es sich zu einem trendigen Viertel gewandelt mit einer Vielzahl an Gastroangeboten, schmucken Boutiquen und Galerien, aber auch sozialen und kulturellen Events. Einer, der dies miterlebt hat, ist Zoran Bozanic. Der 55-Jährige bewegt sich seit über 30 Jahren beruflich im Quartier und wird von vielen gar als «Mr. Seefeld» betitelt. Mit seiner Kreativagentur und dem Online-Magazin «Zürich Kreis 8» ist er hier fest verwurzelt. «Ich liebe das Seefeld. Es hat für mich trotz der Lebendigkeit auch eine gewisse Ruhe», findet er und fügt an: «Man kennt sich, begrüsst einander mit Namen. Wo sonst in Zürich gibt es das?» Und in der Tat: Jeder kennt den exzentrischen Serben oder hat zumindest von ihm gehört.

Von Belgrad nach Zollikon

Weniger bekannt ist Zoran Bozanic an seinem Wohnort. Denn so gerne er im Zürcher Seefeld arbeitet, so gerne wohnt er mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn in Zollikon. «Meine Frau ist hier seit über 20 Jahren als Primarlehrerin tätig, und für mich ist die Kombination Zollikon/Seefeld fantastisch.» Oft ist er mit seiner Hündin unterwegs im Dorf, geniesst die Spaziergänge zum Rumensee oder gönnt sich etwas Feines vom Beck Hausammann. «Wir fühlen uns extrem wohl hier», sagt der gebürtige Belgrader, der 1974 im Alter von acht Jahren in die Schweiz kam. «Aufgewachsen bin ich in Zürich-Affoltern. Ich war ein lebhafter Junge, der nicht einfach zu zähmen war, wurde aber von Anfang an gut aufgenommen, hatte tolle Nachbarn und Lehrer, eine unbeschwerte Jugend», erinnert er sich. Er entschied sich für eine kaufmännische Ausbildung im Hotelfach, schloss diese im Alter von 20 Jahren ab und lebte danach drei Jahre in Genf. Nach einem Abstecher nach Kalifornien zog er zurück nach Genf und wieder nach Zürich, wo er sich Arbeit in der Finanzbranche suchte. Er fand eine Anstellung bei einer Bank, bildete sich im Handel von Wertpapieren weiter, erhielt eine Stelle bei einem kleinen japanischen Broker. «Es lief eine Zeit lang sehr gut, doch ich merkte, dass der Handel mit dem Geld anderer nicht mein Ding war.» Also orientierte er sich neu, gründete Mitte der 90er-Jahre eine Firma für Personalrekrutierung und realisierte erstmals, wie sehr er den persönlichen Kontakt mit Menschen auch im Berufsalltag schätzte. Webseite und Firmenauftritt gestaltete er selbst, erhielt dafür viel Zuspruch und immer mehr Anfragen, eine solche auch für andere zu gestalten. «Ich nahm mehr und mehr Aufträge an, die ich übers Wochenende abarbeitete – und mich darauf viel mehr freute als auf meine Arbeit unter der Woche.»

Sprachrohr für das Quartier

Also brachte sich Zoran Bozanic das Fotografieren bei und gründete 1997 die Agentur «DesignLabor». «Meine Stärken liegen in der Kommunikation, in der Begeisterung und im Zusammenbringen von Menschen», beschreibt sich der Wahl-Zolliker. Das Erarbeiten passender Konzepte für seine Kunden sei das Abwechslungsreiche und Spannende an seiner täglichen Arbeit. «Wenn ich mich nur noch für eine Sache begeistern dürfte, wäre es die Fotografie», sagt Zoran Bozanic überzeugt. Sie gibt ihm, wie er sagt, innere Befriedigung. «Vor allem Menschen zu fotografieren, ist für mich extrem spannend.» Sein Credo ist es, am Set die richtige Energie zu schaffen, denn nur so sei es möglich, das Beste aus der jeweiligen Begegnung herauszuholen. «Für mich ist ein Fotoshooting immer Teamarbeit.» Sein Flair für Menschen, sein Talent, diese zu begeistern, und sein Gespür dafür, was die Menschen wollen, brachte ihn 2014 dazu, das Online-Magazin «Zürich Kreis 8» zu gründen. «Unser Ziel ist es, das Angebot im Seefeld zu erkennen, zu stärken und nach aussen zu tragen. Wir sind sozusagen ein Sprachrohr für das Quartier.» Für ihn ist das Seefeld zeitlos, von der viel thematisierten «Seefeldisierung» hält er nicht viel. «Natürlich geniesst das Quartier heute eine gewisse Beliebtheit, was ich vor allem auf das vielfältige Angebot an Gastronomie, Lifestyle und Mode zurückführe. Man kommt schnell ins Gespräch, tauscht sich aus, kennt sich gegenseitig. Die Vielfalt, die hier herrscht, gibt es in den wenigsten Zürcher Quartieren.» Dem Team von «Kreis 8» ist es allerdings wichtig, nur über Angebote und Produkte zu berichten, hinter denen es stehen könne.

Nebst den etablierten Grössen im Seefeld umgibt sich Zoran Bozanic gern auch mit jungen Menschen. «Ich finde es fantastisch, jungen kreativen Leuten zu begegnen – und unterstütze diese gerne.» Seine Agentur hilft Start-ups oft kostenlos beim Auftritt, kümmert sich um das Branding, um Texte, um die Präsenz auf Social-Media.

Vorbild für die Jungen

Der Mann der Taten ist heute durch und durch Familienmensch und findet es wichtig, Vorbild für Junge zu sein. «Unser Sohn Moreno wird dieses Jahr zwölf. Hätte ich damals gewusst, wie schön es ist, Kinder zu haben, hätte ich wohl drei oder vier davon», lacht er. Und wird beim Gedanken an die Zukunft plötzlich nachdenklich. «In dieser schnelllebigen Welt fehlt es mir oft an Substanz.» Vieles sei oberflächlich, niemand nehme sich mehr die Zeit, sich gründlich mit etwas auseinanderzusetzen. Viele Junge würden sich orientierungslos fühlen und den Boden verlieren. «Manchmal frage ich mich, nach welchen Werten wir heute leben, welche fragwürdigen Vorbilder durch die grossen Plattformen geboten werden.» Von zentraler Bedeutung sei doch, dass die Jungen Vorbilder hätten , an denen sie sich orientieren könnten. Oder mit den Worten von Zoran Bozanic: «Menschen, die ihnen zeigen, wie wichtig es ist, sich selbst treu zu bleiben.»

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