«Letztlich ist es nur Gewohnheit»

Als Massnahme gegen die steigenden Corona-Fallzahlen herrscht in den Läden des Kantons Zürich seit gestern Maskenpflicht. Wir haben uns bei Ladenbetreibern in Zollikon und Zumikon umgehört.

Zwei Personen mit Schutzmaske im Veloshop.
Mindestens bis 30. September gilt die Maskenpflicht in Läden. (Bild: ab)

Das Müller Reformhaus in Zollikon hat sich vorbildlich auf die Maskenpflicht vorbereitet. An der Kasse ist seit langem eine Trennwand installiert, bei Beratungen tragen die Angestellten seit gestern eine Maske. Grundsätzlich werden Kunden, die künftig ohne Maske das Geschäft betreten, darauf aufmerksam gemacht. Falls jemand seine Maske vergessen hat, wird ihm eine zur Verfügung gestellt. «Wir wollen, dass sich unsere Kunden wohlfühlen», sagt Reformhaus-Mitarbeiter Aaron Ruckstuhl. «Als Gesundheitsgeschäft haben wir selbstverständlich eine Vorbildfunktion. Wir pflegen zudem eine enge Kundenbindung und können es uns nicht leisten, Kunden zu verlieren.»

Auch der Velo-Shop Vonäsch hat sich gut auf die Situation eingestellt. «Das Schutzkonzept mit den Sicherheitsabständen und Hygienemassnahmen besteht ja schon lange», sagt Inhaber Roger Vonäsch. «Nun sind halt noch die Masken dazugekommen.» Viel Verständnis zeigen die Mitarbeiter von Alfons’ Blumenmarkt in Zollikon. «Wir finden es sehr gut, dass die Kunden eine Maske tragen müssen. Damit sind wir und auch die Kunden geschützt», sagt Silvia Taugwalder. «Letztlich ist es doch nur Gewohnheit.»

«Nicht besonders angenehm»

Andrea Leu vom Blumenladen Verdissimo im Zollikerberg nimmt es gelassen. Das Schutzkonzept mit Sicherheitsabstand, Desinfektionsmittel usw. sei ja schon länger vorhanden, jetzt müsse man halt noch eine Maske aufsetzen. «Wir nehmen es, wie es kommt», sagt sie. «Das müssen wir wohl alle zurzeit.» Jean Kratzer von der Metz­gerei Kratzer ist wenig erfreut, dass er jetzt neuneinhalb Stunden mit einer Maske im Geschäft verbringen muss. Viele seiner Kunden würden schon länger Masken tragen, wenn sie in sein Geschäft kommen. «Oftmals ist es schwierig, die Kundenwünsche zu verstehen», sagt der Inhaber des Familienunternehmens. «Manchmal muss man mehrmals nachfragen, was nicht besonders angenehm ist.»

Chris Hengmith von Zumiker Optik hält die Maskenpflicht in einem kleinen Laden wie dem seinen nicht unbedingt für notwendig. «Ich bitte meine Kunden auf meiner Webseite ohnehin schon lange, ­einen Termin zu vereinbaren, damit nicht zu viele Personen gleichzeitig im Geschäft sind.» Zugleich hat er Verständnis dafür, dass der Kanton nicht jedem Kleinbetrieb eine individuelle Lösung anbieten kann. Jedenfalls stehen für seine Kundschaft genügend Masken zur Verfügung. «Ich kann mir schon vorstellen, dass die Massnahmen einige Kunden abschrecken und sie ihr Vorhaben, eine neue
Brille zu kaufen, auf einen späteren Zeitpunkt verschieben», sagt der Optiker. «Zudem sind die Masken für Brillenträger nicht ideal, weil die Gläser sich durch die Atemluft gerne beschlagen.»

Aus der Not eine Tugend gemacht

«Alle anderen Länder haben die Maskenpflicht in den Läden schon, jetzt ist es bei uns halt auch so.» Das sagt Claudia Bürkli vom Accessoire-Shop Regalino in Zumikon. «Ein bisschen schade ist nur, dass man die Mimik der Kunden nicht mehr erkennt. Und für das Personal kann es mühsam werden, die ganze Zeit eine Maske aufzu­haben.» Doch Claudia Bürkli hat aus der Not eine Tugend gemacht. «Wir haben selbstgemachte ‹Chetteli› für die Masken im Sortiment. Daran lässt sich die Maske wie eine Brille befestigen. Will man sie zwischendurch mal ausziehen, kann man sie bequem auf der Brust hängen lassen.»


Maskenpflicht im Kanton

Weil die Corona-Ansteckungen gestiegen sind, besteht jetzt Maskenpflicht in den Läden, nicht aber auf Wochenmärkten. Sie gilt seit gestern und dauert mindestens bis zum 30. September. Dann wird der Zürcher Regierungsrat über neue Regeln bestimmen.

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