Schule in Zeiten von Corona

Simone Hürlimann hat die Leitung der Sekundarschule zu einem schwierigen Zeitpunkt übernommen. Sie blickt auf ein turbulentes Halbjahr zurück, das auch mit Positivem aufzuwarten hatte.

Simone Hürlimann leitet seit einem halben Jahr die Sekundarschule Buechholz. (Bild: zvg)

Seit März leitet Simone Hürlimann die Sekundarschule Zollikon-Zumikon. März? Moment, da war doch was. «Bei meinem Stellenantritt hatte ich nicht damit gerechnet, dass die Schulen kurz darauf geschlossen werden», erinnert sich die 39-Jährige. «Ich war ganz neu, kannte noch niemanden und hatte genau zwei Wochen Zeit, mir die Namen und Gesichter einzuprägen – dann waren alle weg.» Es habe sich im Nachhinein als klug erwiesen, dass sie gleich am Anfang viele Kennenlern-Gespräche geführt habe. Danach stand sie mit ihren Mitarbeitenden hauptsächlich über Microsoft Teams in Kontakt. «Das hat eigentlich alles gut funktioniert.»

Simone Hürlimann teilt sich die Schulleitung mit Norman Rogger Giger, der neben ihrem 100-Prozent-Pensum zu 30 Prozent als Schulleiter beschäftigt ist. «Neben der Planung des neuen Schuljahrs, für welches noch Stellen zu besetzen waren, bestand meine Aufgabe in der Zeit des Lockdowns vor allem darin, mich mit dem Lehrpersonal auszutauschen und für eine klare Kommunikation und eine einheitliche Handhabung zu sorgen.» Das Schulhaus Buechholz, das im Zentrum von Zollikon liegt, besuchen auch die Sek-Schülerinnen und -Schüler aus dem Zollikerberg und aus Zumikon. Glücklicherweise hatte Simone Hürlimanns Amtsvorgänger Stefano Caflisch vor eineinhalb Jahren eingeführt, dass alle rund 250 Schülerinnen und Schüler über ein Tablet verfügen. Mit der Software Microsoft Teams kann man sich als Klasse und Dokumente wie Hausaufgaben hoch- und runterladen. «Mit diesen Voraussetzungen konnte der Unterricht vom ersten Montag nach der Schliessung eigentlich nahtlos weitergeführt werden», sagt Simone Hürlimann. «Wenn sich etwas Positives aus der Krise ziehen lässt, so war es der Umgang mit dieser neuen Form des Unterrichts, der sowohl den Lehrpersonen als auch den Schülerinnen und Schüler gutgetan hat.» Für letztere sei es ein Schritt zu mehr Selbstständigkeit gewesen. Die Schulleiterin ist überzeugt: «Alle haben dazugelernt und einiges profitiert.»

Nichtsdestotrotz bedeutete der Lockdown vor allem für die Lehrpersonen einen grossen Mehraufwand. Dadurch, dass sie die Klasse nicht im Plenum unterrichten konnten, mussten sie kontrollieren, ob alle anwesend sind, mit jedem einzelnen kommunizieren und Schüler betreuen, die Schwierigkeiten mit den Aufgaben hatten. «Diese Zeit hat zudem gezeigt, dass der Austausch, die sozialen Kontakte und die Zusammenarbeit im Klassenverband nach wie vor sehr wichtig sind und auch deutlich gefehlt haben.»

Die richtige Balance finden

Auf die Fernunterrichtsphase folgte im Mai die erste Lockerungsmassnahme in Form von Halbklassenunterricht. Das sei für sie vor allem eine organisatorische Herausforderung gewesen, erzählt Simone ­Hürlimann. Sie habe die richtige Balance zwischen Lehrpersonen, Klassen, Fächern, Unterrichtsstunden und -räumen finden müssen. Waren die Stundenpläne einmal ­fixiert, habe diese vierwöchige Phase gut funktioniert.

Inzwischen hat sich der Schulbetrieb normalisiert – soweit das im Corona-Jahr möglich ist. «Wir versuchen so gut wie möglich, den Alltag aufrecht zu erhalten», sagt Simone Hürlimann. Auch hier gehe es darum, die richtige Balance zu finden zwischen dem Einhalten der Schutzmassnahmen und der Durchführung von Anlässen, die das Schuljahr prägen: Klassenlager, Sporttage, Projekttage etc. Nachdem im Frühling alle geplanten Veranstaltungen abgesagt worden sind, hat das Volksschulamt – wohl auch auf Druck einiger Schulen – vor den Sommerferien gewisse Anlässe wieder erlaubt. «Gerade für Klassen, die kurz vor dem Abschluss stehen, ist es wichtig, nochmals gemeinsam einen Ausflug oder eine Reise zu unternehmen. Dass so etwas auch bei uns wieder möglich war, fand ich schön», sagt die Schulleiterin. Mittlerweile dürfen Lager mit dem nötigen Schutzkonzept wieder stattfinden. Letzte Woche sei eine Klasse eine Woche lang in Obersaxen gewesen: «Bei schönstem Wetter, alle haben es genossen.» Für Ende September sei ein Sporttag im Freien geplant, der ursprünglich schon im Frühling hätte stattfinden sollen. «Wir planen den Tag nun so, dass er mit Schutzkonzept durchgeführt werden kann.»

Keine Lust auf zweiten Lockdown

Trotz ihres schwierigen Starts in Zollikon strahlt Simone Hürlimann, die seit zehn Jahren mit ihrem Partner in Küsnacht lebt, Zuversicht aus. In ihrer Funktion als Schulleiterin hat sie keine Angst vor einem zweiten Lockdown. «Wie schon beim ersten Mal wären wir gut vorbereitet, doch glaube ich nicht, dass jemand Lust darauf hat, wieder so lange zu Hause zu bleiben.» Also versuche man, eine erneute Schulschliessung zu vermeiden. Es gilt ein Schutzkonzept, an das sich alle halten müssen. «Weil die Abstandsregel im Alltag nicht immer einfach zu befolgen ist, werden nun die Erwachsenen in den Schulgebäuden Masken tragen. Auch die Schülerinnen und Schüler dürfen selbstverständlich Masken tragen, gerade in der Sekundarschule tun dies auch immer mehr.»

So wie das letzte Halbjahr ist auch Simone Hürlimanns Werdegang nicht geradlinig verlaufen. Auf­gewachsen in der Ostschweiz, ­wollte die junge Frau ursprünglich Krankenschwester werden. Nach Schnupperpraktika hat sie sich umentschieden und liess sich zur Dentalassistentin ausbilden. Dies war aber nicht der Beruf, den Simone Hürlimann längerfristig ausüben wollte, und so absolvierte sie berufsbegleitend die Maturitätsschule für Erwachsene. Ihr Ziel war Lehrerin an einer Berufsschule, doch es verschlug sie nach Abschluss der Pädagogischen Hochschule an eine Sekundarschule in der Stadt Zürich. «Frisch ab Presse geriet ich an eine ziemlich anspruchsvolle Klasse», sagt Simone Hürlimann.

Erst nach dem Wechsel an die Privatschule «Allegra – Sprache und Integration» fühlte sie sich wohl. «Hier unterrichtete ich neu in die Schweiz gezogene Kinder in Deutsch als Zweitsprache und war als Schulleiterin für die verschiedenen Kurse zuständig.» Zwischenzeitlich absolvierte sie die Ausbildung zur Schulleiterin und übernahm zunehmend weitere operative Aufgaben. Nun schreibt sie gerade an ihrer Abschlussarbeit für den MAS Business Innovation. «Nach gut acht Jahren an der Allegra war es wieder einmal Zeit für einen Tapetenwechsel.» Dieser geschah im vergangenen März in Zollikon, womit sich der Kreis schliesst.


Eine weitere Sekundarklasse in Quarantäne

Anfang September wurde eine 3. Sekundarklasse an der Schule Buechholz in Quarantäne geschickt, weil zwei Schüler positiv auf Corona ­getestet wurden. Diese Woche musste eine weitere Klasse bis Ende Woche zu Hause bleiben. Das Volksschulamt schreibt derzeit folgendes vor: Werden zwei oder mehr Kinder innerhalb von zehn Tagen positiv getestet, muss die Klasse in Quarantäne. Lehrpersonen trifft es nur dann, wenn sie keine Maske getragen haben oder den Abstand zu den Schülerinnen und Schülern während 15 Minuten oder länger nicht eingehalten haben. Daher ist die Maske für die Lehrpersonen so wichtig. Die Quarantäne dauert ab dem letzten Kontakt mit einem erkrankten Kind zehn Tage. Klassen, die sich in Quarantäne befinden, werden wie in Zeiten des Fernunterrichts via Microsoft Teams unterrichtet. (chi)

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