60 000 Franken für Graffiti-Entfernung

Der Gemeinderat Zollikon sprach einen Kredit, um gegen Schmierereien im öffentlichen Raum vorzugehen. Auch wenn das Ziel noch in der Ferne liegt, ist für Bauvorsteher Martin Hirs damit ein erster Schritt getan.

Die Dichte an Graffiti auf Gemeindegebiet hat in letzter Zeit zugenommen – dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man bestimmte Routen einschlägt und das Augenmerk auf die vielen Zeichnungen, Tags oder Fussball-Logos richtet, die an Mauern, auf Stromkästen oder in Unterführungen prangen. Auf politischer Ebene ist das Problem längst bekannt, doch hat man lange um eine einheitliche Lösung gerungen. «Das Thema Graffiti beschäftigt mich seit Beginn meiner acht Jahre im Gemeinderat», sagt Bauvorsteher Martin Hirs. Sprayereien zu entfernen sei teuer und die Handhabung der involvierten Abteilungen sehr unterschiedlich. Das ­Bedürfnis nach einer einheitlichen Praxis bei konsequenter Entfernung sei mehr und mehr gewachsen. «In der Gemeinderatssitzung von letzter Woche ging es darum, in dieser Sache ein gemeinsames Vorgehen zu definieren.»

Das Resultat liegt nun in Form eines Kredits von 60 000 Franken vor. Der Betrag werde als separater Budgetposten geführt und solle die Bevölkerung daran erinnern, dass Graffiti-­Entfernung etwas koste, erklärt Martin Hirs. Die Höhe des Betrags beruhe auf einer Schätzung. «Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Umsetzung liegt nun zu einem grossen Teil in meiner ­Abteilung.» Ein Ansatz, den Kredit sinnvoll zu nutzen, könnte zum Beispiel sein, vierteljährlich durch die Gemeinde zu gehen und Graffiti und Tags zu entfernen. «Man darf nicht vergessen, dass die Manpower der Gemeindeverwaltung beschränkt ist und die Mitarbeitenden noch anderes zu tun haben, als jede Woche Graffiti wegzuputzen.» Nach Dafürhalten des Bauvorstehers ist der gesprochene Betrag zudem eher zu knapp bemessen.

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass die meisten Unterführungen – bei Sprayern besonders beliebt – gar nicht der Gemeinde, sondern dem Kanton gehören. Dieser wäre zuständig für deren Instandhaltung. Doch in der Regel werde von dieser Seite wenig bis gar nichts unternommen, weiss Martin Hirs. «Entfernen wir Schmierereien in kantonalen Unterführungen mit eigenen Geldern, werden wir natürlich versuchen, die Ausgaben vom Kanton zurückzufordern.»

Broken-Windows-Theorie

Obwohl der «Graffiti-Kredit» nun ­gesprochen sei, dürfe in der Bevölkerung nicht der Eindruck entstehen, dass die Gemeinde alle Graffiti laufend wegputzen könne. Der Gemeinderat wolle aber seinen Beitrag für ein wohnliches Zollikon und ein positives Sicherheitsempfinden leisten. Nach der sogenannten Broken-Windows-Theorie führen nicht behobene Sachbeschädigungen zu immer weiteren Beschädigungen. «Das wollen wir um jeden Preis verhindern», betont Martin Hirs. Nicht zuletzt sei der Gemeinderat auch für eine konsequente Strafverfolgung der Täterschaft. Alle Sachbeschädigungen an öffentlichem Eigentum würden angezeigt. Der Bauvorsteher ist überzeugt: «Die abschreckende Wirkung, die ein Eintrag im Strafregister haben kann, ist nicht zu unterschätzen.»

Appell an Eigenverantwortung

Die Forderung nach Überwachungskameras in Unterführungen, um Sprayer fernzuhalten, ­werde immer wieder an den Gemeinderat herangetragen. Gemäss Martin Hirs ist das jedoch datenschutzrechtlich problematisch und zudem technisch und finanziell sehr aufwendig. «Auch bin ich grundsätzlich kein Freund von Überwachung und appelliere an die Eigenverantwortung.»

Einen vorbildlichen Umgang mit dem Graffiti-Problem pflegt die Forchbahn AG. Sie ist Besitzerin der Unterführung beim Spital Zollikerberg. Bei deren Sanierung wurde darauf geachtet, Graffiti durch bauliche Massnahmen zu verhindern. Der Einsatz von Streckmetall, das Öffnungen in der Oberfläche enthält, lässt Sprayereien gar nicht zu. «Das könnte auch für uns ein nächster Schritt sein. Auch die Begrünung von Mauern und Wänden kann Sprayer von ihrem Tun ab­halten.» Solche Massnahmen seien längerfristig wohl auch billiger als die ­Sisyphusarbeit, laufend neue Graffiti zu entfernen. «Für bauliche Lösungen fehlt uns noch das Know-how», gibt Martin Hirs zu. «Unser Ziel ist klar, auf dem Weg dorthin braucht es noch die eine oder andere Justierung. Deshalb bitten wir die Bevölkerung um etwas Geduld.»

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