Ein Tag im Leben … eines Grafikers

In unserer neuen Rubrik «Ein Tag im Leben …» stellen wir verschiedene Berufe vor. Heute erzählt Ivan Navarro von seinem Arbeitsalltag als selbstständiger Grafiker.

Portrait Ivan Navarro
Der Arbeitsalltag eines Grafikers ist vielfältig und kreativ. (Bild: zvg)

«Mein Tag sieht nie gleich aus», beginnt Ivan Navarro zu erzählen. «Denn das Berufsfeld eines Grafikers ist sehr breit.» Müsste er seine Arbeit aber in ­einem Satz zusammenfassen, würde er sie so beschreiben: «Meine Aufgabe ist es, zu visualisieren, was andere als Idee im Kopf haben.» Das kann die Gestaltung einer neuen Webseite sein, ein Design für Drucksachen wie Broschüren oder Flyer oder ein Logo für eine Firma. Sie beginnt mit der Idee des Kunden, die dann Schritt für Schritt Form annimmt. «So gesehen ist die Grafik ein Handwerk wie viele andere auch. Ein Schneider beispielsweise erhält den Auftrag für einen Anzug, fertigt diesen an und nimmt im Austausch mit dem Kunden die nötigen Änderungen vor, bis alles passt», erklärt er.

Dafür sei einerseits viel Kreativität gefragt sowie die Lust, auszuprobieren und sich täglich mit Farben und Formen auseinanderzusetzen, andererseits übernehme ein Grafiker heute auch viel konzeptionelle Denkarbeit. Damit der Beruf Spass mache, brauche es also ein Interesse daran, Kreativität auszuleben und auch viel am Computer zu sitzen, sagt der Kreativschaffende und lacht. Denn der Umgang mit den gängigen Programmen wie Photoshop und Co. sei in der digitalisierten Welt die Basis für das Ausüben dieses Berufs.

Weg zur Selbstständigkeit

Der gelernte Polygraf arbeitete nach seiner Ausbildung einige Jahre als angestellter Grafiker bei einer Zürcher Kreativagentur, während er in seiner Freizeit immer wieder kleinere Aufträge für sein privates Umfeld realisierte. Im jungen Alter von 26 Jahren fasste er den Entschluss, sich selbständig zu machen. «Das war nie ein spezifischer Traum von mir, sondern hat sich einfach ergeben», erklärt der Zolliker. Und was ist der grosse Unterschied zu einer Anstellung? «Der Kundenkontakt ab dem ersten Schritt: Kundenakquise, Aufträge reinholen, Preisverhandlungen. Alles Dinge, die du als Angestellter in den meisten Fällen nicht machen musst», antwortet er. Deshalb müsse er auch ein guter Berater sein, ein Gespür für Kompromisse haben, wo sie aufgrund limitierter finanzieller oder zeitlicher Ressourcen nötig seien. Wichtig sei auch, sich bei Meinungsverschiedenheiten mit dem Kunden auszutauschen, hinter Entscheidungen zu stehen und diese begründen zu können. «Ich versuche einfach, immer das Beste aus einer gegebenen Situation herauszuholen», erklärt Ivan Navarro diesen Prozess.

Auch die Fotografie sei heute ein wichtiger Bestandteil des Repertoires eines kompetenten Grafikers, denn heute wünschten die meisten Kunden alles aus einer Hand. Da sei es naheliegend, dass man das Bild- und Filmmaterial, mit dem man ein Konzept erarbeitet, gleich mitliefern könne. Deshalb hat sich Ivan Navarro über die Jahre das Fotografieren und Filmen selber beigebracht, Kurse besucht, Weiterbildungen absolviert. Inzwischen bildet er selber junge Menschen darin aus und zeigt ihnen gleichzeitig, wie sie als Freischaffende eigenständig Aufträge an Land ziehen können. «Wir sind wie eine kleine Familie, die sich gegenseitig ergänzt, was uns ermöglicht, gemeinsam auch grössere Aufträge anzunehmen.» Ivan Navarro nennt sie liebevoll «Kreativwerkstatt». Denn wenn eines wichtig sei im Arbeitsalltag eines Grafikers, dann sich stetig mit anderen Kreativen auszutauschen, unterschiedliche Perspektiven zu erhalten und voneinander zu lernen.

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