«Ciao Corona»-­Studie: Keine Häufung von Infektionen an Schulen

Die Universität Zürich hat bei 2500 Kindern im Kanton getestet, ob sie sich zwischen dem Lockdown und Anfang Juni 2020 mit Covid-19 infiziert haben. Zu den insgesamt 55 teilnehmenden Schulen gehören auch Zollikon und Zumikon. Jetzt sind erste Ergebnisse der Studie veröffentlicht worden.

Die Mitarbeiter von «Ciao Corona» entnehmen den Probanden Blut. (Bild: zvg)

Auf hundert getestete Klassen im Kanton gab es 67 Klassen mit keiner einzigen Ansteckung, 29 mit einer Ansteckung, drei Klassen mit zwei Ansteckungen und eine Klasse mit drei Ansteckungen. Gerade einmal 2,8 Prozent der kantonsweit 2500 getesteten Schülerinnen und Schüler weisen Antikörper auf. Je nach Gemeinde und Schule schwanken die Zahlen zwischen 1,0 und 4,5 Prozent. Diese ersten Erkenntnisse stützen die bisherige Annahme der Forschenden, dass sich Kinder kurz nach Wiedereröffnung kaum in der Schule infizierten, sondern eher im familiären Umfeld. Weiterhin wurde evaluiert, dass der Anteil Kinder mit einer durchgemachten Infektion ähnlich gross ist wie bei den ausgewählten ebenfalls getesteten Erwachsenen. Auch Geschlechterunterschiede wurden nicht festgestellt. Mädchen und Jungen sind gleichermassen betroffen.

An der Zolliker Primarschule Oescher wurden 73 Kinder der ­Unter-­ und Mittelstufe getestet. ­Gemäss den Auswertungen des ­Studienteams hatte keines von ihnen nachweisbare Antikörper im Blut. An der Zumiker Primarschule Juch haben 75 Kinder an der Studie teilgenommen. Ein Kind aus der Unterstufe und ein Kind der Mittelstufe sind dort positiv getestet worden.

Eine Häufung von Sars-­CoV-­2-Fällen innerhalb der Schulen liess sich laut dem Forschungsteam um Professorin Susi Kriemler nicht feststellen. Diese Beobachtung trifft auf alle 55 teilnehmenden Schulen zu.

Vor Bekanntgabe der ersten Studienergebnisse wurde den Eltern von mindestens zwei Kindern der Primarschule Zollikon ein schwach positives Ergebnis mitgeteilt, welches im Studienergebnis als negativ gewertet wurde. Aus dem Team der «Ciao Corona»-­Studie lässt Thomas Radtke verlauten, dass ein schwach positives Resultat verschiedene Gründe haben könne. «Beispielsweise kann es sein, dass sich ein Kind zwar mit dem neuen Coronavirus infiziert hat, allerdings so schwach, dass der Körper nur eine geringe Menge Antikörper produziert. Möglich ist auch, dass der Test auf Antikörper gegen ein anderes Coronavirus reagiert und das Kind gar nie mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen ist.» Laut Studienleitung wurde der in der Studie angewandte Test am Institut für ­Medizinische Virologie der Universität Zürich entwickelt. Der Test gilt als sehr gut validiert, jedoch sei kein Test perfekt und es könne in Einzelfällen falsch positive bzw. falsch negative Ergebnisse geben.

Die Studie geht nun in die nächste Phase. An den Zolliker und Zumiker Schulen wird die zweite Testrunde am 27. Oktober durchgeführt. Die Untersuchung derselben Kinder soll den Einfluss der Schule auf die Infektionsraten bei Kindern innerhalb der Schulen beleuchten. Aus den ursprünglich ausgewählten Klassen können alle Kinder mitmachen, auch diejenigen, die an der ersten Testrunde noch nicht teilgenommen haben. Weitere Tests bei Kindern, deren Eltern und dem Schulpersonal sind für das Frühjahr 2021 vorgesehen. Alle diese Testergebnisse sollen aufzeigen, ob und wie sich Sars­CoV-­2 in Schulen und Familien ausbreitet.


Studienablauf

Bei den Tests der «Ciao Corona»-­Studie werden Venenblut und Speichel von 2500 Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 16 Jahren an 55 zufällig ausgewählten Schulen im Kanton Zürich in drei Phasen auf Antikörper getestet: im Juni/Juli 2020, im Oktober/November 2020 und im März/April 2021. Via Online-­Fragebogen beantworten die getesteten Personen zudem alle zwei Monate Fragen zu Symptomen, Gesundheitszustand, präventivem Verhalten, Lebensstil und Lebensqualität. Die Teilnahme ist freiwillig. Im Herbst 2020 und Frühjahr 2021 wurden und werden auch die Eltern sowie das Schulpersonal getestet.

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