Kommt eine Käserei geflogen

Die Geschwister Lloyd und Aileen Zumstein schaffen mit «Monalp» neue Wege für die Älpler.

Lloyd und Aileen Zumstein bringen mit ihrem Start-up-Unternehmen die Container auf den Berg. (Bild: zvg)

Kommt der Prophet nicht zum Berg, macht sich eben der Berg auf den Weg. Frei nach diesem Motto handeln Aileen und Lloyd Zumstein, wobei sie allerdings wirklich zum Berg kommen und zwar mit ihrer mobilen Käserei. Dieses Start-up-Unternehmen haben Forstwart und Käser Patrick Peer und Forstwart Daniel Menzl angestossen. Die beiden Älpler bewirtschaften den Bärenboden auf der Glarner Alp Meeren, der auf 1800 Metern liegt und nur zu Fuss erreichbar ist. «Die beiden schaffen es locker in 25 Minuten, ich brauche 45 Minuten für den Anstieg», erinnert sich der Zumiker Lloyd Zumstein. Ein idealer Ort für Milchkühe. Anfangs haben Peer und Menzl die Milch noch zu Fuss oder per Maulesel ins Tal gebracht. «Bei den heutigen Milchpreisen lohnt sich das nicht; das war ökologisch und ökonomisch unsinnig», weiss Lloyd Zumstein. Eine andere Lösung musste also her. Nun kommt eine gemeinsame Freundin der Älpler und Investoren ins Spiel, die ein Ferienhaus nahe der Alp hat. Die Zollikerin berichtete von den engagierten Freunden, die Geschwister Zum­stein kamen vorbei und die Idee der mobilen Käserei war geboren. Mit dem Helikopter wurde der Prototyp auf den Berg geflogen.

«Cheesus» erfreut sich grosser Beliebtheit. (Bild: zvg)

Ehe es soweit war, wurde natürlich lange getüftelt überlegt und verworfen. «Wer mit Lebensmitteln arbeitet, muss hohe Standards erfüllen», erklärt Lloyd Zumstein, der Gründer der Monalp AG, die vergangenen November in Zumikon gegründet wurde. Die Container verfügen über eine Hygiene-Schleuse, über abwaschbare Wände, einen Kessel, Strom- und Wasseranschlüsse, Formen und Pressgewichte. Richtig ­gelesen: die Container. Denn mittlerweile ist ein zweiter dazu gekommen. Er steht auf der Berner Alp Nünenen. «Wir bringen nicht nur die Infrastruktur auf den Berg, sondern sorgen auch für Marketing und Verkauf. Das schätzen die Bauern besonders.» Zumstein war lange in der Touristik unterwegs und bringt ein gutes Netz mit. Der Käse namens «Cheesus» wird in Hotels, Restaurants und im Grosshandel verkauft. Auch in unserer Region ist er zu haben: im «Prima» in Zumikon und in der «Chäsbueb» Zollikon. «Wir ­haben in Zumikon angefangen und sind gleich auf grosses Interesse ­gestossen», erinnert sich Lloyd Zumstein.

Die mobilen Anlagen sind mit allem ausgestattet, was es für einen guten Käse braucht. (Bild: zvg)

Mit den zwei aktuellen mobilen Käsereien ist das Modell noch nicht ausgeschöpft. Der Bedarf ist gross, das zeigen Anfragen aus der gesamten Schweiz. Zumstein: «Viele Älpler haben eine veraltete oder gar keine Käse-Anlage oder arbeiten noch am offenen Feuer.» Er will die Milchwirtschaft weiter pushen. Zurzeit überlegt sich das Monalp-Duo weitere konzeptionelle Lösungen. «Wir möchten auch die jüngere Generation ansprechen und ihr diese Tradition nahe bringen.» Anfänge sind gemacht: In einer Pop-up-­Käserei in Burgdorf wurde interessierten Besuchern gezeigt, welche Prozesse ein Käse durchläuft, ehe er auf dem Tisch landet. Hier, im historischen Sandsteinkeller des Käsehauses K3, reift auch der Alpkäse. Und bei den Zumsteins reift mit Sicherheit die nächste Idee.

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