«Ich bin Journalist und hinterfrage Dinge»

Der Zolliker Journalist und Moderator Reto Brennwald hat auf eigene Kosten einen Film über die Corona-Krise realisiert. «Unerhört!» heisst der Dokumentarfilm, der die ­Pandemie aus einem Blickwinkel betrachtet, der nicht den gängigen Medienberichten entspricht.

Reto Brennwald
Der Journalist Reto Brennwald hat gerade viel zu tun. Sein Dokumentarfilm «Unerhört» feiert heute Premiere. (Bild: zvg)

Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über die Corona-Massnahmen zu realisieren?

Ich habe Corona und die getroffenen Massnahmen zu Beginn sehr ernst genommen. Abstand halten, Hände waschen, bei Bedarf auch eine Maske tragen, das war und ist für mich selbstverständlich. Zuerst hatten wir alle Angst vor dem Unbekannten. Später hat man gesehen, dass vor allem Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen dem Virus zum Opfer fielen. Dann kreisten viele Informationen in den Medien, die sich später als falsch herausstellten. Zum Beispiel hörte man von einem Säugling, der an Corona gestorben war und erfuhr erst viel später, dass er auch eine schwere Hirnerkrankung hatte. Nach dem Lockdown, so um Ostern herum, als die Krankenhäuser eben nicht überfüllt waren und sich unter anderem auch die Direktorin des Spitals Zollikerberg dafür ­aussprach, zum Normalbetrieb zurückzukehren, fragte ich mich, ­warum nichts in diese Richtung passierte. Die Pandemie war am Abklingen, das sah man am R-Wert, der besagt, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt. Der war bereits um Ostern herum bei eins. Das heisst, ein Infizierter steckt nur noch eine weitere Person an.

Für Ihren Film haben Sie Menschen getroffen, die stark von den Massnahmen betroffen waren. Wie haben Sie diese gefunden? Und welche Schicksale sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Wir haben über die sozialen Medien Menschen dazu aufgerufen, mit uns über ihre Erfahrungen mit den Corona-Massnahmen und der Krise zu sprechen. Dabei haben uns alle Aspekte interessiert. Die Resonanz war und ist riesig. Bis heute melden sich Menschen, die über ihre Erlebnisse sprechen wollen. Besonders in Erinnerung ist mir dabei eine Familie geblieben, die zwei behinderte Kinder hat, die in einem Heim leben. Während des Lockdowns durften die Eltern ihre Kinder nicht sehen. Diese haben das natürlich nicht verstanden und furchtbar gelitten. Solche Schicksale gehen sehr nah.

Corona polarisiert stark. Zweifelt man Massnahmen an, kann es passieren, schnell in die Ecke der Corona-Skeptiker gesteckt zu werden. Macht das Angst?

Ich bin Journalist, hinterfrage Dinge und setze mich mit kontroversen Fragen auseinander. Es ist wichtig, sich differenziert äussern zu dürfen, ohne schlecht gemacht zu werden. Ich bin kein Corona-Skeptiker und habe immer betont, dass es wichtig ist, sich gegen Corona zu schützen.

Welche Reaktionen haben Sie zum Film erhalten, von dem man bisher nur den Trailer kennt?

Es gab und gibt sehr viele Reaktionen. Ich habe den Film aus eigener Tasche finanziert und später über die Website ein Crowdfunding aufgezogen. Viele Leute haben daraufhin kleine Beträge eingezahlt, sodass jetzt ein beachtlicher Teil finanziert ist. Das Bedürfnis nach klaren, faktenbasierten Informationen zur Corona-Strategie ist sehr gross. Der Film kann das nicht alles leisten. Aber parallel dazu wurde von unabhängiger Seite die Plattform coronadialog.ch ins Leben gerufen. Da, und an Veranstaltungen soll ein sachlicher Austausch zum Thema stattfinden. Alarmismus oder Verharmlosung schaden nämlich der Diskussion. Der «CoronaDialog» präsentiert auch die Filmpremiere.

Ihr Film «Unerhört» hat heute Abend in der Dübendorfer Samsung Hall Premiere. Finden Sie den Zeitpunkt geschickt gewählt, jetzt da die Corona-Zahlen wieder steigen?

Ich kann mir vorstellen, dass der Film in einigen Augen zum falschen Zeitpunkt kommt. Deshalb habe ich die Premiere durch ein Podium ergänzt, zu dem auch ­Daniel Koch, der ehemalige ­Mr. ­Corona des BAG, erscheint. So hoffen wir, die Situation aufzufangen.

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