Stadtrat Wolff hat die Situation verharmlost

Strasse mit vier Fahrbahnen

Stadtrat Wolff hat die Situation verharmlost Zwei unter Verschluss ge­haltene Gutachten zur Bellerivestrasse bringen den Zürcher Tiefbauvorsteher in Bedrängnis.

Anfang September kündigte das Zürcher Tiefbauamt überraschend die Reduktion von vier auf zwei Fahrspuren an der Bellerivestrasse an. Im Rahmen eines halbjährigen Versuchsbetriebs sollten die beiden äussersten Spuren ab nächsten April für den Veloverkehr freigegeben werden. Der zuständige Stadtrat Richard Wolff berief sich auf zwei Verkehrsstudien, wonach das Verkehrsaufkommen an der Bellerivestrasse auch nach der Spurschliessung bewältigbar sei.

Am letzten Freitag veröffentlichte der Tages-Anzeiger Einblicke in die bislang unter Verschluss gehaltenen Studien. Würde das Vorhaben des Stadtrats umgesetzt, lautet der Befund einer der Studien, hätte das lange Rückstaus zur Folge. Betroffen wäre nicht nur der Individualverkehr, sondern auch der ÖV. Die zweite Studie sieht die Gefahr einer Verkehrsüberlastung insbesondere beim «Nadelöhr» Bellevue. Sie stellte ausserdem infrage, wie gross der Nutzen für den Veloverkehr durch das Experiment überhaupt sei.

Der Tiefbauvorsteher schweigt

Richard Wolff habe nicht persönlich zu den Studien Stellung nehmen wollen, schrieb der Tages-­Anzeiger vergangene Woche. Laut seinem Sprecher wolle der Stadtrat zuerst Gespräche mit Involvierten führen. Wie weit er damit gekommen ist, stand bis Redaktionsschluss nicht fest, da sich Richard Wolff noch immer nicht geäussert hat.

Die angekündigte Spurenschliessung sorgte im September bei Bezirksparteien, Gewerbevertretern und Anrainergemeinden für Ärger. Befürchtet wurde das Ausweichen des Verkehrs auf Quartierstrassen, insbesondere im Seefeld und in Zollikon. Viele Beteiligte fühlten sich zudem vom Vorgehen des Stadtrats brüskiert. «Wir sind enttäuscht, dass uns die Stadt nicht mehr in die Planungsprozesse einbezogen hat», sagte der Zolliker Gemeindepräsident Sascha Ullmann im Zolliker Zumiker Boten (Ausgabe vom 11. September). Auto- und Gewerbeverbände hatten die weitere Zusammenarbeit an dem Beteiligungsverfahren aus Protest aufgekündigt.

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