Ein Kriminalfall in Zumikon

Als Ersatz für ausgefallene Feste gibt der Gemeinderat einen Krimi rund um das Juch in Auftrag.

Andreas Giger schreibt für die Gemeinde Zumikon einen Krimi rund um das Juch. (Bilder: Archiv/zvg)

Die Liste der wegen der Corona-Pandemie ausgefallenen Anlässe ist lang. Dazu zählen auch der 40. Geburtstag der Musikschule und das Jubiläum «50 Jahre Juch». Grosse Feste waren geplant. Da zurzeit eine Normalität nicht absehbar ist, hat der Gemeinderat Zumikon einen Ersatz beschlossen, der auf jeden Fall Realität wird. Der Appenzeller Autor Andreas Giger wurde beauftragt, einen Krimi rund um die Zumiker Juch-Schule zu schreiben. «Das Buch soll zum Dorfgespräch werden und auch zur Integration beitragen», sagt Gemeindeschreiber Thomas Kauflin. 18 000 Franken wurden für das Projekt bewilligt. Die Kosten verteilen sich auf die Jahre 2020 und 2021 und werden hälftig von der politischen Gemeinde und Schulgemeinde getragen.

Personalisierte Bücher – vor allem für Kinder – gibt es schon länger. Der Name des Kindes, vielleicht noch die Namen der Eltern, Geschwister und Freunde, werden angegeben und in eine bestehende Geschichte eingeflochten. Andreas Giger geht wesentlich weiter: Er erfindet jeweils eine ganz neue Story mit eigenem Spannungsaufbau und hat sich schon Kriminalfälle für unterschiedliche Orte, Firmen und Institutionen ausgedacht und zu Papier gebracht. Das Geschäftsmodell entstand 2011. Anlässlich seines 60. Geburtstages überlegte er, was er seinen Gästen als Andenken an den besonderen Anlass mitgeben könnte und hatte die Idee für einen Krimi, in dem es um die Geheimnisse und Mythen des Appenzellerlandes geht. Schon zuvor hatte Giger als Autor und Philosoph viel geschrieben – aber nie Belle­tristik. «Ich wollte vermitteln, warum ich so gerne im Appenzellerland lebe, nicht nur Sprüche an einer Ansprache liefern», erinnert sich Andreas Giger. Innerhalb weniger Wochen verfasste er «Eine Leiche in der Bleiche».

Mittlerweile hat er 29 dieser Markenkrimis geschrieben, unter anderem den «Mörderkuss für Julius» für die Gemeinde Lindau, «Scharfe Kost im Gasthof Post» für diesen Gasthof in Lech und «Einhorn mit Feinhorn» für Rümlang. «Für die Recherche in Zumikon werden wir dem Autor einige Namen für Interviews geben, damit er Wissenswertes über unsere Gemeinde erfährt», führt Thomas Kauflin weiter aus. Die einzige inhaltliche Vorgabe ist, dass der Kriminalfall im Zusammenhang mit dem Juch steht. Die Zumiker können sich auf jeden Fall auf einen spannenden Fall innerhalb ihrer Gemeinde freuen. Und lesen darf man immer – auch während einer Pandemie.


«Es wird nicht besonders blutig»

Krimiautor Andreas Giger war schon in Zumikon unterwegs, um Atmosphäre zu schnuppern.

Herr Giger, wie genau sehen Ihre Recherchen aus?

Zunächst studiere ich alles, was es im Netz zu finden und zu lesen gibt, spaziere einfach durch das Dorf und schnuppere Atmosphäre. Daneben spreche ich mit Bewohnern, die mir seitens der Gemeinde genannt wurden.

Das sind in diesem Fall altein­gesessene Zumiker?

Vorwiegend, aber nicht nur. Es ist ja wichtig, ein Gesamtbild zu bekommen. Dazu können jüngere Zumiker ebenso beisteuern wie ältere, die natürlich viel mehr Erinnerungen haben. So kann ich auch ein bisschen in die Geschichte der Gemeinde eintauchen.

Wissen Sie schon, welches Verbrechen an der Juch-Schule verübt wird?

Nein. Aber selbst wenn ich es wüsste, würde ich es nicht verraten. Es wird aber nicht besonders blutig zugehen.

Haben Sie ein Lieblingsverbrechen?

Meistens gibt es schon einen Mord. Ausser, der Auftraggeber möchte das partout nicht. Ich habe einen Krimi für ein Hotel am Arlberg geschrieben, die lieber keinen Toten in ihren Hotelbetten wollten. Für sie gab es dann einen Kunstdiebstahl. Andere wünschen, dass es besonders blutig zur Sache geht. Da gibt es auch mal drei Tote.

Wird es Ähnlichkeiten mit realen Personen geben?

Meist ist das eher nicht gewünscht, obwohl ich einmal einen Stadtrat hatte, der unbedingt vorkommen wollte. Ich könnte mir vorstellen, dass bereits verstorbene Zumiker eine Rolle spielen. Da gab es doch den Pazifisten Max Dätwyler …

Sie schreiben das Buch innert drei Monaten. Das ist extrem speditiv.

Dieses Tempo ist mein Markenzeichen und wurde mir wohl einfach in die Wiege gelegt. Wenn ich schreibe, fliesst es einfach. Das heisst aber auch, dass ich nicht drei Mal über jede Formulierung, über jedes Wort nachdenke.

Sie sind nicht nur Schriftsteller, sondern auch Zukunftsphilosoph. Wir alle wüssten gerne, was uns die Zukunft bringt. Haben Sie eine Vorstellung?

Leider habe auch ich keine Kristallkugel im Keller. Ehrlich gesagt, war ich am Anfang der Pandemie noch optimistischer und dachte, es werde auch positive Veränderungen geben. Im Moment bin ich wieder skeptischer.

Weniger Individualverkehr dank mehr Homeoffice ist doch eine positive Veränderung, oder?

Ja, diese wäre ohnehin irgendwann gekommen. Nun ging es schneller. Grundsätzlich gilt aber auch beim Homeoffice wie bei so vielen Bereichen im Leben: alles mit Mass.

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