Schützen, was wir lieben. Artenvielfalt!

Biodiversität ist die Vielfalt des Lebens. Biodiversität ist in aller Munde. Was wird in unseren Gemeinden unternommen, um diese zu fördern? Gibt es Pläne? Was wurde bereits umgesetzt? Ein kleiner Überblick.

Was plant Zollikon?

Projekt für Biodiversität

Die Gemeinde Zollikon gibt Ressourcen frei für eine Bestandsaufnahme.

Zollikon. Landesweit steht es laut Bundesamt für Umwelt nicht gut um die Biodiversität: Die Hälfte der Lebensräume und ein Drittel der Arten seien bedroht. Bund und Kantone wollen deshalb die Artenvielfalt fördern. Auch Zollikon will einen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten. Das ist dem Protokoll der jüngsten Gemeinderatssitzung zu entnehmen. Der Gemeinderat will mit einer Standortbestimmung aufzeigen, welche Massnahmen in Sachen Biodiversitätsförderung bereits getroffen wurden, welche Projekte am Laufen sind und wo noch Handlungsbedarf besteht. Dazu hat er eine Bestandsaufnahme in Auftrag gegeben. Miteinbezogen werden externe Akteure wie die Zürcher Planungsgruppe Pfannenstiel mit dem Naturnetz Pfannenstiel, der Verschönerungsverein Zollikon oder die Holzkorporation Zollikon. Auf der Grundlage dieser Zustandsanalyse identifiziert, gewichtet und ­priorisiert der Gemeinderat die ­laufenden Projekte und definiert weitere Handlungsfelder. Für die Konzepterarbeitung stellt er die notwendigen Ressourcen bereit und schafft ein auf ein halbes Jahr befristetes Stellenpensum von 20 Prozent für entsprechende Projektarbeiten. Das Projekt wird intern durch die Architektin Stefanie Majer vom Bauamt Zollikon betreut.

Damit liegt Zollikon voll im Trend: Der Kanton möchte just die Mittel für den Naturschutz auf jährlich mindestens 30 Millionen Franken aufstocken. Mit der Gesetzesänderung legt der Kantonsrat zudem fest, dass jährlich fünf Millionen Franken für Gewässerrenaturierungen zu verwenden sind.

Einen aktuellen Beitrag zum Thema Biodiversität findet sich auch im aktuellen Jahrheft. Ausführlich stellt die Publikation die heimische Vogelwelt mit Kernbeisser, Erlenzeisig, Waldkauz, Schwanzmeise und Grauschnäpper vor.


Was hat Zumikon schon umgesetzt?

Mehr Artenvielfalt

Ein Leitfaden soll Bauherren und Architekten dabei unterstützen, einen Beitrag zur Förderung der Biodiversität zu leisten.

Schon im vergangenen Jahr hat Zumikon konkrete Forderungen im Sinne der Biodiversität formuliert. Ein Leitfaden für den ökologischen Ausgleich in Zumikon basiert auf dem Merkblatt vom 1. Oktober 2019. Während sich das Merkblatt auf die wichtigsten Grundsätze zu den Anforderungen für den ökologischen Ausgleich konzentriert, enthält der Leitfaden zahlreiche detaillierte Hintergrundinformationen. Beide Dokumente sind bei der Abteilung Hochbau der Gemeinde Zumikon sowie auf www.zumikon.ch erhältlich.

Bereits im Frühjahr 2018 hat die Gemeindeversammlung eine ortsbauliche Grundhaltung zu den Anforderungen an den ökologischen Ausgleich in Zumikon beschlossen und bestimmt. Es wird darin die Entwicklung einer zeitgemässen Baukultur im vorstädtischen Kontext unter Berücksichtigung der bestehenden Qualitäten und Merkmale des Ortsbilds angestrebt. Durch ­diesen Leitfaden sollen neu Spielräume für besonders gut gestaltete Lösungen geschaffen werden.

Die intensivere Nutzung in den ­bestehenden Bauzonen führt zu einem Verlust an unversiegelten Flächen, die für den Wasserhaushalt, die Biodiversität und das ­Mikroklima relevant sind. Die Abschaffung der Satteldachpflicht beispielsweise bringt Spielraum für andere Dachformen, welche ökologische Installationen erlauben. Den Bauwilligen soll durch diesen Leitfaden Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie die Anforderungen an die Aussenraumgestaltung umgesetzt werden können und welche weiteren Möglichkeiten bestehen, in ihrer freien Umgebungsgestaltung einen Beitrag zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität und des Mikroklimas zu leisten.

Der Leitfaden ist an alle Akteure gerichtet, welche durch den ökologischen Ausgleich einen Beitrag zur Biodiversitätsförderung leisten können, als da wären Bauherrschaften von Wohn-­ und Gewerbebauten, ­Architekten, Landschaftsarchitekten, Gartenbauer, Sportvereine/Golfplatzbetreiber oder auch Schulen, Kindergärten und öffentliche Einrichtungen.

Die Ausgestaltung der geforderten Grünflächengestaltung soll anhand von aktuell vorkommenden Ziel­arten hergeleitet werden. Zielarten sind spezialisierte Tierarten (z.B. Wildbienen, Tagfalter, Nachtfalter, Brutvögel, Reptilien, Amphibien usw.), welche mit ihren ökologischen Ansprüchen stellvertretend für die ganze Biodiversität eines Lebensraums stehen.


Die Vorteile von einheimischen Gehölzen

Grundsätzlich sollen bei der Garten-­ und Freiraumgestaltung einheimische Gehölze verwendet werden. In ökologischen Ausgleichsflächen sind ausschliesslich einheimische Gehölze zu verwenden. Für jedes neue Gebäude soll eine Nistgelegenheit für Vögel (Gebäudebrüter) oder ein Fledermausquartier angelegt werden. Davon ausgenommen sind Kleinbauten. Eingrenzungen und Massnahmen zum Sichtschutz sollten, wenn immer möglich, durch Gehölze erstellt werden. Ideal seien Baumreihen und Wildhecken aus einheimischen Gehölzen. Geschnittene Hecken sollten niedrig (bis ca. 1,60 m) gehalten werden, damit sie nicht als Barriere wirken. Keinesfalls sollten immergrüne Koniferen wie Thuja oder invasive Neophyten wie Kirschlorbeer verwendet werden. Von künstlichen Lichtquellen werden Nachtfalter angelockt. Die Tiere werden desorientiert, in ihrem natürlichen Verhalten gestört und von der Nahrungsaufnahme, Paarung und Eiablage abgehalten. Ausserdem werden sie leichte Beute für Raubtiere wie Fledermäuse oder Spinne. Die Empfehlung dazu: Leuchtmittel mit tiefen ultravioletten und kurzwelligen Lichtanteilen wählen.

Flachdächer sind grundsätzlich zu begrünen. Kombinationen von Photovoltaik und Dachbegrünung sind entsprechend zu planen. Fassadenbegrünungen sind gerne gesehen, aber nicht vorgeschrieben. Sie schützen die Fassade vor Sonne, Hitze und Regen und stellen ausserdem bei der Verwendung von einheimischen Pflanzen einen wertvollen Lebensraum für Insekten und Vögel dar.


Was die Forschung belegt

Artenvielfalt als Investition

Eine Studie der ETH Zürich belegt positive ökonomische Auswirkungen durch eine Streuung.

Region. Viele Bauern verbinden Artenvielfalt im Grasland mit unergiebigen Erträgen und finanziellen Einbussen. «Biodiversität gilt oft als nicht rentabel, aber wir zeigen: doch, sie kann sich rechnen», sagt Nina Buchmann, Professorin für Graslandwissenschaften der ETH Zürich. In einer interdisziplinären Studie an der Schnittstelle zwischen Agrarwissenschaften, Ökologie und Ökonomie haben Buchmann und ihre Kolleginnen und Kollegen die ökonomischen Mehrwerte der Artenvielfalt für verschiedene Bewirtschaftungsintensitäten quantifiziert. «Wir zeigen, dass die Artenvielfalt ein ökonomisch relevanter Produktionsfaktor ist», sagt Robert Finger, ETH-­Professor für Agrarökonomie und Agrarpolitik. Wachsen auf der Wiese 16 Pflanzenarten statt nur eine, bleibt die Futterqualität des Heus zwar mehr oder weniger gleich, aber der Ertrag wird grösser. Deshalb steigt auch das erzielbare Einkommen aus dem Milchverkauf.

Düngen und Mähen behindern Artenvielfalt

Im Schweizer Grasland werde besonders auf so genannten ökologischen Ausgleichsflächen auf eine erhöhte Artenvielfalt geachtet. Das seien jedoch oft magere Standorte, deren Erträge sich nicht mit denen von gutem Wiesland vergleichen lassen. Die Forschenden haben aber Daten nutzen können, in dem unter anderem die unterschiedlichen Bewirtschaftungsweisen am gleichen Standort verglichen werden.

«Unsere Resultate zeigen, dass sich der Artenreichtum auf allen Wiesen ökonomisch positiv auswirkt, egal, ob sie nur einmal oder viermal im Jahr gemäht und gedüngt werden», sagt Schaub. Bei intensiverer Bewirtschaftung sei es allerdings schwierig, die Artenvielfalt hoch zu halten, weil nur wenige Pflanzenarten das Düngen und häufige Mähen ertragen. Finger fügt hinzu, dass Schweizer Bauern im Vergleich zu ihren Berufskollegen aus anderen Ländern diesen ökonomischen Effekt bereits gut nutzten. Im Allgemeinen seien die Futterwiesen hierzulande schon relativ artenreich, da es auch lokal angepasste Saatgutmischungen gebe.

In dieser Deutlichkeit hätten die Forschenden ihre Resultate nicht erwartet. Dabei haben sie einen weiteren wichtigen ökonomischen Faktor noch gar nicht eingerechnet: «Die Biodiversität ist auch eine Art Risikoversicherung», sagt ­Buchmann. Artenreiche Grasländer könnten Extremereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen besser wegstecken, weil verschiedene Pflanzenarten unterschiedlich auf solche Umwelteinflüsse reagierten und etwaige Ausfälle teilweise kompensierten. Die Forschenden sehen in ihren Ergebnissen einen klaren Hinweis, dass es sich für Landwirte lohnt, stärker auf eine grössere Pflanzenvielfalt zu achten.

«Artenreiches Grasland zu erhalten, kann zu einer Win-­Win-­Situation führen», merken die Forschenden am Schluss an, da dadurch nicht nur die Erträge und der Betriebsumsatz steigen, sondern gleichzeitig auch wichtige Ökosystemdienstleistungen wie Bestäubung oder Wasserqualität gestärkt und gefördert werden.

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