Sie singen!

Eigentlich wollten die «Dezi­belles» schon im Frühling in Zollikon auftreten. Jetzt endlich folgen zwei Konzerte.

Ende April wollte das A-­cappella-­Quartett «Dezibelles» im Gemeindesaal singen. Durch die Pandemie kam alles anders. Die Tournee wurde gänzlich abgesagt. Jetzt aber sind die Sängerinnen in der reformierten Kirche Zollikerberg zu hören. Das Quartett hat mehrere Konzerte auf die Beine gestellt, um wenigstens vor kleinem Publikum auftreten zu können. Damit kommt auch die ausgebildete Sängerin und ehemalige Zollikerin Rebekka Bräm zurück in ihre alte Heimat.

Ihr Lebenslauf verrät, dass Sie dieses Jahr 30 geworden sind. Ist das ein Thema?

Schon. Man hat ja ein gewisses Bild, was man mit 30 schon erreicht haben möchte, wo man im Leben stehen will. Aber momentan sieht es ganz gut aus.

Und was sollte noch passieren bis zu Ihrem 40. Geburtstag?

Auf jeden Fall möchte ich Familie – und noch viel mehr im Beruf ankommen. Wir haben mit unserem Quartett schon schöne Erfolge feiern können, aber Luft nach oben ist natürlich immer da.

Sie leben teilweise in Wien. Welche Stadt ist für Sie lebenswerter: Zürich oder Wien?

Ich habe mich mega in Wien verliebt, als ich vor ein paar Jahren dorthin gezogen bin. Ich kannte die Stadt gar nicht, gerade als klassische Sängerin fühle ich mich dort sehr wohl. Wien ist eine Grossstadt, die einen nicht erschlägt. Aber das ist Zürich gegenüber nicht ganz fair. Zürich kenne ich durch und durch, und das Neue hat immer einen besonderen Charme.

Sie haben schon im Chindsgi bei Aufführungen Soli gesungen. Kommen Sie aus einer musikalischen Familie?

Absolut. Mein Vater hat leidenschaftlich eine Blasmusik dirigiert und Klarinette gespielt, meine Mutter Klavier. Ich habe ganz klassisch mit Klavier angefangen, doch meine Lehrerin hat schnell gemerkt, dass mein Talent auch im Singen liegt und mich dazu animiert.

Sie haben auch im Jugendchor Zürich unter Michael Gohl gesungen, der 17 Jahre die Musikschule Zollikon geleitet hat. Hat Sie das noch weiter gefördert?

Sehr. Die Vorbildung, die wir da erfahren haben, war enorm. Wir haben ein breites Repertoire kennengelernt. Nachdem ich mit drei weiteren Sängerinnen aus dem Chor die «Dezibelles» gegründet habe, hat uns Michael Gohl auch immer mal wieder besucht.

Die «Dezibelles» gibt es seit 2009, seit zwei Jahren nun in einer neuen Formation. Was war der Hintergrund?

Wir haben das Quartett direkt nach der Matura gegründet und wunderschöne Zeiten erlebt. Aber in jeder Band, in jeder musikalischen Zusammensetzung stellt sich irgendwann die Frage: Bleibt es Hobby oder ist es mehr? Ich war die Einzige mit einer klassischen Gesangsausbildung, und für mich war ganz klar, dass ich mehr wollte. Ich habe mit Daniela Villiger, Editha Lambert und Nicole Hitz drei Mitstreiterinnen gefunden, die ebenso ambitioniert sind wie ich. Dadurch habe ich nun auch als Managerin der Gruppe mehr zu tun.

A-­cappella-­Gesang heisst nicht nur Singen, sondern auch Mimik und Darstellungskunst, oder?

Sehr. Wenn das Lied einfach nur runtergesungen wird, berührt es den Zuhörer nicht. Es muss gelebt werden. Mit Bewegungen, mit Gefühl. Auf der anderen Seite haben wir als Instrument «nur» unsere Stimmen. Wenn es mit diesen zu einem Blackout kommt, herrscht Stille. Bei einem Theaterstück können die Mitspieler einspringen. Ist eine Band dabei, kann diese einspringen und improvisieren. Bei uns herrscht nur eine ganz schwere Ruhe. Aus dem einen Mal, als uns das passiert ist, haben wir aber gelernt und können nun besser mit einem unsicheren Moment umgehen.

Das heisst, Lampenfieber ist noch ein Thema?

Ja, eine gewisse Aufregung bleibt immer. Diese ist wichtig, um uns die Energie für einen intensiven Live-­Moment zu geben. Lustigerweise ist es nicht die Situation vor dem gefüllten Letzigrund, die einen besonders nervös macht, sondern das Konzert vor kleinem Publikum, wo man die Gesichter sieht.

Sie geben auf Ihrer Homepage zu, dass Sie gerne Fleisch essen. Das ist mutig in diesen Zeiten.

Grundsätzlich ist Essen mein oberstes Hobby. Ich esse gerne Fleisch, lege aber grossen Wert auf saisonale und regionale Produkte. Ich würde niemals Fleisch in einem Billigdiscounter kaufen. Und in dem Moment, in dem Fleisch nur Träger für Saucen ist, bin ich gerne bereit, über Ersatzstoffe nachzudenken. Nachhaltigkeit ist mir sehr wichtig, ich bin zum Beispiel ein grosser Fan des ÖV. Ich nehme immer den Zug zwischen Zürich und Wien. Das bedeutet in Spitzenzeiten zwei Mal die Woche acht Stunden Zugfahrt.

Inwieweit ist das Quartett von der Corona-­Situation betroffen?

Sehr stark. Die Situation läuft für viele Kulturschaffende auf ein Berufsverbot hinaus, und da wir als Selbstständige keine Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit anmelden können, verdienen viele gar nichts mehr. Das ist hart, vor allem in einem Beruf, in dem es so oder so schon schwer ist, sich ein finanzielles Polster anzulegen.

Sonntag, 20. Dezember, 16.30 und 18.15 Uhr, ref. Kirche Zollikerberg.

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