«Nur beschränkt zufrieden»

Zumikons Gemeindepräsident Jürg Eberhard blickt zurück und ein bisschen in die Zukunft.

Portraitbild von Jürg Eberhard
Auch Jürg Eberhard feiert Weihnachten im kleinsten Kreis. (Bild: Archiv)

Wie haben Sie die Zumikerinnen und Zumiker während der Pandemie erlebt?

Besonnen und pragmatisch. Zum Beispiel treffe ich viele Leute, die sich nicht ängstlich nur noch zuhause aufhalten, sondern im Wald spazieren gehen, wo die Ansteckungsgefahr bei entsprechendem Verhalten vernachlässigbar ist. Trotzdem stelle ich eine grundsätzlich vorsichtige Haltung fest: Die Hygienevorschriften werden beachtet, um das gesundheitliche Risiko für sich und die Mitmenschen zu verringern.

Wie zufrieden sind Sie mit den Vorgaben des Kantons und des Bundes?

Aktuell nur beschränkt. Es ist für mich unverständlich, dass nicht konsequenter Daten zu den Ansteckungswegen erhoben und analysiert werden. Diese Daten wären die Grundlage, um verbindliche Massnahmen für diejenigen Lebens­bereiche zu beschliessen, welche die grössten Übertragungsrisiken bergen.

Macht Ihnen die finanzielle Situation der Gemeinde Sorgen?

Nein, eigentlich nicht. Unsere Finanzsituation ist stabil und solid. Klar ist, dass bezüglich Steuereinnahmen 2021 und 2022 grössere Unsicherheiten bestehen, deren Auswirkungen aber überschaubar sein sollten. Zuversichtlich bin auch für die nächsten Jahre, in denen grosse Erneuerungsprojekte im Dorfzentrum anstehen. Wir werden diese Projekte teilweise fremdfinanzieren müssen, aber die Verschuldung wird innerhalb der vom Gemeinderat gesetzten Grenzen verkraftbar bleiben.

Rechnen Sie mit Konkursen oder sozialen Schieflagen?

Die ganze Schweiz betrachtet wird es wohl zu mehr Konkursen und sozialen Härtefällen kommen. ­Diese werden sich vermutlich auf wenige Branchen beschränken. Die Auswirkungen können sogar innerhalb einer Branche unterschiedlich sein. Auch in der arg gebeutelten Hotellerie und Gastronomie gibt es einzelne Betriebe, für die 2020 ein überdurchschnittlich gutes Geschäftsjahr war. Auch in Zumikon wird es zu Härtefällen kommen, was für die Betroffenen einschneidend sein kann. Für die Gemeinde insgesamt sehe ich keine dramatische Situation auf uns zukommen.

Was erhoffen Sie sich für das kommende Jahr?

Natürlich hoffe ich, dass wir die Pandemie möglichst rasch überwinden können. Ich bezweifle ­jedoch, dass eine Normalisierung vor den Sommerferien möglich ist. Umso mehr freue ich mich auf ausgedehntere Ferien und Reisen im Herbst.

Wie feiern Sie persönlich Weihnachten?

Dieses Jahr werden wir aufgrund der Pandemie nur an einem Tag ­feiern und das nur im engsten, sehr kleinen Familienkreis.

Mit Jürg Eberhard sprach Birgit Müller-Schlieper

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