«Zollikon ist relativ krisenresistent»

Zollikons Gemeindepräsident Sascha Ullmann resümiert das Krisenjahr 2020 und wagt einen Ausblick in die nahe Zukunft.

Portraitbild von Sascha-Ullmann
Sascha Ullmann sieht den Weg aus der Krise nur über die Impfung. (Bild: zvg)

Welche Erkenntnisse nehmen Sie persönlich aus diesem Krisenjahr mit?

Die erfolgreiche Bewältigung einer Krise ist ein Gemeinschaftswerk. Auf allen Stufen der Verwaltung von Zollikon durfte ich viel Engagement erfahren, dafür bin ich sehr dankbar.

Krisensituationen legen unerbittlich die Schwachstellen einer Organisation offen. Auch in Zollikon. Diese gilt es, für die Zukunft widerstandsfähiger zu organisieren.

In der Natur von Krisen liegt es, dass sie immer von Neuem gelöst werden müssen. Statt auf trügerische Rezepte setze ich lieber auf Führungsgrundsätze. Mitten in der Corona-Pandemie sind diese: Flexibilität in der Lösungsfindung. Einfachheit in den Verhaltens­regeln. Klarheit in der Kommunikation.

Die Vorgaben kamen vom Bund oder vom Kanton, die Gemeinde hatte diese umzusetzen. Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der beiden Regierungen?

In der ersten Welle hatten wir zunächst eine zu späte, aber umso überzeugendere Führung unserer Landesregierung erlebt. Im Sommer ist diese dann völlig zerfleddert. Unsere Kantonsregierung hat sich medienwirksam als Krisenmanagerin in Szene gesetzt. Heute stelle ich ernüchtert fest, dass die hohen Erwartungen nicht erfüllt wurden. Die Fallzahlen steigen auf hohem Niveau wieder an, das Gesundheitswesen steht schon anfangs Wintersaison an der Belastungsgrenze, und das Corona-bedingte Leiden zuhause sowie das Sterben in Alterseinrichtungen und Spitälern geht weiter.

Dass mitten im Weihnachts- und Wintergeschäft die Notbremse gezogen werden muss, ist bitter und eine Bankrotterklärung an den «Zürcher Weg».

Auch die Bevölkerung muss sich an die Corona-Massnahmen halten. Wie haben Sie das Verhalten der Zollikerinnen und Zolliker erlebt?

Ich bin noch immer beeindruckt, wie diszipliniert der erste Lockdown abgelaufen ist. Ein Dank geht hier insbesondere an unsere Gemeindepolizei, die zum Glück selten aber dann mit Augenmass und deeskalierend für die Einhaltung der Regeln gesorgt hat. Von unserer Holzkorporation weiss ich, dass die Nachfrage nach Natur in dieser Zeit extrem gross war. Im Rückblick war es richtig, öffentliche Grünräume zugänglich zu lassen, um den Menschen Raum zum Atmen zu geben.

Wie beeinflusst Corona die finanzielle Situation der Gemeinde?

Durch den Lockdown konnten Veranstaltungen nicht stattfinden, damit haben wir beachtlich Geld gespart. Auf der anderen Seite fehlen uns Einnahmen, zum Beispiel im Fohrbach. Oder wir mussten aufgrund von Homeoffice kurzfristig in die IT Geld investieren. Kurzfristig erwarte ich keine dramatische Entwicklung der Gemeindefinanzen, vielleicht wird die Rechnung 2020 auch ganz ansprechend ausfallen. Ich schaue jedoch mit Re­spekt in die Zukunft, die Rechnung für diese Krise wird der Gemeinde wohl erst später präsentiert. Bei den eigenen Fiskalerträgen war Zollikon jeweils relativ krisenresistent. Der Finanzausgleich bereitet mir Bauchschmerzen, sollten die Erträge anderer Gemeinden einbrechen. Auch haben Kanton und Bund in der Pandemie Schulden angehäuft, die irgendwann abgebaut werden müssen.

Was sind Ihre Hoffnungen für 2021?

Den Weg aus der Krise sehe ich im Moment nur über die Impfung. Da sind zum Glück Silberstreifen am Horizont erkennbar. Nicht die Geschwindigkeit, mit der diese Impfung eingeführt wird, ist entscheidend, sondern das Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheit des Präparats. Auf dem Weg zurück zu unseren gewohnten Arbeits- und Lebensformen muss die überwiegende Mehrheit unserer Bevölkerung bereit sein fürs Impfen. Dieser grosse Akt der Solidarität steht uns erst noch bevor.

Mit Sascha Ullmann sprach Tobias Chi

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