Cool durch den Winter

Anita Kunz zählt zu den begeisterten Eisbaderinnen und steigt jeden Morgen in den Pool.

Eisbaden stärkt auf natürliche Weise das Immunsystem. (Bild: bms)
Eisbaden stärkt auf natürliche Weise das Immunsystem. (Bild: bms)

Sie sind immer häufiger zu sehen. Während die anderen Menschen mit Mütze, Schal, Handschuhen und Daunenjacke an Seen flanieren, legen die Eisbader ihre Kleidung ab und gehen seelenruhig ins eiskalte Wasser. Ob Zürichsee, Greifensee oder heimischer Pool – kaltes Wasser gibt es genug. Eine, die dieser neuen Bewegung fröhnt, ist Anita Kunz. Die Geschäftsführerin des Zumiker Gyms «heartcheck fitness» ist total begeistert und gehört schon länger zu der coolen Szene.

Wie viel Überwindung kostet es, ins kalte Wasser zu gehen?

Eigentlich genau so viel Überwindung – nicht viel mehr – wie ich an einem heissen Sommertag brauche, um in den See zu gehen. Dann ist der Temperaturunterschied ­zwischen draussen und drinnen ja auch sehr gross. Für mich gehört das Eisbaden mittlerweile zu meinem morgendlichen Ritual – es macht mir richtig gute Laune. ­Danach fühle ich mich wach und voller Energie.

Kann ich als Ungeübte auch gleich ins kalte Wasser steigen?

Das sollten Sie auf gar keinen Fall machen, vor allem nicht allein. Vor dem Abtauchen muss man das «kalt» trainieren. Am besten fängt man mit kalten Duschen an und gewöhnt den Organismus an die tiefen Temperaturen. Aber auch das Üben macht schon glücklich.

Wie sind Sie zum Eisbaden gekommen?

Über Wim Hof, auch The Iceman genannt, der ganz spezielles Atemtraining für Kältetraining anbietet. Die Atmung spielt beim Eisbaden eine wichtige Rolle. Wim Hof hält mit 52 Minuten den Weltrekord im Eisbaden. Aber jede und jeder sollte ausloten, wo die eigenen Grenzen liegen, es geht hier nicht um einen Wettbewerb!

Und wie reagiert der Körper auf den Kick?

Es ist das Beste, um das Immunsystem auf ganz natürliche Weise zu stärken. Es versetzt den Körper in höchste Leistungsbereitschaft. Zum Beispiel mit einer Ausschüttung von Adrenalin und Endorphinen, also Glückshormonen. Der Energieverbrauch und die Körpertemperatur steigen an. Der Herzkreislauf wird angekurbelt. In dieser «Stresssituation» ist innere Ruhe und Konzen­tration gefordert. Es ist für mich auch meditativ. Ich kann mich besser konzentrieren, schlafe besser, weil ich widerstandsfähiger gegen Stress bin. Übrigens wirkt ein Kältebad extrem auf die Durchblutung des Bindegewebes und steigert die Fettverbrennung – besser als jede teure Creme. Auch gegen Krampfadern wirkt das Eiswasser Wunder.

Wie lange bleiben Sie im Wasser?

Ich tauche komplett unter. Ich halte bei 5 bis 6 Grad höchstens zwei ­Minuten aus. Manchmal tauche ich auch mit dem Kopf ein. An diesem Tag bin ich unschlagbar. Aber das muss man üben, zum Beispiel mit regelmässigem Saunabaden oder im Winter ab und zu kalt duschen.

Was ist auf jeden Fall zu beachten?

Bei Minustemperaturen trage ich Handschuhe, weil man sonst am Geländer festklebt. Wer im See ­eisbaden möchte, sollte Neoprenschuhe tragen. Die Füsse «nägeln» sonst so sehr, dass man es nicht bis ins tiefe Wasser schafft. Das ­Experiment sollte man nie allein machen. Und so toll man sich auch danach fühlt, man muss sich richtig warm anziehen. Sonst läuft man den ganzen Tag mit eiskalten Fingern und Zehen herum. Der Körper hat die eigene Heizung nämlich abgestellt.

Während des ersten Lockdowns gab es Fitnessangebote online. Gibt es die aktuell auch?

Nein. Ich versuche immer, die Lockdowns zu optimieren, das tönt ­irgendwie komisch, gell? Aber wir vermitteln ab Februar die Trainer an unsere Kunden. Die können ­jeweils einen Präsenztermin für ein Training vereinbaren – zu Hause oder auch draussen. Vielleicht sollte ich auch noch Eisbaden für ­Interessierte bei mir zu Hause im Pool anbieten, als spezielles Angebot für ­Anfänger.

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