«Für mich ist die Pensionierung kein Segen»

Walter Oertle blickt zurück auf den Umbau des alten Gemeindehauses und die Erneuerung des Hallenbads. Er plädiert für die Idee der Genossenschaften.

Mit einem Minipensum bleibt Walter Oertle den Zumikern noch ein bisschen erhalten. (Bild: zvg)

Gemeinhin wird gesagt, man solle alle sieben Jahre eine neue berufliche Herausforderung suchen. Auch Walter Oertle verlässt nach sieben Jahren die ­Position als Leiter der Abteilung Liegenschaften in Zumikon – allerdings als Pensionär. Richtig glücklich ist er darüber nicht.

Sie möchten eigentlich noch gar nicht pensioniert werden?

Für mich ist die Pensionierung kein Segen. Aber mit 65 Jahren ist nun mal Schluss, und es ist auch gut, dass junge Leute nachkommen. Ausserdem bleibe ich ja noch ein ganz kleines bisschen. Ich werde bis zum Sommer, mit einem Minipensum, meinen Nachfolger einarbeiten, Rechnungen abschliessen, Dokumente archivieren, Projekte zu Ende bringen.

Und womit werden Sie Ihre Zeit sonst noch füllen?

Zunächst werde ich meine Aufgabe als Präsident der ASIG-Wohnbau­genossenschaft beenden, dort aber noch hinter den Kulissen tätig sein, weil mir die Idee der Genossenschaften sehr am Herzen liegt. Ansonsten wird es mich in die Berge zum Wandern oder zu Skitouren ziehen. Ausserdem mache ich Volksmusik mit einem Schwyzerörgeli. Allerdings dürfen wir gerade nicht auftreten, was jedoch nicht so schlimm ist, weil ich davon nicht leben muss.

Wie sah Ihr Lebensweg vor Zumikon aus?

Ich habe in Dietlikon eine Maurerlehre absolviert und danach kurzzeitig im Akkord gearbeitet. Das war sehr lukrativ, aber ungesund. Danach besuchte ich die Vorarbeiter-, Polier- und Bauführerschule. Als mein Rücken streikte, machte ich das Handelsdiplom und wechselte ins Büro, in die Finanzbuchhaltung der Bauunternehmung. Schliesslich legte ich das Fachdiplom im Immobilienbereich ab und betreute lange die Liegenschaften in der Stadtverwaltung Opfikon.

Mit diesen Vorkenntnissen konnte Ihnen wahrscheinlich niemand ein X für ein U vormachen.

Davon gehe ich aus. Ich hatte eben nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch Praxiserfahrung.

Was hat Ihnen spontan an Zumikon gefallen?

Witzigerweise kannte ich Zumikon bereits, weil ich während meiner Zeit als Maurerlehrling am Forchbahntunnel mitgearbeitet hatte. Das wertete ich als guten Stern. Ich mochte von Anfang an den Dorfcharakter. Ich habe schnell nicht nur die Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung, sondern auch Anwohner und Gewerbetreibende kennengelernt. Ich habe es immer geschätzt, vor allem mit älteren ­Zumikern einen kleinen Plausch zu halten und zu hören, wie es hier früher war. Der Abschied fällt mir schwer, weil ich erstens ein sehr gutes Team hatte und zweitens generell im Gemeindehaus ein überaus guter Umgang gepflegt wird.

Zumikon wächst seit Jahren. Es wird immer mehr gebaut. Geht ­dadurch nicht der Dorfcharakter verloren?

Das glaube ich nicht. Wichtig ist, dass es bei einer gesunden Durchmischung bleibt. Dass Junge, Alte und Familien hier wohnen können.

Welche Projekte sind Ihnen in besonderer Erinnerung?

Der Umbau des alten Gemeindehauses zum Zumiker Treff. Mit seiner Schutzwürdigkeit brachte dieser grosse Herausforderungen mit sich. Aber es hat sich gelohnt. Das Haus ist wirklich sehr schön geworden. Dann gab es die grosse Sanierung des Hallenbades. Im Mittelpunkt stand immer auch das übergreifende Projekt mit Umgestaltung Dorfplatz, Gemeinschaftszentrum und Tiefgarage. Dabei war die Koordination besonders knifflig.

Der Dorfplatz stand ganz am Anfang Ihrer Tätigkeit in Zumikon, oder?

Es gab früher eine IG Dorfplatz. Zusammen mit dieser hat der Gemeinderat einen Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben und einen Sieger gekürt. Dieses Projekt musste leider abgebrochen werden, da beim Wettbewerb nur an den Platz, nicht aber an die beiden Untergeschosse gedacht wurde. Beim neuen Projekt gehen wir ganz anders vor. Wir ­stecken immer wieder Zwischenziele und arbeiten sehr transparent. Es wird einen Ideenwettbewerb geben, für den Projektierungskredit braucht es das ­Votum an einer ­Gemeindeversammmlung. Der endgültige Entscheid wird dann an der Urne fallen.

Zunächst steht aber der Entscheid über die Bebauung am Chirchbüel an. Sie unterstützen den Genossenschaftsgedanken.

Absolut. Um am Puls der Zeit und ein lebendiges Dorf zu sein, brauchen wir eine ausgewogene Durchmischung. Ausserdem werden wir über den Baurechtszins einen guten Grundstückertrag erzielen. Wichtig ist, dass im Vorfeld mit den jeweiligen Wohnungsinteressenten klar über die Vorgaben und Berechtigungskriterien gesprochen wird.

Was bleibt als persönliches Fazit?

Ich bin nicht einen Tag unmotiviert zur Arbeit gekommen. Das spricht doch absolut für Zumikon.

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