Vier Ohren hören mehr als zwei

Das Duo DUS hat in Zollikon ein Konzert aufgenommen. Sänger Gino Carigiet (27) und Gitarrist David Friedli (25) spielen berührende Lieder auf Rätoromanisch und werben mit einem Kinderbuch für Toleranz und Freundschaft.

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David, wie kommst du als Berner dazu, rätoromanische Musik zu machen?

Gino und ich lernten uns 2014 durch das Musikstudium an der Hochschule der Künste in Bern ­kennen. 2016 gründeten wir DUS, das heisst «zwei» auf Rätoro­manisch. Für uns fühlte es sich am natürlichsten an, wenn Gino in ­seiner Muttersprache, Sursilvan, singt. Vorher hatte ich keinen ­direkten Bezug zur rätoromanischen Sprache, mittlerweile ist sie fixer Bestandteil unseres künstlerischen Schaffens.

Wie geht ihr beim Komponieren vor?

Unterschiedlich. Es beginnt allerdings immer mit einer kleinen und simplen Idee, die uns beiden gefällt und uns beide inspirieren muss – sei es eine Melodie, eine Emotion, eine Harmonie, ein Rhythmus, ein Gitarrenriff. Wir schreiben sehr gern zu zweit, weil so ein Austausch möglich ist und vier Ohren mehr hören als zwei.

Auf eurer Webseite bietet ihr auch Kinderbücher an. Was hat es damit auf sich?

Im Oktober 2020 erschien unser Kinderbuch «Giugiu & Roro» – eine Geschichte über Freundschaft und Toleranz. Lange haben wir nach einem Format gesucht, das diverse Kunstsparten und Sprachen vereint. Die Geschichte habe ich auf Deutsch verfasst und Gino hat sie mit seiner Tante auf Sursilvan übersetzt. Unser Freund und Grafiker Martin Oesch, der alles Gestalterische für unsere Musik kreiert, illustrierte das Buch mit viel Liebe zum Detail. Wir haben die Geschichte als musikalische Suite vertont. Sobald Veranstaltungen wieder stattfinden können, wollen wir die Suite live spielen und die Illustrationen dazu grossflächig projizieren.

Welcher Auftritt ist euch am meisten im Gedächtnis geblieben?

Gerne denken wir an unseren Auftritt am Gurtenfestival 2019 zurück. Die Bühne war zwar eher klein, aber das Publikum sehr aufmerksam und die Interaktion zwischen den Zuhörerenden und uns umso intimer und berührender.

Wer sind eure musikalischen Vorbilder?

Die Liste würde unendlich lang werden, deshalb nur eine sehr ­reduzierte Auswahl: Gino wurde geprägt durch Queen, Britney ­Spears, ich durch Led Zeppelin und Nick Drake.

Was war es für ein Erlebnis, in der Druckerei in Zollikon aufzunehmen?

Ein sehr schönes! Auch wenn wir die letzten Monate nach wie vor zusammen geprobt hatten, fehlt uns das Konzertieren sehr. Da wir seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr zusammen auf einer Bühne standen, war es befreiend, endlich wieder zusammen Musik zu machen.

Wie hat die Pandemie euer Leben beeinflusst?

Da Auftritte zurzeit nicht möglich sind, beschlossen wir, mit unserer Kunst auch abseits der Konzerte tätig zu werden und uns mit unserem Projekt «Giugiu & Roro» für mehr Toleranz und Freundschaft einzusetzen. In einer so schwierigen Situation wie der jetzigen scheint uns das umso wichtiger. Es ist uns eine Herzensangelegenheit, mit unserem Schaffen etwas hierzu beitragen zu können.

Mit David Friedli sprach Tobias Chi


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