«Zollikon ist meine Herzensgemeinde»

Als People-Journalistin flog Flavia Schlittler schon um die halbe Welt. Aus Zollikon möchte sie trozdem nie mehr weg.

Die «Blick»-People-Journalistin Flavia Schlittler Arm in Arm mit dem Hollywoodstar John Travolta. (Bild: zvg)

Es gibt hierzulande wohl kaum eine prominente Person, über die Flavia Schlittler noch nicht geschrieben hat. Seit fast zwei ­Jahrzehnten ist die 57-Jährige als People-Journalistin für die Boulevardzeitung Blick unterwegs, moderierte auch Kochshows auf Tele Züri, ist aktuell mit einer eigenen Show auf Blick-TV zu sehen und gastiert dort regelmässig als Expertin für die Welt nationaler und ­internationaler Berühmtheiten. Wie kürzlich, als eine gewisse ­Meghan Markle mit ihrem royalen Ehegatten ein Interview bei Oprah Winfrey gab, in dem sie dem britischen ­Königshaus Rassismus unterstellte. «Ein historisches Ereignis», meint Flavia Schlittler.

Wie gesagt, vor allem die Schweizer Promiszene kennt sie wie keine Zweite. Sie weiss als eine der Ersten, welches Paar gerade frisch verliebt ist, wer sich getrennt hat oder bald Nachwuchs erwartet. Viele «Stars» kennt sie inzwischen privat, pflegt mit einigen gar langjährige persönliche Beziehungen. «Federica de Cesco, Pepe Lienhard oder die Knie-Familie kenne ich teils seit mehr als zwanzig Jahren», sagt sie. Auch international schaut sie auf unzählige Begegnungen zurück: mit Grössen wie Karl Lagerfeld in Los Angeles, Michael Douglas in Berlin, Justin Bieber in Madrid.

Als Quereinsteigerin gestartet

Flavia Schlittlers fröhliche Art ist ansteckend. «Ich geniesse jeden ­Moment der Freude in vollen ­Zügen», sagt sie. Sie liebe Pizza und Champagner, gehe gerne am Rumensee grillieren. Sie beschreibt sich als «absoluten Familienmenschen»; zu ihren beiden erwachsenen Zwillingstöchtern pflege sie auch heute eine innige Beziehung. Nebst ihrem Beruf bleibe für Hobbies keine Zeit. «Die brauche ich auch nicht. Und wenn ich dennoch mal abschalten möchte, lenke ich mich am besten mit Putzen und Krimis ab.»

People-Journalistin war kein Mädchentraum. Nach Abschluss ihrer KV-Lehre war sie als Werbeberaterin tätig, ehe sie für verschiedene Lokalsender zu moderieren begann. «Ich gehöre noch zur Generation ‹Learning by doing› ». Flavia Schlittler hat schon immer gerne einfach mal ausprobiert – und die gegebenen Chancen dann auch genutzt. So wuchs sie schrittweise an den Herausforderungen. Eine Kolumne in der Werbewoche kam hinzu – «da ich ohnehin auf allen Partys war, konnte ich ja auch gleich darüber schreiben». Daraus entstand später ein viermonatiges Praktikum beim Blick. «Ich bin meinem damaligen Chef bis heute dankbar, dass er den Mut hatte, mich einfach ins kalte Wasser zu schmeissen.» Er sollte Recht ­behalten. Im Sommer feiert sie ihr 17-Jahr-Jubiläum als Promi-­Expertin des schweizerischen Boulevardblatts.

Vertrauensbasis ist zentral

Die Berichterstattung über die Schönen und Reichen habe sich in den letzten Jahren stark verändert, sagt sie: «Es geht nicht mehr nur darum, wer mit wem liiert ist oder welche Designer an der letzten Gala über den Teppich getragen wurden.» Diese eher oberflächliche Beobachtung sei einem gesteigerten Interesse an Geschichten über Glück, Liebe, Lebenssinn ­gewichen. Doch wie kommt die Expertin zu solchen Storys? «Viel über Beobachtung, heute vor ­allem über Instagram und Co. In den ­Biographien der Leute stecken unglaublich viele spannende Storys.» Über Social Media können Prominente jederzeit Informationen über ihr Leben preisgeben. «Das hat die ­Szene stark verändert.» Ausschlaggebend sei aber nach wie vor eine Vertrauensbasis. «Für mich ist es am Schönsten, wenn jemand mit der Bitte anruft, ihre Hochzeit oder Schwangerschaft über mich bekannt machen zu dürfen.» Oft gelte es dann, den schwierigen Spagat zwischen ihrer journalistischen Pflicht und dem Vertrauensverhältnis zu der prominenten Person zu meistern. «Wenn dann das Ehe-Aus ansteht, sind nur wenige an einer umfangreichen Geschichte interessiert.» Doch hier spiele das Prinzip Boulevard dann ebenso: «Wer uns einlädt, mit dem Lift hochzufahren, muss auch mit uns rechnen, wenn der Lift wieder runterfährt.» Auch wenn sie brisante Hinweise von Privatpersonen erhält, gilt es, sich fair zu verhalten. «Wir bringen nichts, ohne einer ­betroffenen Person vorher die ­Möglichkeit zu geben, ihre Sicht der Dinge einzubringen.»

Stolze Zolliker Bürgerin

In Zollikon gäbe es ausser den wohl bekanntesten Namen wie dem ­Rapper Stress, Karina Berger oder Martin Tillman noch ein paar weitere Berühmtheiten, die allerdings wenig daran interessiert seien, ihr Leben mit der Öffentlichkeit zu teilen. Und wo trifft man die hier ansässigen Stars? «Wenn, dann am ehesten bei einem Spaziergang auf der Allmend», verrät die Journalistin. Zollikon biete leider keinen wirklichen Treffpunkt, wo sich die Bewohner regelmässig begegnen und austauschen könnten. Dies vermisst Flavia Schlittler, findet sonst aber keine Nachteile. Seit 25 Jahren fühlt sie sich hier glücklich zu Hause, eingebürgert mit ihrer Familie seit 2006. «Ich bin stolze Bürgerin von Zollikon» lacht sie und erzählt, wie sie früher im Familienclub war, heute den lokalen Kulturverein und Shops unterstützt, die Freundlichkeit der Leute und die Nähe zur Stadt und zur Natur schätze. «Zollikon ist meine Herzensgemeinde. Hier möchte ich nie mehr weg!»

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