Ausstellung aus einem Guss

Noch bis Sonntag sind in der Galerie Milchhütte Felsen­malereien und Bronze-Postkarten zu sehen.

Hansruedi Suter hat sich von Höhlenmalereien inspirieren lassen. (Bild: bms)

Im ersten Moment könnte man meinen, dass die geometrischen und kühlen Skulpturen von djortsch alias Jürg Eberhard und die überlieferten, eher zarten Felszeichnungen von Hansruedi ­Suter nicht zusammenpassen. Das Gegenteil ist der Fall. Die aktuelle Ausstellung der beiden Künstler, die am Sonntag in der Galerie Milchhütte endet, ist aus einem Guss. Vor allem farblich passen die Kreidezeichnungen und die geformten Werke hervorragend zueinander.

Jede Arbeit ein Unikat

Jürg Eberhard zeigt einmal mehr, wie Geometrie plus Unordnung ein besonderes Spannungsfeld erzeugen. Dabei ist jede Arbeit ein Unikat. «Auch die Gussformen werden danach zerstört», erläutert Jürg Eberhard. Aber selbst mit der gleichen Form könnte es keine Abbildung geben, dafür ist zuviel Zufall am Werk. Rund neun Monate dauert es von der ersten Idee bis zur fertigen Skulptur. Eine Spanne, die es auch für ein Baby braucht. In der Zeit davor gebe es immer wieder Korrekturen, Veränderungen, Entwicklungen. Jedes Werk ist ein Prozess, der Geduld erfordert. Eine Besonderheit seiner Arbeiten liegt in den unterschiedlichen Oberflächen der Materialien Stahl und Bronze. Poliert oder stumpf geben sie das Licht ganz anders wieder. «In so einer Galerie mit ihrem Platz und dem besonderen Licht erstrahlen sie besonders», freut sich der Künstler.

Immer wieder habe er sich gefragt, wie es möglich sei, das Material Bronze nicht stehend, sondern ­hängend zu modellieren. So entstand die Reihe «Postcards from unknown places», die in ihren Rahmen wirklich an die Wand gehängt werden können.

Die Vergangenheit wird imitiert

So wie die Zeichnungen von Hansruedi Suter aus Winterthur. Inspiriert hat den Künstler ursprünglich ein Sachbuch seiner Frau, die sich für Archäologie interessiert. Suter begann sich für Felsen- und Steinmalerei zu begeistern und fragte sich, wie diese – so wie Graffiti – für den Innenraum umzusetzen sei. Er imitierte die Vergangenheit, zog Mörtel auf die Leinwand auf, dann folgte Pulverpigment, schliesslich die Kreide. Er, der zuvor auch Skulpturen geschaffen hatte, setzt dabei auf sehr kleine Formate – fast wie Wandfliesen – und auf Grossformate, die einem grossen Felsen ähneln. Da gibt es den Totenkopf, der fast anklagend schaut, ein gefährliches Tier, auch die Menschengruppe, in der man eine Mutter mit ihren Kindern erahnen kann. Wie Zeichnungen von Kindern muten manche Bilder an und regen auf subtile Weise die Phantasie der Betrachter an.

Öffnungszeiten: Freitag, 17 bis 19 Uhr. Samstag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr.

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