Tausendsassa am Cembalo

Nenad Leonart ist ein Vollblutmusiker mit vielen Talenten. Jüngst hat der 28-Jährige mit seinem Cembalo das Publikum mit einer erfrischenden Per­formance für die Aktualität der barocken Musik begeistert.

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Nenad, du bist bereits als Kind als Klaviersolist und Kammermusiker aufgetreten und hast zahlreiche Musikwettbewerbe gewonnen. Woher stammt dein Ehrgeiz und was treibt dich an?

Das hat sich irgendwie von selbst ergeben. Mich treibt von klein auf eine unersättliche Neugier. Ich habe als Kind in meiner Freizeit alles Mögliche unternommen. Mich zum Beispiel im Programmieren geübt, organische Chemie auswendig gelernt oder Aquarelle gemalt. Die Welt fasziniert mich mit all ihren Facetten. Insbesondere Genies jeglicher Art – der Wissenschaften wie der Künste. Das ­Phänomen der «Universalgenies» treibt mich an, weil ihnen etwas ­Urmenschliches, Archetypisches und Zeitloses innewohnt. Dabei trat die Musik immer mehr in den Vordergrund als eine Art Bindeglied all dieser Facetten.

Während des Klavierstudiums hast du dein Interesse zunehmend auf die Alte Musik gerichtet und auf das Cembalo umgesattelt. Was fasziniert dich an dem historischen Instrument?

Das Repertoire – aber auch die Persönlichkeit dieser Instrumente. ­Jedes einzelne ist einzigartig ­ge­fertigt und hat einen eigenen ­Charakter. Es ist wie eine Beziehung, die gepflegt werden möchte. Eine Freundschaft, bei der man sich selbst, wie auch das Gegenüber immer besser kennenlernt.
Es ist auch eine nackte Ehrlichkeit im Spiel, die bei modernen Instrumenten eher kaschiert wird – dort ist es leichter, sich hinter dem Instrument zu verstecken.

Mit deinem erfrischend fulminanten Auftritt hast du beim Mittendrin-Projekt das Publikum überrascht und begeistert. Was fasziniert dich als junger Mensch an der ­Barockmusik?

In der Barockzeit fängt unser ­modernes Musikverständnis an. Es ist Musik, die viele Elemente der Volksmusik enthält und die Zuhörerschaft direkt anspricht. Neben der Tatsache, dass mich die Barockzeit an sich sehr fasziniert, gibt es auch sehr viel Zeitloses in dieser Musik, weshalb sie noch heute höchst aktuell ist. Es ist mir deshalb ein grosses Anliegen, meinen Teil beizutragen, dieses Weltkulturerbe zu wahren und zu pflegen. Bei dem heutigen Zustand der Welt wird uns immer mehr klar, dass wir die Zukunft nicht meistern werden, ohne uns mit unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Ausgerechnet im Corona-Jahr 2020 hast du die Firma «Leonart Studio» gegründet, ein Unternehmen für multimediale Produktionen und kulturelle Anlässe. Hat dir Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht oder eher einen Schub verliehen?

Beides! Ich habe bereits im Vorjahr erfolgreich eine Hauskonzertreihe gestartet und die ersten Video­produktionen realisiert. Die Gründung war somit eher eine formelle ­Angelegenheit. Klar machte mir ­Corona einen dicken Strich durch die Rechnung. Auf der anderen ­Seite hat es mich wieder für andere Projekte inspiriert. So habe ich ­unter anderem während des Lockdowns 108 Konzerte in Altersheimen gegeben mit einer Orgel auf einem Lastwagen.

Was bedeutet dir der Auftritt bei dem Mittendrin-Projekt der Fröhlich Info AG, und wie hast du den Event in Erinnerung?

Der Auftritt war eine sehr schöne Erfahrung, die ich dankbar in Erinnerung behalte. Der Zusammenhalt ist wichtig. Diesen gilt es mehr denn je zu pflegen. Ich möchte mich an dieser Stelle für die Auftrittsmöglichkeit bedanken, welche sogar mit einem kleinen Publikum stattfinden durfte – eine echte Verwöhnung nach der Corona-Durststrecke. Flurin und Alvin Devonas machen ihre Arbeit hervorragend und ich wünsche ihnen weiterhin viel Erfolg bei dem Unterfangen «Mittendrin».

An welchem Projekt arbeitest du gerade?

Ich baue seit einem Jahr an meiner eigenen digitalen Barockorgel. Der Prototyp ist fertig und ermöglicht mir dank neuster Technologie, ­zuhause zu spielen und dabei Klänge der berühmtesten historischen ­Orgeln Europas zu hören. Nun ­werde ich die Orgel in ein mobiles Instrument umbauen, um bald mit Tourneen beginnen zu können. Das Projekt namens orgeltruck.ch erlaubt Auftritte an Open­airs oder in Sälen. So kommt das Publikum in den Genuss von tollen Barockorgeln, ohne weit reisen zu müssen.

Mit Yannick Keel sprach Simon Bühler


Mittendrin: Kultur bei Fröhlich

Junge Kunstschaffende haben durch Corona ihre Bühne verloren. Die Fröhlich Info AG solidarisiert sich mit den Talenten, öffnet ihnen die Türe und stellt ihnen den Maschinenraum für Projekte zur Verfügung. Eine Plattform mittendrin, die es ihnen ermöglicht, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Sie arbeiten künstlerisch, stehen am Anfang Ihrer beruflichen Laufbahn und möchten in unseren Räumlichkeiten Ihr Können zeigen? Schreiben Sie uns eine E-Mail: redaktion@zobo.ch

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