Pläne liegen auf Eis

Entscheidungen zum Ferienhaus Sanaspans werden weiter verschoben – zur Freude des Betreibers.

Die Juhui-­Ferien AG betreibt zurzeit das Haus und kann sich über mangelnde Gäste nicht beklagen. (Bild: Archiv)

Eigentlich wollte sich die Gemeinde Zollikon schon längst von ihrem Ferienhaus Sanaspans in der Region Lenzerheide trennen. Aber das bleibt weiterhin Zukunftsmusik.

Erst wehrten sich Bewohner und Naturschützer, dann musste eine Urnenabstimmung vor Ort kurzfristig abgesagt werden. Corona­bedingt fielen in Zollikon wegweisende Gemeindeversammlungen aus, und aufgrund der unsicheren touristischen Situation werde auch weiterhin nicht auf eine Entscheidung ­gedrängt. Das räumte der Zolliker Gemeindeschreiber Markus Gossweiler ein. Und das freut David Raess, der mit der Juhui-­Ferien AG das Haus mit insgesamt 29 Zimmern bewirtschaftet. Er fühlt keine touristische Unsicherheit. «Wir sind sehr gut ausgebucht – im Sommer wie im Winter», unterstreicht er. Das Ferienhaus sei nach wie vor bei Schulklassen, Gruppen und auch Einzelgästen sehr beliebt. «Ich leite verschiedene Ferienunterkünfte in der ganzen Schweiz und das Haus in der Lenzerheide ist definitiv ­eines der beliebtesten.» Die Gäste freuten sich besonders über die Ruhe und den wenigen Verkehr. Die Schulklassen kämen am Montagmorgen mit dem Bus, der dann wieder abfahre. Einige wenige Gäste kämen mit Privatautos. «Das heisst, dass die Kinder hier rumtoben können, ohne dass ein Pkw mit 80 Sachen um die Ecke kommt. Das ist ein wichtiger Aspekt für die Eltern», erklärt David Raess.

Auch die Anwohner und Anwohnerinnen würden sich über die Ruhe freuen und den Ist-­Zustand gerne so lange wie möglich beibehalten. Und dieser wird eben andauern. Markus Gossweiler sieht durchaus, dass das Haus einerseits von Schweizer Gästen gut gebucht wird. Mit einem neuen Familienhotel sollten aber auch ausländische Gäste im oberen Preissegment angezogen werden. Doch wie die Zukunft für den internationalen Tourismus aussehe, sei schwer abschätzbar.

«Zudem ist das Haus trotz der Beliebtheit defizitär. In den nächsten Jahren stehen grosse Investitionen für den Unterhalt-­Nachholbedarf von mindestens drei Millionen Franken an. Diese werden nicht von der Juhui AG getragen und können auch nicht erwirtschaftet werden», unterstreicht der Zolliker Gemeindeschreiber.

Zur Geschichte: Nachdem die Einrichtung lange als Ferienhaus für Zolliker Schüler und Schülerinnen genutzt worden war, wurde es mangels Nachfrage im Jahr 2015 fremdvermietet.

2019 planten schliesslich beide Gemeinden – Vaz/Obervaz und Zollikon – ein Neubauprojekt im Sinne der Tourismus-­Strategie Lenzerheide. Zuvor waren andere Projekte wie eine Alterssiedlung und auch die Gesamtsanierung geprüft worden. Doch mit Blick auf eine neue Alterssiedlung hat sich Vaz/Obervaz mittlerweile für einen anderen Standort entschieden. Eine Gesamtsanierung hätte Zollikon viele Franken gekostet – wobei eben der Betrieb eines Ferienhaus nicht zu den Kernaufgaben einer Gemeinde gehöre und parallel seitens der Bevölkerung offenbar kein grosses Interesse mehr an dem Haus bestehe.

Eine Lösung mit Verkauf und Zusammenarbeit mit der Gemeinde Vaz stellte sich schliesslich als ­interessanteste Variante der verschiedenen Möglichkeiten heraus. Dafür sollten mehr als 6000 Quadratmeter Agrarland in Bauland umgezont werden. Diese Um­zonung sollte zuvor an der Urne beschlossen werden. «Allen Beteiligten wurde klar, dass die Stimmbürger vor Ort einer Umzonung von Agrar-­ in Bauland eher zustimmen, wenn sie genau wissen, was auf sie zukommt», so Markus Gossweiler. Doch aufgrund der Planungsunsicherheit im touris­tischen Bereich aufgrund der immer noch anhaltenden Corona-­Situation sei aktuell ein Investorenwettbewerb zurzeit nicht sinnvoll. Die Beibehaltung des heutigen Hostel-­Betriebs sei allerdings hingegen auch keine nachhaltige Lösung für das Haus.

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