Spannung statt Fest

Anstelle einer grossen Feier zum 50-­jährigen Jubiläum der Juch-­Schule gibt es einen Kriminalroman.

An dem historischen Brunnen in Zumikon treffen sich der schlaksige Manuel und die pummelige Saskia und kommen einem Mordfall auf die Spur. (Bild: bms)

Mit einem grossen Fest hätte vergangenes Jahr der Geburtstag der Juch-­Schule gefeiert werden sollen. Corona war dagegen. Um das Event nicht einfach so verstreichen zu lassen, hatte die Gemeinde den Autor Andreas Giger beauftragt, einen Kriminalroman rund um die Schule zu verfassen. Ein Buch, das Zumikon mit seinen Facetten und Bewohnern zeigt. Und so beginnt «Das schwarze Buch vom Schulhaus Juch» mitten im Dorf. Auf dem Dorfplatz treffen sich Saskia und Manuel, die herrlich ungleich gleich sind. Die beiden sind zunächst nur durch ihre krankhafte Neugier verbunden, die sie rasch zum ersten Mord bringt. Der Tote lotst sie zu einer geheimnisvollen Entdeckung: zu einer Kamera, die in die Vergangenheit führt – und direkt zu einem weiteren Mord, der nie geklärt wurde. Bis jetzt. Saskia und Manuel springen fünfzig Jahre zurück, befinden sich plötzlich bei der Einweihung der Schule und treffen einen reichen Zumiker, der offenbar vom Liebhaber der Tochter erpresst wird.

Geschickt flicht Andreas Giger historische Fakten über Zumikon ein. Manuel, Schüler der ICS, erzählt so der erstaunten Saskia, dass Zumikon noch im Jahr 1950 ein Bauerndorf mit gerade mal 1000 Einwohnern war. «Zehn Jahre später waren es schon doppelt so viele. 1980 gegen 4500.» Die beiden schlussfolgern, dass Bauland immer wichtiger wurde – ein Problem nicht nur der Vergangenheit.

Ist das Skelett echt?

Die Detektive verfolgen weiter ihre Spur und stossen auf eine Vermisstenanzeige aus dem Jahr 1970. Ist das ihre Leiche? Der verschmähte Schwiegersohn? Ist das Skelett aus dem Biologie-­Unterricht eventuell echt? Die Schüler und Schülerinnen werden bei der Vorstellung sicherlich erschaudern. Ganz nebenbei tauchen dann echte Berühmtheiten der Zumiker-­Chronik auf – Elisabeth Kopp darf nicht fehlen, auch nicht Udo Jürgens, Max Daetwyler und Elisabeth Schwarzkopf. Auch einen kleinen Seitenhieb kann Andreas Giger sich nicht verkneifen: «Eine aufmerksame Aufsichtsperson der ICS kam auf sie zu und fragte höflich ‹Can I help you?›. ­Saskia registrierte sogleich den Kulturunterschied, hätte doch eine einheimische Aufsichtsperson eher barsch gefragt: ‹Was hab ihr hier zu suchen?›.»

Das Paar lässt sich mit der magischen Kamera auf den Golfplatz beamen, bewundert die Seldwyla-­Siedlung und ist plötzlich selber in Gefahr: «Dass ihnen dabei ein unscheinbarer Mann, der aussah wie ein entfernter Nachkomme des Profikillers von 1970, folgte, bemerkten sie nicht.» Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, denn nun wechselt die Perspektive und Saskia und Manuel sind selber im Visier. Finden Sie die Wahrheit heraus: «Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag.»

Natürlich hätten alle Kinder, Lehrer, Betreuer und Eltern im vergangenen Jahr viel lieber das Jubiläum der Primarschule mit einem grossen Fest begangen. Doch mit dem «Schwarzbuch» gibt es immerhin ein kleines Trostpflaster, das nicht nur Zumiker Geschichte und Geschichten parat hält, sondern auch grosse Momente der Schweizer Historie würdigt.

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