Gute Zeiten für Stellensuche

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Es fehlt an Fachkräften in vielen Zürcher Gemeinden. Aktuelles Beispiel, die Bau­polizei in Zollikon ist an eine Firma ausgelagert. Das hat seinen Preis. Der ausgetrocknete Arbeitsmarkt bringt jetzt den Verein Zürcher Gemeindeschreiber und Verwaltungsfachleute VZGV auf neue Wege.

Werbeplakat vor dem Zolliker Gemeindehaus. (Bild: zvg)

Einen Nachtragskredit von 60 000 Franken – an der letzten Sitzung hat sich der Gemeinderat entschieden, die Kosten für das Jahr 2021 von budgetierten 180 000 Franken rund 30 Prozent zu erhöhen. Der Kredit dient den baupolizeilichen Kontrollen und technischen Überprüfungen von Liftanlagen in Zollikon. «Beide Tätigkeiten werden momentan aus Kapazitätsgründen durch private Ingenieurbüros sichergestellt», steht im Bericht der Gemeinderatssitzung. Warum gibt es keine «Baupolizistin oder Baupolizisten» in der Gemeinde Zollikon? Mit 240 000 Franken könnte mehr als nur eine attraktive, abwechslungsreiche Stelle geschaffen werden.

Beinahe zeitgleich zum Gemeindebeschluss startet der Verein ­Zürcher Gemeindeschreiber und Verwaltungsfachleute VZGV eine Herbst-Kampagne. Die Botschaft ist selbsterklärend: «Jobs mit Wirkung. Ihre Zürcher Gemeinden.» Auf Plakaten präsentieren sich Gemeinde-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter und betonen, dass ihre Arbeitgeberin attraktiv ist. In der Kampagne präsentiert sich auch eine Bausekretärin, nicht jedoch ein Baupolizist. Das Plakat steht bereits vor dem ­Gemeindehaus Zollikon. Obwohl viele Gemeinden, auch Zumikon, baupolizeiliche Kontrolltätigkeit ausgelagert haben. Aus diesem Grund bieten Ingenieurbüros Dienstleistungspakete zu «Recht und Bau» an. Dazu gehört die traditionsreiche Ingenieurfirma Gossweiler mit insgesamt sechs Standorten im Kanton Zürich. «Durch die Vielfalt an Bauvorschriften wird das Bauen immer komplexer», erklärt Manuel Anrig von der ­Firma Gossweiler. «Mit der ­Digitalisierung erkundigen sich Bauwillige zuerst im Internet. Dies führt dazu, dass Bauvorschriften allenfalls anders interpretiert werden und Baugesuche vermehrt nicht ordnungsgemäss erstellt werden.»

Wie gestaltet sich der Werdegang einer Baupolizistin, eines Baupolizisten? Eine technische Ausbildung bildet die Basis, beispielsweise als Bauzeichnerin, Elektriker, Techniker, Schreinerin oder Zimmermann. «Es herrscht ein Fachkräftemangel», sagt Manuel Anrig. Er betont das Dilemma, dass eine eigentliche Ausbildung zum Baupolizisten fehlt. Manche absolvieren an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW den Lehrgang Certificate of Advanced Studies CAS, der sich vor allem für angehende Fachkräfte als Bausekretär eignet. «Dieser Lehrgang ist sehr theoretisch», ergänzt Manuel Anrig. Das Unternehmen Gossweiler organisiert interne Weiterbildungen und kann so selber Fachkräfte mit Praxis­bezug ausbilden. In der Firma betreuen zahlreiche Fachpersonen das sogenannte «Baupolizeiwesen». Mit einer klaren internen «Compliance Richtlinie» vermeiden sie Überschneidungen von Ingenieuraufträgen und baupolizeilichen Kontrollen in der gleichen Gemeinde. Manuel Anrig: «Wir nehmen die Ausstandspflicht sehr ernst, da wir ein apolitischer und unabhängiger Dienstleister sind.»

Es ist unbestritten, dass Behörden mit ihren Zuständigkeiten zum Machtgehäuse eines funktionierenden Staates gehören. Zuverlässige, öffentliche Organe, faire Gesetze und eine nichtkorrupte Bürokratie stehen für politische Stabilität. Zumal sich die meisten Gemeinde­behörden zu modernen Organisationen entwickelt haben. Das Schreckgespenst der verstaubten Amtsstube ist Geschichte. Ob sich mit der Kampagne der Mangel an Fachkräfte entschärfen lässt? Der Titel «Jobs mit Wirkung» suggeriert durch den Anglizismus «Job», dass es eher eine kurzfristige Tätigkeit ist, die keine besondere Qualifikation verlangt. Baupolizistinnen und -polizisten haben eine Schlüsselfunktion für die Sicherheit, wie auch für die Gesundheit der Be­völkerung im Rahmen der kantonalen Bauverordnung. Die Wichtigkeit der Kontrollen lässt sich anhand des Budgetpostens in ­Zollikon mit 240 000 Franken veranschaulichen.

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