Viel Licht für eine nachhaltige Zukunft

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Die Energiefrage ist in aller Munde und wird auch in Zollikon konkret. Geplant ist eine erste Photovoltaikanlage der Gemeinde zusammen mit der Dach­sanierung an der Bergstrasse im nächsten Jahr. Weitere Liegen­schaften sind für eine nachhal­tige, machbare Energiezukunft im Jahr 2023 vorgesehen.

Feuerwehr, Polizei und die Abteilung «Gesellschaft», sie alle sind an der Bergstrasse 10 beheimatet. Im nächsten Jahr wird ihre «Heimat» zum Vorzeigeprojekt in Sachen Energiezukunft der ­Gemeinde. Das Flachdach des Hauses soll saniert werden. Damit ist auch der Weg für eine Photovoltaik­anlage geebnet. Hinter dem politischen Prozess für eine grüne Zukunft in Zollikon steckt viel Arbeit, Motivation, Enttäuschung auch. Darüber kann Dominique Bühler berichten. Vor genau zehn Jahren ist sie als Gemeinderätin des ­Forums 5W zurückgetreten. Sie wollte aus Zollikon eine Energiestadt zaubern. Ihre Idee fand jedoch zu diesem Zeitpunkt wenig Gehör. «Die Zolliker Energiefrage ist ein gutes Beispiel für unsere ­direkte Demokratie», sagt sie. «Oft braucht es etwas länger, dafür kann die Bevölkerung mitreden und sich so besser für politische Entscheidungen durchringen.»

Manchmal braucht es auch etwas Nachdruck. Das jüngste Beispiel mit der geplanten Photovoltaik­anlage an der Bergstrasse ist der beste Beweis. «Wir wollten vom ­Forum 5W eine Initiative lancieren, da immer noch nichts energietechnisch passiert ist», berichtet ­Dominique Bühler. «Wir schrieben allen Parteien von unserer Idee. Und als der Gemeinderat davon erfuhr, kam Bewegung in die Sache.» Man traf sich vorerst per Zoom, später lud der Gemeinderat alle Par­teien zu einer Sitzung in den Gemeindesaal ein. Das Resultat – eine Liste ausgewählter gemeindeeigener ­Liegenschaften. Weiter forderte das Forum 5W, die Gemeinde müsste alle ausgewählten Liegenschaften öffentlich publizieren, spätestens nach den Sommerferien. Dass die Publikation nun erfolgte, freut die Initianten. «Am 1. Dezember wird an der Gemeindeversammlung über das Budget 2022 abgestimmt; dazu gehören 100 000 Franken für die Dachsanierung der Bergstrasse 10», sagt Gemeinderat Bernhard Ecklin und Ressortvorsteher Liegenschaften. Das Bauprogramm steht: Mitte August 2022 ist Baubeginn – drei Monate später wird das Flachdach saniert, die Anlage funktionsbereit sein.

«Es darf nicht vergessen werden, dass wir in der Gemeinde schon private Vorbilder mit Photovoltaikanlagen haben», betont Dominique Bühler. «Ich denke da an Fröhlich Info AG. Die Unternehmerfamilie Eberle-Fröhlich ist eine Pionierin, sie hat schon seit 1999 eine Anlage auf dem Dach.» Die Mitglieder-News der Zürcher Handelskammer titelten letztes Jahr: «Fröhlich Info AG lebt Nachhaltigkeit.» Die Solaranlage auf dem Dach deckt die Hälfte des Strombedarfs, für die andere Hälfte bezieht die Firma 100 Prozent zertifizierten Ökostrom.

Wirksamer Klimaschutz wird teilweise immer noch kontrovers ­diskutiert. Soll wirtschaftliches ­Interesse über das Wohl zukünftiger Generationen bestimmen? In ­einer neuer ETH-Studie beschreiben jedoch Ursin Gstöhl und Stefan Pfenninger, wie Solarenergie die energetische Selbstversorgung fördert. Die ETH-Forscher sind die ersten, die das Potenzial in der Schweiz mit gemässigtem Klima analysiert haben. Sie bewerten die technische und finanzielle Machbarkeit von energieautarken Haushalten, die sogar auf Elektrofahrzeuge setzen und ihren gesamten Energiebedarf mit selbstproduziertem Solarstrom decken. Die Studie zeigt auf, dass eine Selbstversorgung bis 2050 technisch möglich ist.

Nach den Erkenntnissen der ETH-Forscher werden die geplanten Machbarkeitsstudien für 2023 in der Gemeinde Zollikon kein grösseres Problem sein. «Die Studie für das Schulhaus Oescher soll schon Anfang 2022 in Auftrag gegeben werden», erklärt Gemeinderat Bernhard Ecklin. «Zur Diskussion stehen auch Installationen von ­Photovoltaikanlagen für das Werkgebäude an der Riethofstrasse 38 und für den Gemeindesaal an der Rotfluhstrasse 96. Dieses Vorhaben wird sich jedoch erst auf das Budget 2023 auswirken».

Nebenbei: In der Bundesverfassung sind die Kantone für den Erlass von Vorschriften im Gebäudebereich zuständig. Sie müssten jedoch schweizweit möglichst einheitlich sein. Die Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (EnDK) erarbeitet schon seit 1992 ein Gesamtpaket energierechtlicher Vorschriften. 2014 bekam das sogenannte Gesamtpaket den «wohlklingenden» Namen MuKEn, Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich, das in die kantonale Energiegesetze einfliesst – daran muss sich jetzt auch Zollikon orientieren.

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