Das bombastische Geschäft mit Corona-Tests

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Mit der Corona-Pandemie lässt sich gutes Geld verdienen. Einer der grossen Schweizer Player im Geschäft mit Corona-Testcentern ist die Firma Medtech­swiss AG, alias Apotest. Der Firmengründer Alain Giger setzt auf mehrere Geschäftsmodelle. 2016 buhlte er in einer TV-Sendung noch um die Gunst der «Bachelorette». Seit ­vergangener Woche hat seine Firma eine Bewilligung der Gemeinde Zollikon, um auf dem Dorfplatz ein Testcenter zu betreiben.

Das angekündigte Corona-Testcenter auf dem Dorfplatz Zollikon lässt auf sich warten. (Bild: ab)

Der Bedarf an Corona-­Tests ist nach wie vor enorm. Zirka 20 Personen warteten am Donnerstag vergangener Woche vergeblich auf dem Zolliker Dorfplatz, um sich testen zu lassen. Die Gemeindeverwaltung hatte der ­Firma Medtechswiss ab dem 6. Januar bis und mit Samstag, 5. Fe­bruar eine Standortbewilligung für ein Testzentrum auf dem Dorfplatz ­erteilt (Montag bis Donnerstag von 14 bis 20 Uhr, Freitag und Samstag von 11 bis 22 Uhr). Bis gestern (13.1.) war ­jedoch nicht klar, wann das Testcenter öffnen kann; es gebe Lieferschwierigkeiten mit dem Test­container, sagt Eneas Briner, Verantwortlicher bei Medtechswiss für das Zolliker Testzentrum. Man sei auf der Suche nach einem anderen Lieferanten.

Täglich 12 000 Tests

Medtechswiss fungiert auch unter dem Namen Apotest. Die Firma ­testet nach eigenen Angaben an schweizweit 128 Standorten, arbeitet mit zwölf Apothekern und Ärzten zusammen und beschäftigt 1450 Mitarbeiter. Diese führen täglich mehr als 12 000 Tests durch. Viele Standorte befinden sich in der Nähe von Bars oder Restaurants. Die Tests sind für Bürgerinnen und Bürger gratis. Medtechswiss rechnet direkt beim Bund ab. Für einen Antigen-Schnelltest erhält die Firma 35 Franken, die PCR-Tests sind weniger lukrativ, weil diese ins ­Labor geschickt werden müssen und die Marge tiefer ist. Welche Tests verwendet werden, bleibt den Testcentern überlassen. Die Fachverantwortung vor Ort muss laut Vorgaben der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich ein Apotheker, Arzt oder Laborleiter übernehmen. Der Name der verantwortlichen medizinischen Fachperson muss im Testcenter klar sichtbar sein. Eine Fachperson darf höchstens zehn Aussenstandorte betreiben. Zudem muss das gesamte Personal von einer Fachperson geschult und fürs entsprechende Testen ausgebildet sein. Das eingesetzte Testpersonal muss aber nicht zwingend medizinische Fachkenntnis besitzen. Mit den langen Tupfern dürfen auch angelernte Laien Abstriche nehmen. Für die Schulung der Mitarbeiter sind die Testzentren allein verantwortlich.

Pandemie als Geschäft

Alain Giger und Edison Shabaj haben die Firma Medtechswiss im ­August 2020 gegründet. Auf der Website (www.medtechswiss.com) ist wenig zu erfahren. Das «junge innovative Schweizer Unternehmen» sei im Einsatz für die Eindämmung des Coronavirus gegründet worden. Die Firma vertreibe Desinfektionsmittel und Schutzmaterialien. Unter den Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB ist zu lesen, dass Medtechswiss eine «Marke» der Giger & Klingler AG in Triesen, Liechtenstein ist. Die Giger & Klingler AG in Liechtenstein ­wurde aber bereits im Juli 2020 aus dem Handelsregister gelöscht. Eine Giger & Klingler AG existiert noch in Wilen bei Wollerau im Kanton Schwyz, an derselben Adresse, an der Medtechswiss und Apotest eingetragen sind. Im Oktober vergangenen Jahres wurde ein Konkursverfahren gegen Medtechswiss eingeleitet, am 9. Dezember aber wieder ad acta gelegt. Die Firma hatte, laut Inhaber Alain Giger, «so viel zu tun, dass wir mit Rechnungen bezahlen nicht mehr nachkamen». Für weitere Fragen stand er nicht zur Verfügung.

Breit gestreute ­Geschäftsmodelle

Der umtriebige Geschäftsmann Alain Giger setzt auf unterschiedliche Geschäftsmodelle. An der gleichen Geschäftsadresse wie Medtechswiss sind elf weitere Firmen angemeldet. Unter anderem die Firma «Creation D’Alain» (www.creationdalain.ch). Mit der Geschäftsidee, «natürliche» Desinfektionsmittel mit Gold- und Silberanteil zu verkaufen, war Giger 2021 auf Investorensuche in der «Höhle des Löwen» auf dem Schweizer Sender 3+ zu sehen. Die dort vorgestellten Desinfektionsmittel heissen passenderweise «Golddigger» und «Shinebright» – 50 Milliliter kosten knapp 30 Franken. Die ­Desinfektionsmittel sind vom BAG registriert und zugelassen und werden nach eigenen Angaben in der Schweiz hergestellt. Die Produkte konnten die Juroren in der «Höhle des Löwen» aber nicht überzeugen. Alle zogen sich zurück mit der Begründung: «Sie versuchen, in einen fallenden Markt einzutreten.»

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