«Wer ernten will, muss erst säen»

Mehr Sport machen, sich beruflich neu orientieren, weniger Zucker essen: Vorsätze gibt es viele. Sandra Kolb zeigt einen Weg auf, wie der Wunsch Realität wird.

Sandra Kolb arbeitet auch mit visuellen Anreizen. Bilder helfen, das eigene Ziel zu formulieren. (Bild: zvg)

Diese Situation kennt bestimmt jeder und jede. Ein Freund nimmt sich jedes Jahr vor, das nächste Jahr mehr Sport zu machen. Nach dem Abo-Kauf geht er vorerst top motiviert und regelmässig hin. Doch schnell hat sich seine Motivation in Luft aufgelöst. Und im Dezember fasst er sich dann wieder Neujahrsvorsätze. Das ist eine der Situationen, in denen ­Sandra Kolb als Consultant und Coach helfen kann. Die 42-Jährige war 18 Jahre in der Strategieentwicklung im Bereich Transformation, Marketing und Mitarbeiterprozesse tätig und hat schon immer gerne Veränderungen begleitet.

Wie könnte der unsportliche Freund seine Motivation stärken?

Die Erklärung liegt in der Motivations-Psychologie des Menschen. Kopfentscheidungen werden nur nachhaltig umgesetzt, wenn sie mit dem Bauchgefühl übereinstimmen. Am Ende des Tages treffen wir also Entscheidungen aufgrund unserer Gefühle. Die dafür verantwortliche Instanz in unserem Kopf ist das limbische System. Es verarbeitet Sinneswahrnehmungen zu Erinnerungen und Verhaltensmustern.

Wie gehen Sie während der Beratung auf diese Sinneswahrnehmungen ein?

Ich setze auf alle fünf Sinne. Jeder Mensch hat einen bevorzugten Sinn. Aber alle Menschen denken in Bildern. Wenn ich zum Beispiel Jasmin rieche, dann poppt in meinem Kopf ein glückliches Bild aus unseren Familienferien in Spanien auf. Das wäre eine kraftvolle Ressource für eines meiner Ziele.

Wenn ich mir als vielleicht ängstlicher und unsicherer Mensch das Ziel setze, gelassen vor einer grossen Gruppe zu sprechen, hilft mir dann wirklich ein Bild?

Angst und Liebe sind sehr starke Gefühle und können in der Tat blockieren. Aber wenn der Weg zum Erfolg ein wenig steinig ist, dann ziehe ich mir einfach Wanderschuhe an. Mit Unterstützung kann ich es mir leichter machen. Wenn Sie auf einen Berg steigen wollen, fangen Sie auch nicht mit einem Dreitausender an, sondern trainieren erstmal auf dem Uetliberg. Ein positives Bild kann uns dabei unterstützen. Ich kann es wie ein Mantra oder Ritual nutzen. Wir fangen aber erst einmal mit einer kleinen Teamsitzung an und arbeiten zudem an der Körperhaltung und Atmung.

Und was mache ich mit schlechten Erfahrungen und Erinnerungen?

Negative Erinnerungen oder aufgeschobene Ziele wecken Gefühle, die uns an der Umsetzung hindern. Das Zürcher Ressourcen Modell ZRM zum Beispiel setzt genau dort an. Ähnlich wie in der Projektleitung gibt es einen Rahmen vor, der uns von der Zieldefinition bis zur konkreten und nachhaltigen Umsetzung leitet. Meine Aufgabe ist es auch hier, mein Gegenüber mit wirkungsvollen Methoden und viel Empathie bei der Selbsthilfe zu unterstützen.

Wie kann ich mir das konkret vorstellen?

Zu Beginn wählt jeder, jede ein Bild aus einer Auswahl von Fotografien und notiert sich seine Gedanken dazu. Da gibt es den Löwen, den Vogel am Himmel oder auch Erdbeeren. Danach gibt die Gruppe ihr Feedback zum Bild. Daraus wird dann ein starkes und motivierendes Ziel formuliert. Zur Überraschung aller Teilnehmenden funktioniert das auch, ohne das persönliche Thema zu kennen.

Wer kommt mit welchen Anliegen zu Ihnen?

Im privaten Bereich geht es oft um Karriereberatung mit Themen wie Lohnerhöhung, Beförderung oder Führungsfragen. Seit Ausbruch der Pandemie kommen vermehrt berufliche Neuorientierungen zur Sprache. Viele wissen oft schon sehr genau, was sie nicht möchten. Schwieriger ist es herauszufinden, was einem gut tut. Beratung schafft hier Klarheit und richtet die nächsten konkreten Schritte darauf aus.

Stimmt es, dass Männer sich besser «verkaufen»?

Meine Erfahrung ist das nicht. Ich kenne sehr starke Frauen, die sich für ihre Belange einzusetzen wissen, und ganz sensible Männer. Ich glaube, das ist keine Frage des biologischen Könnens. Mann und Frau haben ihre Zukunft selbst in der Hand.

Sie bieten auch Outdoor-Coaching an. Das erinnert an das gerade moderne Waldbaden und irgendwie auch an die Sonntagsspaziergänge mit der ganzen Familie.

Dass uns die aktive Bewegung in der Natur gut tut, ist wirklich keine neue Erkenntnis. In Japan werden Spaziergänge vom Arzt anscheinend sogar verordnet. Aber wie immer gilt: Es hilft nur, wenn man es auch tut.

Sie selber reiten und schiessen mit Pfeil und Bogen. Ist das auch eine Übung, um sich auf einen Fokus zu konzentrieren?

Ja, das hilft sicherlich. Beim Reiten muss ich genau wissen, was ich will. Das kommuniziere ich dem Pferd über meinen Körper. Diese faszinierenden tierischen Partner erkennen ein selbstsicheres Auftreten sofort und reagieren entsprechend darauf. Aber das funktioniert bei mir auch noch nicht immer. Beim Pfeilbogenschiessen hilft mir die Atmung, runterzukommen und damit das Ziel genauer zu treffen. Eigentlich eine gute Idee, das in die Beratung einzubauen …

Aktuell sind Beratungen gerade mit Gruppen schwierig. Wie handhaben Sie das?

Schöner ist natürlich das persönliche Treffen. Wir haben einen Mini-Workshop am 19. Januar im gemütlichen Ambiente des Blumencaffès Verde im Zollikerberg organisiert. Ausserdem finden mehrere Online-Mini-Workshops statt. Dort können alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Neujahrswünsche säen, damit sie wachsen und Realität werden.

Und was ist Ihr Neujahrsvorsatz?

Mehr Zeit für mich und meine Lieben.

www.move-development.com

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