Defibrillator – ein Werkzeug, kein Hexenwerk

In den Gemeinden Zollikon und Zumikon sind an verschiedenen Standorten Defibrillatoren aufgestellt, doch viele Leute haben zu grossen Respekt davor, die Geräte einzusetzen.

Ein frei zugänglicher Defibrillator am Kiosk der Sportanlage Riet. (Bild: rb)

«Eins! Zwei! Schock!» Ein Stromstoss fährt durch den reglosen Körper. «Zurück!», brüllt der Notarzt, presst die Elektroden auf die entblösste Brust und erneut – ein Schock, Muskeln zucken und der Torso bäumt sich auf. Wer kennt sie nicht, solch dramatische Szenen aus Film und TV? Defibrillatoren können ­Leben retten, zweifellos, aber vielfach beläuft sich unser Wissen über deren Anwendung auf das, was wir in Film und TV sehen.

25 Defibrillatoren in Zumikon und Zollikon

Auf Zumiker Boden hängen neun Defibrillatoren, zum Beispiel im Gemeindezentrum, im Zumiker Treff, in den Schulhäusern, im Hallenbad Juch und in der Turnhalle Farlifang. In Zollikon sind 16 Defibrillatoren verzeichnet, unter anderem in den Schulhäusern Buechholz, Oescher und Rüterwis und im Schwimmbad Fohrbach. Auch Polizei, Feuerwehr und Seerettungsdienst verfügen über entsprechende Geräte. Rund um die Uhr zugänglich sind lediglich zwei Geräte: eines in der Notaufnahme des Spitals Zollikerberg, eines an der Aussenwand des Kiosks auf der Sportanlage Riet.

Auffrischungskurse lohnen sich

Häufig liegen Nothelferkurse Jahre zurück, manchmal so weit, dass automatische externe Defibrillatoren (AEDs) noch nicht Gegenstand des Kurses gewesen sind. Heute gehören sie nebst der Herzdruckmassage zum gängigen Repertoire an Fahrschulen oder auch beim Samariterverein Zollikon/Zollikerberg. Ein Auffrischungskurs lohnt sich, die Ausrüstung ist in unseren Gemeinden bereits vorhanden.

Respekt ist gut, handeln besser

Jährlich erleiden rund 8000 Menschen in der Schweiz einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Die ersten drei bis fünf Minuten entscheiden dabei häufig über Leben oder Tod.

Ziel einer Defibrillation ist es, den gesunden Herzrhythmus wiederherzustellen – beispielsweise dann, wenn es zum Kammerflimmern kommt und das Herz nicht mehr genug Sauerstoff in die Organe pumpen kann.

Seit den 90er-Jahren stehen an stark frequentierten Standorten wie Schulen und Gemeindezentren AEDs zur Verfügung. Im Gegensatz zu den in Rettungsfahrzeugen und Notaufnahmen eingesetzten Defibrillatoren arbeiten diese automatisch. Das heisst, einmal korrekt aufgesetzt, messen die Elektroden die Herzwerte des Patienten, und ein Sprachassistent instruiert den Anwender über jeden Schritt, vom Auflegen der Elektroden bis zur Schockabgabe. AEDs gelten daher als laiensicher.

Dennoch ist der Respekt vor diesen Geräten gross. Viele Menschen scheuen den Umgang mit AEDs aus Angst, etwas falsch zu machen und dem Patienten weiteren Schaden zuzufügen. Wie oftmals bei der Nothilfe gilt auch hier: Nichts zu tun, ist sicher falsch. Die automatisierten Geräte nehmen dem Anwender sowohl Messung als auch Auswertung ab und erteilen präzise Anweisungen über das weitere Vorgehen. Das Wichtigste ist, selber Ruhe zu bewahren, Hilfe zu rufen oder rufen zu lassen und genau das zu tun, was das Gerät sagt.

Die Website defikarte.ch bietet eine Übersichtskarte der Schweiz, die Standort und Zugänglichkeit aller gemeldeten, öffentlichen Defibrillatoren aufführt – auch für Zollikon und Zumikon.

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