Verschlafen und eingekugelt

Pro Natura hat den Gartenschläfer zum Tier des Jahres 2022 ernannt. Bei uns sucht man ihn vergebens. Dafür lebt hier sein Verwandter: der Siebenschläfer.

Siebenschläfer halten im Schnitt sieben Monate Winterschlaf – je nach Wetterlage erwachen sie auch mal früher. (Bild: wildenachbarn.ch)
Siebenschläfer halten im Schnitt sieben Monate Winterschlaf – je nach Wetterlage erwachen sie auch mal früher. (Bild: wildenachbarn.ch)

Er ist klein, flauschig und flink, trägt ­einen langen Schwanz und lugt mit grossen, schwarzen Augen hinter seiner Banditenmaske hervor: Der Gartenschläfer (Eliomys quercinus) ist Tier des Jahres 2022. Er lebt in höheren Lagen ab 1400 Metern, in naturbelassenen Mischwäldern und in vielfältigen Kulturlandschaften, wo noch reichlich Hecken mit Beerensträuchern wachsen. In Zollikon und Zumikon wird man ihm kaum begegnen, dafür teilen wir uns die Gemeinde mit seinem nächsten Verwandten, dem Siebenschläfer (Glis glis).

Der Schläfer – oder Bilch genannt – schlummert in dieser Zeit des Jahres eingekugelt in seinem Nest, in Baum- und Erdhöhlen, im Unterholz, aber auch in Gartenschuppen oder in Scheunen und Estrichen. Rund sieben Monate verbringt ein Siebenschläfer im Winterschlaf – während dieser Zeit senkt er Herzfrequenz und Körpertemperatur auf ein Minimum.

Zwischen April und Mai erwachen die Tiere, was vor allem Hauseigentümer und Besitzer von Dachwohnungen bisweilen mitbekommen: Einmal wach, veranstalten die kleinen Nagetiere einen Heidenlärm. Ihr Jahr ist kurz, deshalb drängt die Zeit: Erst suchen sie einen Paarungspartner, bald müssen sie vier bis sechs kleine Mäuler stopfen, und ehe sie sich versehen, bläst der Wind die Blätter von den Bäumen und sie fressen sich die Speckschicht für den nächsten Winterschlaf an.

Siebenschläfer ernähren sich nicht nur von Obst, Knospen und Beeren, sie erbeuten auch Insekten, Spinnen, Amphibien, Reptilien, andere kleine Säugetiere und sogar Vögel.

Erstaunlich, ob Gartenschläfer oder Siebenschläfer: Alle beide können bei Gefahr ihren Schwanz abwerfen. Ganz so, wie es zum Beispiel Blindschleichen und Eidechsen tun. Den Bilchen aber wächst der Schwanz, einmal abgeworfen, nicht mehr nach.

Das Naturnetz Pfannenstil hat die Plattform https://pfannenstil.wildenachbarn.ch/ ins Leben gerufen, auf der Sichtungen von Siebenschläfern und anderen Wildtieren in unserem Siedlungsgebiet gemeldet werden können.


Neu alle zwei Wochen aus der Natur

Wie das mit Nachbarn so ist: Man kann sie lieben oder hassen, dennoch sind sie da. Mal hängen sie mit acht Beinen in schier unsichtbaren Netzen an der Zimmerdecke, mal flattern sie im Garten von Strauch zu Strauch. Einige betreiben Photosynthese, andere tragen klingende Namen wie Eierschwammerl oder Krause Glucke. Der Zolliker Zumiker Bote forscht nach, mit wem wir uns die Gemeinde sonst noch teilen.

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